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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-05-05 · Heft 19 (5.5.1856) · p. Seite 253

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 19 (5.5.1856)
Date
1856-05-05
Page
Seite 253 (sequence 3)
Language
German
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\ abgeschlossenen Concordates alle andern Confessionen mit Gutheißung von Seiten der hohen Regierung sich zu einigen und ihre Institutionen zu kräftigen suchen, während wir leiderwie gewöhnlich, unsere Hände müßig im Schooße liegen lassen, und ruhig den Dingen entgegensehen, die da kommen sollen. - K—n. Aphorismen. i. Folgende Antiquität wird die Leser dieser Zeitung interessiren. Es ist ein Schreiben des Landgrafen Wilhelm IV. von Hessen an seinen Bruder Landgraf Ludwig zu Marburg aus dem Archiv in Kassel vom Jahre 1570. Es hatte nämlich der Pfarrer Georg Nigrinns ein Buch herausgegeben, Gießen 1570, betitelt: lüdeukeind, ocler von de» edlen Früchten der talmudischen .luden so itziger Zeit in Deutschland wohnen u. s. w. In Betreff dieses Buches schrieb besagter Landgraf an seinen Bruder: „Freundlicher lieber Bruder und Gevatter. Wir haben das Büchlein, welches E. L. Pfarer zu Gießen Nigrinus, der Juden halber ausgehen lassen, gelesen. Befinden daraus, daß es schlecht Werk und schier nichts darin ist als Fabeln von dem durchstochenen sacramentlichen Brodte und dergleichen, und was darin ist, so ein wenig IVervum haben möchte, solches ist alles von Worten zu Worten aus andern Autorihus mutuirt. . Zu dem da auch solche Argumenta die in berührtem Büchlein angezogen werden, gelten sollten, so müsse man keine andre Religions-Verwandte außerhalb der Religion, deren die Obrigkeit zugethan, dulden, sondern die Papisten und Ealvinisten und alle andre Secten vertrieben werden, deren doch Gott der Herr gar kein Gebot hat gegeben, sondern will äußerliche Religion und Friedleben bei allen erhalten haben, sie seien gleich welcher Religion sie wollen. Und hätten die Papisten eine gute Bementelung keine andre Religion in ihren Landen als die papistische, welche sie für wahrhaftig halten, zu dulden, deßhalb auch solche propositiones zu sehr unfruchtbar find. Da wir nun vernehmen daß gedachter E. L. Pfarrer in Vorhabens fein solle, noch mehr Bücher in Druck ausgehn zu lassen, so thun wir E. L. hiermit freundlich und brüderlich erinnern dem gedachten E. L. Pfarrer solches ernstlich und nachdrüklich untersagen zu lassen. Zudem unser geliebter Herr Vater Gottselig seinen Theologen nicht gestatet wider Andere Bücher zu schreiben, denn daraus könnte leicht ein großes Gezenk und! viel! Unfrieden entstehen. Dies wollten wir E. L. aus treuer brüderlicher Wohlmeinung freundlich nicht .bergen rc. rc. re. Det. Kassel am19. Februarn 1570." \y. So weit der Brief, der für die Zeit gewiß merkwürdig. Dr. Landauer in Vlotho a. W.! 2. .. Der Jude vom Wirbel bis zur Sohle. Layard in seinem trefflichen Werke-,Niniveh Und seine Ueberreste" (deutsche Uebersetzung S. 316. Anmerk.) citirt eine Stelle aus einem Werke Dr. Pnchard's, betitelt : „Untersuchungen über die physikalische Geschichte des Menschengeschlechts", die also lautet: „Die syro -arabischen Nationen gehören zu den Menschenstämtnen, welche die physikalisch vollkommenste Ausbildung haben. Ein wohlbekannter moderner Schriftsteller, welcher ausgebreitete Gelegenheit hatte , über anatomische und l andete körperliche Eigenschaften verschiedener Nationen- Untersuchungen "anzustellen, hat behauptet, daß der Körperbau der syroarabischen Stämme eine vollkommenere Entwickelung' des organischen Baues, der den geistigen Fähigkeiten dienenden Theile zeigt, als man sie bei andern Zweigen des Menschengeschlechts findet. Es ist ausgemacht, daß die Geisteskräfte des syro - arabischen Volkes in allen Jahrhunderten den höchsten Grad der menschlichen Fähigkeiten erreichten." — Was uns betrifft, die wir unserer Herkunft nach ebenfalls zu den syro - arabischen Stämmen zu gehören die Ehre haben, wir müssen eine solche, physikalische Bevorzugung bescheiden zurückweisen. Wir wollen nicht besser und nicht schlechter geschaffen fein; als andere Menschenkinder. Unsere Religion lehrt uns-,, daß alle Menschen von einem einzigen Vater abstammen, daß Gott den ersten Menschen in seinem Ebenbilde. erschaffen habe, und daß in Folge dessen auch jeder seiner Nachkommen, welchem Stamme oder welcher Race ihn auch die, Wissenschaft einreiht, ein Ebenbild Gottes fei, so lange er sich selbst nicht zum Thiere erniedrigt. Wir hätten darum auch keine Veranlassung gefunden, der Aeußerung Prichard's weiter zu erwähnen, würde es sich nicht darum handelndste einer durchaus'widersprechenden Behauptung eines andern Schriftstellers entgegen zu halten. — Meyer's „Volksbibliothek für Länder-, . Völker- und Naturkunde" bringt in ihrem 67. Bande eine Abhandlung von H. Bürmeister, betitelt: „Der menschliche Fuß als Charakter der Menschheit^,- deren:Aufschrift schon uns. sagt, daß wir uns auf etwas ganz Ungewöhnliches ge- 19*

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