Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 26 (23.6.1856)
- Date
- 1856-06-23
- Page
- Seite 346 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- 346 Du und Wogen — nur eine große, grüne, smaragdene W,a n d steht,vor Dir und erhebt sich bis -an densWßerften-HKVzoNt;. UGd übG tzjxft AOne Mand le- Aen MMM<d^fenjv^NFKen^ RegenLvMifgrben, rothe, braune, gelbe, die sich endlich mit dem Himmel vermischend Und siehst Du genauer zu, so ist es keine Wand, sondern i eine unermeßliche, krystallene, smaragdene W ölbung, von der Dir der Höchste Bogen am Horizonte erscheint. Ach, es ist ein schönes, wohlthuendes, zauberisches Grün, hell, lichtdurchwoben, leise übernebeltes) nicht so massiv und bestimmt, wie das Grün der Erde, .das, selbst das .Helle - Maigrün, immer an materiellere Bedürfnisse erinnert, sondern ins Lichte und Blaue spielend, so ahnungs - und traumvoll, und doch dem Riesen so anstehend.... ' Aber blickst Du Dich nun um nach der Seite, wo die Sonne ihr Füllhorn von Strahlen auf das Meer gießt: da ist das Grün und das Roth und das Blau verschwunden, und Alles aufgegangen in das hellste, blitzendste Silber, in einen großen, unermeßlichen „Silberblick", wie Du 7 ihn sonst -kurz und beschränkt beim Schmelzen des.Silbers lauschend erhaschest, hier von der Erde bis zum Himmel reichend... 0 die glitzernde Silberwand, die Ha vor Dir . stcht, und Du.mußt Pich .bald .abwenden, denn Du wirst geblendet... Ich bin ganz Auge) mein Geist ist aufgegangen in diesen Sinn; er sieht und sieht, und weiß, was er sieht, und es ist nuu Eines, was er sieht, und doch kann er nicht aushören zu sehen. Es ist ganz anders, als was er erwartet hatte. Er glaubte, daß er eine große, weite Fläche sehen werde, nur unterbrochen von den Häuptern der Wellen, die sich auf- und niederducken. Aber nichts davon — eine erhabene Wölbung, ganz abgerundet, bei der es gar nicht ankömmt, wie weit man steht, denn sie bleibt doch so. Nur im Vordergründe, da die Fluth anfängt heranzurauschen und den schneeweißen Meeressand immer mehr und näher bedeckt, schäumen die weißen Wellen in weiter Linie hin) dort erhebt sich eine und wälzt die große Schaumlinie näher und näher, dahinter wieder und wieder eine, in endlosem Spiele, hier entstehen sie, dort enden sie, und dann an anderen Stellen, immer wieder so und doch immer anders...-. So steht und sieht man stundenlang, und bleibt dabei eben so bewegt still, wie das Meer... Ich bin kein Träumer. Andere mögen an diesem Meeresstrande stehen, und denken, von welchen Ufern wohl diese Wellen herangesiuthet kämen, und wie jene fernen Küsten beschaffen, und was für Glück und Unglück auf ihnen blühe und sterhe. Nichts von allem ^em^in mi^-^kch da so -unendlich viel HqAnHH. ^rllHchHoÄieÜMe mein reger Geist undMMn schwaches Auge nur DM'en vermag, erfassen... Ich besteige den 146 Stufen hohen Leuchtthurm. Droben rauschen die Luftwellen des'Windes gewaltiger, daß man das eiserne Geländer erfassen muß, um sich aufrecht zu erhalten. Aber was nützt es, daß man einige hundert Huß höher sich befinvet, daß man vielleicht einige Meilen weiter über die See sieht. Das Meer ist so groß, und dje Wölbung desselben so hoch, daß es nur wie eine Spanne ist, die man an Sicht gewonnen. Die Dinge auf der Erdfläche da sind kleiner geworden, aber das Meer nur größer und riesiger. Da draußen in der hohen See erblickt man hie und da einen weißen Punkt und der Führer erklärt diesen als Segelschiffe, welche den Canal passiren) aber sie sind für uns nicht da, diese großen, stolzen Menschenbauten, tsnlen am Strande hat ein Fischer seinen Nachen gelöst, um kühn hinauszufahren, die flüchtigen Bewohner der See in seine Netze zu fangen. Da erscheint der Mensch groß. Denn auf dem einfachen Brette wagt er es, die Häupter der Wellen mit seinen Füßen zu betreten) wie unwillig schleudern sie ihn bald hoch, bald nieder — er jedoch lächelt, oder beachtet es kaum, denn er weiß, wie er mir seinem Ruder und seinem Steuer sie zu bezähmen habe. Schneller als ich dies niederschreibe, ist der Fischerkahn weit hinausgeeilt, und mein Auge muß den verwegenen Herrn des Meeres mühsam aus den Wellen heraussuchen. Wohlan! ihm nachgeahmt, die Gondel bestiegen und auf das Meer hinausgeeilt. Aber das unbekannte Element blicht mich schreckhaft an, und mahnt in der heranrauschenden Fluth zu baldiger Umkehr. Das Fahrzeug tanzt wilder auf den immer größer werdenden Wellen) die Einbildungskraft sieht auf allen Seiten Gefahren, und die weißen Hände der Wassergeister, welche den thörichten Fremdling ergreifen und herabziehen wollen. Wir kehren um. Die Fluth hat unterdeß den gan? zen Strand bedeckt, wo wir vor Kurzem nicht blos trocknen, sondern auch festen Fußes gingen, und Muscheln sammelten, da kräuseln jetzt die Wellen und schäumt die Brandung. Wir steigen den Damm wieder hinauf und lassen uns zu ruhiger Beschauung nieder.