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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-06-16 · Heft 25 (16.6.1856) · p. Seite 332

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 25 (16.6.1856)
Date
1856-06-16
Page
Seite 332 (sequence 2)
Language
German
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nachdem das betreffende Local von dem jüdischen Miether geräumt worden, — die ^erwähnten Parteien nicht ausgehört. haben, einander schrvEgegenüber. zu flehm. — Wir hAben )es^ hier' lediglich, mit der --Schriftdes .Herrn v. 3aratzewski zu thun, welcher — zu der sogenannten kosmopolitischen Partei gehörend — die Ansichten derselbe^ eben so wacker vertheidigt, als er die Principien der Gegner in ihrem wahren Lichte darzustellen bemüht ist. — „Mit vielem Geschick und Freimuth — sagt der Feuilletonist der P. Z. (welcher in Nr. 58. derselben ebenfalls die Schrift des Herrn v. Jaraczewski . 6^0«^) — tritt der Verfasser den religiösen und nationalen Vorurtheilen der andern Partei entgegen, und redet den Grundsätzen der Toleranz und Humanität auf eine Weise das Wort, die seiner Bildung alle Ehre macht,, und uns so manche Schroffheiten vergessen läßt, denen wir von Seiten seiner Landsleute leider so oft im Leben begegnen." — Doch es ist Zeit, Herrn v. Jaraczewski selber sprechen zu lassen. Und so wollen wir denn einige Stellen aus seinem Schriftchen hier wiedergeben. . Die Intoleranz der Gegenpartei zeichnend, sagt er etwa wie folgt: „Erklären wir, daß wir keine Juden als Kaufleute im Bazar dulden, so errichten wir ein Monopol und berauben uns der im Handel so nöthigen Concurrenz; noch mehr, wir verleugnen die Toleranz, durch die unsere Väter so berühmt geworden, erklären den Grundsätzen, die an der Spitze der heutigen Civilisation stehen, offen den Krieg und stellen uns so auf die Seite der Vorurtheile und Hemmnisse, welche materielles Interesse und Selbstsucht der freien Entwickelung der Menschheit von jeher in den Weg geworfen haben! " — Etwas weiter sagt der Verfasser: „Obgleich noch aus dem vorigen. Jahrhunderte stammend,, habe ich mich bisher dennoch nicht gewöhnen können, Menschen, die in einem Lande Zusammenleben, nach ihren Glaubensbekenntnissen zu unterscheiden, eine Unterscheidung, die unsere Kinder heutzutage leider schon in der Schule lernen. Da hatte ich in meiner Jugend andere Beispiele vor Augen. Nicht nur, daß auf den Bänken des Warschauer Lyceums Polen und Juden friedlich beisammen saßen, sondern ich sah auch mit eigenen Augen, wie bei den Sitzungen der Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften mitten unter den Koryphäen unserer Literatur (von denen ich nur Staszyc und Nimcewicz nenne) ein bärtiger, schöner und schwarzer Jude, Abraham Stern, Erfinder der Rechnenmaschine und Mitglied, jener Gesellschaft,feinen ehrenvollen Platz inne hatte. —- Zu solchen toleranten und humanen Grundsätzen bekannte sich auch die Direktion von 1851, und ihr war. daher ein prdevtlicher und reinlicher Miether immerlieberdenn <ein schmutziger." — Alsdann zu dem oben erwähntest 8^7 tum —- der Vermiethüng eines Ladens an einen Juden — speciell übergehend, sagt Herr v. Jaraczewski: „Unmöglich konnten wir voraussetzen, es werde diese unsere Handlungsweise einen Sturm des Entsetzens Hervorrufen und uns zu einer Todsünde, welche den Abscheu aller Gutgesinnten errege und zu Gott um Rache schreie, angerechnet Werden. Diese Erfahrung hat uns um so tiefer geschmerzt, als wir bedenken mußten, daß die religiöse Intoleranz, einmal gegen die Juden geweckt, leicht auch auf andere Bekenntnisse übergehen könnte, und der Grundsatz, an einen Juden keinen Laden zu vermiethen, uns konsequenter Weise auch dahin führen müßte, jedem Reisenden, der nicht katholisch, dieserhalb die Aufnahme in das Hotel zu versagen." — Der Verfasser geht sogar noch weiter und sagt: „Knüpfen wir an den Bazar nationale und religiöse Vorurtheile, so muß unser Unternehmen, das doch nur einen finanziellen Zweck haben kann, offenbar an seiner Rentabilität verlieren, denn während die Polen auch in andere Hotels einkehren, fliehen alle Nichtpolen den Bazar wie einen verpesteten Ort, obwohl derselbe doch jedem Reisenden und jedem ordentlichen Kaufmanne -— ohne Rücksicht auf seinen Glauben — bei Tag und bei Nacht offen stehen müßte." — Endlich ruft der Verfasser aus: „Was würden wir wohl sagen, wenn uns Jemand erzählte, daß es ein Land gäbe, wo Bazare und . Gasthöfe nur den Einheimischen offen ständen, allen Fremden aber verschlossen blieben? Müßten wir von einem solchen Lande nicht die ungünstigste Meinung fassen?" —; Wir glauben genug angeführt zu haben, um die Schrift' des Herrn v. Jaraczewski, wie die Partei, gegen die sie gerichtet, zu charakterisiren, und überlassen es nun jedem denkenden Leser, sich nach Belieben weitere Schlüsse zu ziehen. - W. Paris, 1. Juni. Die Conserenz der französischen Großrabbinrn zn Paris. In einem Extrablatt veröffentlicht das vnivers israelile die Protokolle der Sitzungen dieser Conferenz, und heben wir das Wichtigste daraus hervor.

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