Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1856)
- Date
- 1856-06-16
- Page
- Seite 337 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, im Mai. (Privatmitth.) „Ein Jude", Roman in 3'Bänden von M. 'Goldschmidt, aus dem Dänischen übersetzt durch Zoller, ist einer der wichtigeren Jüdenrömane neuerer Zeit , und wird hiemit dem Herrn Redacteur zur ausführlichen Besprechung empfohlen. Obgleich häufig uncorrect und outrich und obgleich viele Scenen aus dem'diftinctiv jüdischen Leben bei den Haaren herbeigezogen, find doch sehr viele Situationen voll tiefster Wahrheit, und der Held des Gedichts, eine begabte aber krankhafte, nur nach einer Seite hin ausgebildete und aller Selbstständigkeit ermangelnde Natur, repräsentirt genau die zahlreiche Claffe Derjenigen unter uns, die trotz alles Studiums der Welt- und Sittengeschichte es nicht vermeiden können, daß von den zahlreichen Gehässigkeiten und Vorurtheilen, mit denen seit blos sechstausend Jahren und nur in fünf Welttheilen ein Volk das andere, eine Secte die andere, ja eine Dorfschaft die andere, zumeist aber der vom bösen Gewissen geplagte Unterdrücker seinen Unterdrückten quält*), nun einmal auch ihrer kleinen Person in den Weg kommen, und die nun bei jeder Gelegenheit wüthend werden, statt zu lachen und bei sich zu denken: Gott, wie unreif find diese Leute doch noch!' Das Ende des Romans ist höchst unerquicklich, und er theilt dies Schicksal mit allen Jüdenromanen neuerer Zeit. Früher ließ sich so ein Jude am Schluß taufen und so war Alles in Ordnung; jetzt aber soll der jüdische Romanheld bis auf die letzte Zeile immerfort eine ethnographische Absonderlichkeit sein und da kommt denn natürlich allerlei verkehrtes Zeug heraus. Ist es denn so schwer zu begreifen, daß überall dieselben Ursachen, dieselben Wirkungen Hervorbringen? Kennt blos die Astronomie Gesetze, die auch in bisher' unbekannten Regionen Gültigkeit haben? So leset doch z. B. den amerikanischen Historiker Battcroft, da, wo er die Wirkungen schildert, welche die von den Bekennew der anglikanischen Religion der Liebe gegen die der irländischen Religion der Liebe *) In seiner berühmten Parlamentsrede für die Schwarzen sagte Ldrd Brougham einst: Es liegt im Menschen, daß er immer ungerecht ist gegen Denjenigen, den er einmal unterdrückt har. Corresp. ausgeübte räffinirte Unterdrückung hervorgebracht! bät. Er sagt: „Ein preisgegebenes Volk, welches mit' Füßen zu treten das Ergötzen der Sieger war, und das immer mehr zu erbittern sie sich nicht scheuten: Ihre GewerbSthätigkeit im Staats war' gänzlich untersagt oder durch Gesetze eng beschränkt^ und dafür würden sie arbeitsscheu genannt: Ihre Ersparnisse konnten sie nicht auf übliche- Bedingungen in Grundbesitz); Fabriken und Großhandel anlegen,- und man nannte sie ununternehmend. Die Pforten der Wissenschaften wären ihnen verschlossen, und sie würden als'Ignoranten verlacht. Mittem unter Entbehrungen blieben sie wohlgemuth. Jahrhunderte unter Gesetzen' leidend, die der Verrätherei und dem Abfall Prämien boieW, ward ihr Charakter nicht verderbt; kein Söhn'erhbb sich gegen den Vater, kein Freund verrieth den Freunds Treue gegen ihre Religion an die sie sich iw Leiden noch enger schlossen, Sittenreinheit und Achtung' vor den Familienbanden blieben die Kennzeichen des niedergetretenen Stammes." Paffen diese Worte nicht mutatis mutandis Zug für Zug aus die Juden im vorigen Jahrhundert und an sehr vielen Ortest noch im gegenwärtigen? Warum also sich in ganz erceptionellem Leibenszustande dünken? Die Welt ist nun einmal grausam gegen Den, der am Boden liegt und es ist für gewiß anzünehmen, daß die Muselmänner in Aegypten und in Syrien ganz so von den^ dortigen Christen reden werdest, wie die gebildeten'Christen hier zu Lande von den Juden.; ‘ ’ 11- Ob diese Rajahs in ihren eigenen Kreisen unter einander auch so mißgünstig und hämisch' sind als wir? Wahrscheinlich auch das. . Da hat ja neulich Jemandin mehreren Zeitungen einen 'ganz gewaltig gen Bolzen gegen den Redacteur dieser Blätter losgeschnellt wegen der Adresse an den französischen Kaiser. Nun würden unsere Feinde wieder Grund haben zu sagen, die Juden hätten kein Vaterland. Nein! die Juden als solche haben auch wirklich kein Vaterland, eben so wenig als die Katholiken, die Methodisten, die Lutheraner, die Moslems, die Buddhisten als solche ein Vaterland haben. Aber d et Engländer, Preuße, Franzose, Sardinier u. s. w.) wenn er jüdischer, lutherischer, katholischer, buddhistischer Religion ist, der hat ein Vaterland, freilich oft wie unsere Figura zeigt, eine sehr ingräta Mrial So ist die Sache von jeher und überall verstanden worden; sonst hätte wahrlich keine Polizei' ihren Zu-