Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1856)
- Date
- 1856-06-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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20. Jahrgang. Al1gem eine JW 25. Ein - unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von; Rabbiner Vr Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 16. Juni 1856. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart incl. des Titels. Registers u. s. w. umfassen. ^Jn tzemäßheit deS Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung z'u-geben, ist der Preis an ß erst niedrig : mit » Thlr. für den-Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr..12 gGr.) für sechs Monate — 22'/r Ngr. (18 gGr.) für daS Vietteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen) Postämter und Zeitungs - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inh alt. Leitende Artikel: Der Bazar in Posen.-Die Conferenz der französischen Großrabbinen zu Paris. — Die Israeliten deS Elsaß und der Wucher. Von Oberst Cerfbeer. — Der jüdische Lord-Mayor. — Literaturbericht. — Vom Institut zur Förderung der israelitischen Literatur. . Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg. Preußen: Stolp, Stolp, Stolp, Königsberg. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien. Leiteu-e Artikel. - Aus der Provinz Posen, 26. Maü Der Da^ar in Posen. Unter dem Titel „Der Bazar in Posen" erschien vor einigen Monaten eine Broschüre (in polnischer Sprache), welche einen Herrn I.. v. Jaraczewski zum'Verfasser und den Zweck hat,..über die Entstehung wie über die gegenwärtigen Verhältnisse des Posener Bazargebäudes Aufschluß zu geben. Dieses Gebäude, — eines der größten und schönsten, welche die Stadt Posen zieren, — ist daselbst vor 17 Jahren durch eine eigends gegründete und größtentheils aus polnischem Gutsbesitzern bestehende Gesellschaft mit.einem Kostenauswande von circa 150,000 Thalern'in der Absicht aufgeführt worden, um eben so einerseits durch ein wohleingerichtetes Hotel die gegenseitige Annäherung der Polen unter einander zu fördern, als auch andererseits mittelst Herstellung verschiedener größerer und kleinerer Kaufläden. „Industrie, und Handel" unter den Polen auf eine höhere und ausgedehntere Stufe zu bringen. Herr v. Jaraczewski sucht nun in der oben genannten Schrift gründlich nachzuweifen, wie dieser ursprüngliche Zweck nicht nur nicht erreicht, sondern sogar noch das Gegentheil davon herbeigeführt worden. — Doch das ist eine Polemik, die uns weiter nichts angeht. — Interessant aber ist es für uns, aus der Schrift des Herrn v. Jaraczewski zu erfahren, daß die im Juni 1851 neu gewählte Bazar-Direktion, — von dem Grundsätze ausgehend, daß „je rentabler das Gebäude, desto zweckentsprechender 'seine Eristenz" — kein Bedenken getragen^ Etwas zu thun, was bisher nicht geschehen war, — weil es gewiß als 'das größte Vergehen gegen die polnische Nationalität- (oder vielleicht auch' gegen die römischkatholische Kirche) gehalten wurde, — nämlich: eines der größten Geschäftslocale im Bazar an einen jüdischen Fabrikanten zu vermiethen. — Dieses Verfahren der Direction (zu welcher auch Herr v. Jaraczewski gehörte) wurde jedoch nur von einem Theile der oben gedachten Gesellschaft gebilligt, während es bei allen andern Mitgliedern derselben das größte Mißfallen — ja den heftigsten Widerspruch — erregte. Was war das Ende vom Liede? — Es entstand eine Kluft, es spaltete fich die'Gesellschaft in zwei Parteien, in eine mit kosmapolitischen und eine mit streng Nationalen (oder auch streng konfessionellen) Grundsätzen, und es mußte ein neües Direktorium gewählt werden.— Doch dies geht uns auch weiter nichts an, — eben so wenig als die Thatsache, daß auch