Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1856)
- Date
- 1856-06-16
- Page
- Seite 335 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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„Man hört, unaufhörlich wiederholen, daß die schlimme Lage und selbst der Ruin unserer Bauern den Plünderungen der..Israeliten, welche in ihrer Mitte wohnen, zugeschrieben werden müsse. Dies ist Uebertreibung. Es giebt tausend und eine Ursache, welche vollständig den Verfall der elsäsfischen Bauern erklären und unter welchen die Handlungsart einiger Handelsjuden als unmerklich verschwindet. Diese Gründe sind allgemeine und specielle; allgemeine, denn nicht der elsässische Bauer allein ist in'verzweifelter Lage. Man weiß, daß die Verlegenheiten des Grundvermögens in Frankreich außerordentlich sind, daß die Hypothekenschuld sich daselbst bis zur ungeheuren Zahl von 12 Milliarden erhebt, daß 46 Departements mit mehr als 100 Millionen belastet sind und daß in dieser Zahl der Niederrhein nur den 29. Grad und. der Oberrhein den 35. einnimmt. Es giebt also für dieses allgemeine Ungemach einen gemeinschaftlichen Grund, welchen die Regierung durch Errichtungen des. Credit foncier zu bekämpfen sucht. „Der elsässische Bauer ist in schlimmer Lage, das ist wahr; aber es giebt in Frankreich noch viel gedrücktere als diese. Man sieht, daß 28 Departements hypothekarisch verschuldeter sind als der Niederrhein und 34 noch mehr als der Oberrhein. „Die Departements des Gerichtsbezirkes des, Hofes von Amiens haben eine hypothekarische Schuld von 500,591,000 Frcs., die des Hofes von Orleans 419,865,000 - - - - - Poitiers 379,658,000 - - - ' - - Rennes 367,220,000 - ' - - - - Caen 773,420,000 ’ - „Nun giebt es keine einzige jüdische Gemeinde in irgend einem von diesen Departements. Es ist also nicht der israelitische Wucher, der diese Lage daselbst herbeigeführt hat." Schließen wir jetzt mit Crebillon: „Der Haß ist ungerecht und prüft Nichts." L o n d o n, 5. I u n i. Der jüdische Lord-Mayor. Gegenüber den Erklärungen des preußischen Ministers peL :Innern indem Abgeordnetenhause Betreffs ^er. Zulassung der Juden zu Staatsämtern, und gegen-; über dem Regierungsantrage, daß die Juden keine Bür- , germeister werden sollen, welchen das Abgeordnetenhaus ' verwarf, geben wir hier folgende Stelle, die b eu tsch e Blätter bringen: „Der Lord-Mayor hatte gestern das Vergnügen, ein Dutzend der ersten Prälaten des Landes, den Erzbischof vyn Canterbury an der Spitze, an seiner Tafel zu bewirthen. Letzterer hob es besonders hervor, , wie viel der Lord-Mayor thun könne und wie verständig der gegenwärtige beflissen sei, die so wünschenswerthe Harmonie zwischen den Staatsbehörden und der Staatskirche aufrecht zu erhalten. Es sind nicht blos gewöhnliche Nachtisch-Complimente, sondern es. ist nur Eine Stimme in ganz London darüber, daß der Lord-Mayor-Posten in Alderman Salomons einen würdigeren Vertreter gefunden hat, als die City seit einer langen Reihe von Jahren besessen hat." Wir fügen hinzu, daß der Lord-Mayor nicht selten die Synagoge besucht und sich zur Thora aufrufen läßt. "W - ■ '; ■ Literaturbrricht. Haben sich seit unserm letzten Berichte die eingelaUsenen Schriften wieder wacker gemehrt, so wollen wir unsere Leser vielmehr mit diesen neuen Erscheinungen bekannt zu machen, als diese zu kritisiren versuchen. Es giebt jetzt wohl kein Gebiet der Literatur, mit welchem das Judenthum in irgend einer Beziehung steht, ohne daß es in Deutschland aufs fruchtbarste bearbeitet werde; und durch Nichts erweiset sich das von Vielen dennoch immer noch verkannte, wiedererwachte rege Leben und die Geistesenergie der deutschen Juden so glänzend als dadurch, daß auch für den kleinsten Zweig die nöthigen Kräfte und Mittel sich finden. So kommen uns jetzt häufig gedruckte Berichte über jüdische Schulen zu. Wir erwähnen den Bericht über die jüdische Religionsschule in Berlin vom Dirigenten Dr. Rofin. Die Schule zählt 166 Zöglinge, was immer noch wenig für Berlin. In dem ausführlich mitgetheilteü Schulpläne fiel un^ auf, daß noch wichtige Unterrichtsgegenstande, wie Liturgie, Bibelkunde, Landeskunde von Palästina fehlen.—n Nicht.minder, willkommen war der Bericht über die Bürger- und Realschule der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt aur Main vom Oberlehrer vr. Stern. Kein Schulmann wird ihn ohne Interesse aus der Hand legen, da er sich sowohl. üher die Lehrgegenstände und Unterrichtsmethoden als auch über die disciplinarischen Einrichtungen aus-