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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-06-23 · Heft 26 (23.6.1856) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 26 (23.6.1856)
Date
1856-06-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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20, Jahrgang. U l l g t M eine 26. Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse, Herausgegeben von . Rabbiner Vr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig., den 23. Juni 1856. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montag-, und wird jährlich 78 Bogen in Qnart incl. de- Titels, Registeru. s. w. umfassen. In Gemäßheit de- Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22'/r Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr anzesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Distelluugen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die lönigl. sächs. . Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. ' - Inhalt. Leitende Artikel: - Am Meere, 26. Mai. I. — Wiener Briefe. Don H. Zirndorf. II. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: München, Worms, Hannover. Preußen: Magdeburg, Berlin, Hirschberg. Oesterreichischer Kaiser staat: Wien, Wien. Frankreich: Paris, Paris. Großbritannien: London. Leitende Artikel. Am Meere, 26. Mai. I. Am Meere, am Meere!.... So gehen Dem, der da will, die Träume der Jugend dennoch in Erfüllung; noch eine kurze Strecke, und Du wirst das Weltmeer vor Dir sehen. In Deinem Geiste steht die Frage: wie wird es aussehen? aber Deine Phantasie versagt Dir den Dienst, weil sie doch zu sehr fürchtet, daß ihr Bild hinter der Wirklichkeit zurückbleibe. Jetzt nur noch diesen großen breiten Damm hinauf—und Du bist davor... Es ist Ebbe, und das Wasser reicht lange nicht an den Fuß des Dammes, der seine schief gemauerte Fläche weit hinunterstreckt. Eine scharfe Brise weht vom Lande nach der See zu, aber für diese ist sie so leicht, daß fie die Wellen kaum kräuselt; die See ist still. Ein weißblauer Himmel wölbt sich und die Sonne steht nicht golden, aber silbern an ihm. Die Landschaft ist reizlos, fast öde; die Stadt hinter dem Damm versteckt, kein Baum,, kein Gesträuch weithin zu sehen. Rechts erhebt sich der hohe Leuchtthurm, und hinter ihm hervor erstrecken sich die ungeheuren Gestänge mit Lampen weit,' weit ins Meer. Aber ich sah in diesem Augenblick dies Alles nicht, sondern nur das Meer. Gott hat des Menschen Geist wundersam gebaut. Da dieser, gebunden an das Sinnlich-Wahrnehmbare, an das Endliche, Begrenzte, nicht vermag, das Unendliche, Unbegrenzte zu fassen: so ist ihm dadurch geholfen, daß er das Unermeßliche als eine Einheit sich vorstellt und dadurch selbst das Unendliche begreift. Gott, das unendliche Wesen, erscheint ihm als Einheit, als Eines, als der Einig-Einzige, als das Durch und Durch und Ewig-Dasselbige — und siehe, er hat diesen unendlichen Gott begriffen und sich zueigen gemacht. Die Welt mit ihren unermeßlichen Räumen und zahllosen Welten, die Welt, deren kleinster Winkel uns, schon Zahlen bietet an Raum und Wesen, die uns schwindelig machen, wir fassen fie als Eines, als ein, nach denselben ewigen Gesetzen gewordenes und immerfort werdendes Ganzes, und sie ist mit Einem Male faßbar. Und so auch das Meer!... ha, diese zahllosen Wellen, diese unermeßlichen Wasserwogen, welche drei Viertel des Erdballs bis in uns unerreichbare Tiefen bedecken — sie erscheinen uns als Eines, als eine Einheit, und sie sind unser geworden! Denn siehe, Du stehst vor dem Meere, aber nicht Wellen stehst

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