Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1856)
- Date
- 1856-06-16
- Page
- Seite 338 (sequence 8)
- Language
- German
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338 den gestattet, irr ihren Gebeten ganz gewaltig zu schreien: Unser Vater und König, wir haben keinen König außer dir allein! Indessen hat jene Adresse auch , eine ganz particulair-patriotische.Seite. Sollte man denn die eigene Behörde einer Antwort vom: Fegen vor eigener Thür, oder vom: muselmännischen Staat aussetzen? Auch liegt der Schwerpunkt jener Adresse nicht auf der politischen Seite, sondern vielmehr in der Berufung auf die Sanhedrin von 1806, und nur die Napoleonische Regierung besitzt Präcedentien, um die türkischen Juden mit ihren eigenen Kräften von ihrer hierarchischen Sklaverei zu befreien. ES ist auch wahrlich nicht zu vergessen, daß die Juden in der Türkei mit drei- bis viererlei Kirchgenossenschaften concurriren,, die es sich zum Verbrechen achten, würden, ihre Gläubigen nicht schon in der Kinderlehre zum Haß gegen die Juden aufzustacheln. — -Es hat mich vor einiger Zeit gefreut, zu finden, daß meine Aeußerungen über die sogenannte portugiesische Aussprache, doch nicht ohne; allen Anklang geblieben sind, und die allmählige Einführung in den Gottesdienst kann überall da, wo den Menschen, zumal den jüngeren, etwas Schönheitssinn anerzogen ist, unmöglich zu den Unmöglichkeiten gehören. Nur muß, man. nicht glauben, daß schon Alles geschehen sei, wenn man statt o und au und äi A und O und E spricht; dev wahre Reiz dieser Pronunciation liegt vielmehr in der geMUM Beobachtung derprosodischen Quantitäten und Accente, so wie der dageschirten und der weichen Consonanten. Wer da pronuncirt: Topp Ad. lakoll werachmaff ngal koll mangassaff,. statt: Toob adonai lakkool, werachümaaw ngal kol mangaffaaw (das w am Ende ganz Weich, gleich dem englischen W), der hat dem feinen Ohre nicht genügt. Es sind ferner guch die hörbaren SchewaS zu.beobachten, und man darf nicht sagen mimkomo, ittchem, sondern m!mmeko.mü, ittechsmm, und am wenigsten darf man singen B'zst Jisrael oder B'tsrem koll, statt bezeeth und betsrem, zumal bei rhythmischen Gedichten wie lechL dodr, adon olam, in denen bedeutende Dichter es sich um die correcte Vertheilung der Versfüße haben sauer werden Waffen. Wer möchte wohl, wo ein deutscher Dichter „Gesundheit und Gesetz" geschrieben hat, Wundheit und Xsetz singen, lassen? Was übrigens die ng Aussprache des Buchstaben anbelangt, welche in hiesigen Gegenden, in Holland u. s. w. längst allgemein ist,; so rechtfertigt diese sich durch die uralte Uebertragung der Eigennamen Gomorrha^ Chodorlogomer, Reguel, Gaza u. nt. dgl. eben so, wie dte t-Aussprache des. n durch das Wortspiel töb meüd — stt ti.»73, was jn sonst gar keinen Sinn hätte. Obige Betrachtungen leiten mich auf. den Inhalt des Schottischen Aufsatzes in Nr. 20. und der Gegenbemerkungen. Es mögen da wohl auf allen Seiten Jrrthümer statthaben. Der öffentliche Gottesdienst mit der öffentlichen Predigt sind dem heutigen Judenthum nöthig, weil das allgemeine Bewußtsein aller Religionen sie heutzutage eben so fordert, wie im hohen Alterthum die Opfer, die ja auch nur mit dem Accommodationssatze: wenn Jemand von euch ein Opfer zu bringen Lust hat, so u. s. w. eingeführt wurden. Allein nun kommt die Hauptunterscheidungsfrage : ist das Gebet ein Pflichtpensum, eine Choba, oder ist's eine freie That, ein Reschüth? Und hier gehen die Anschauungen der jetzigen Welt, selbst desjenigen Theils, der sich altgläubig wähnt, denen der alten diametral entgegen. Alle Gebetbuchsvorreden, von den Friedländer-Euchel'schen bis aus die des letzten heutigen schmelzherzigen Siddurmachers, erzählen uns, wie das Gebet ein Erguß des begeisterten Herzens u. dgl. m. sei, und nun muß sich dieser begeisterte'Erguß in Formen und Worten bewegen, die bis aufs Jod- oder i-Pünktchen vorgeschrieben, für alle Viertelstunden des ganzen Jahres genau vorgeschrieben sind, ja sogar wie die noch gar nicht antiquirten HeidettheimsschenPsalmen-Gebrauchs- Tabellen und so viele blutjunge Ceftr - hä - chayim's, Maaneh-laschon's u. s. w. beweisen, als sympathetische Medicamente für bestimmte Fälle' geistiger und körperlicher Leiden angewiesen werden. Nein! so weit ist Gott sei Dank der größte Theil der jüngerst Welt in diesen Ländern, daß sie sich solche Götzendienerer nun und nimmermehr üufdringen läßt, so ernsthafte Gesichter auch unsere neu-orthodoren Auguren machen, so lange sie nämlich Nicht zu zweien find. . Aber wir 'sprechen ja nicht vom Privatgebet, sondern nur vom öffentlichen, gemeinsamen, und da muß ja eine Ordnung festgestellt werden. Gut, aber diese Ordnung Muß sich für nichts anderes geben als sie ist und das haben eben unseke Alten so sehr gefühlt, daß bis auf unsere Zeiten herab kein einziger größerer. Lamdan, und wenn er auch zu seiner eigenen Erbauung täglich einen Folianten voll Gebete' hersagte,- sich an-Weiteres gebunden glaubte als an die eM