Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 18 (28.4.1856)
- Date
- 1856-04-28
- Page
- Seite 243 (sequence 7)
- Language
- German
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Mesin werden; sie haben Gemeinde-, Kirchen - und Schul- 'gütep und "eine' ÄeMeinVeorganifätion; sie stellen Heimathsch'eineMSl«nd' Werden als CäNkonsbürger anerkannt. Sie sinv-daher ünzweiftlhäft Ortsbürger dieser Gemeinden, welchin^Nämek Man ihnen beilegen mag. Ob die Organisation' der lletztern mehr unter hoheitliche; Aufsicht gestellt seiund mehr Beschränkungen habe, als die andern Gemeindeü) kann wohl atti'Begriffedes Bürgerrechts Nichts änderm - Daher - sind die; aargauischen Israeliten schon nach §/ 36--der Cantonsverfässüng stimmfähig.- Abgesehen hievön/-scheint Uns -aber der bündesstäatsrechtliche Standpunkt 'entscheidend.' ' Der Art. 42. der Bundesverfassung, ohneu zwischen mehr -oder minder-dollen-Ortsbürgerrechten zu "entscheiden, sagt: -„Jeder Cantonsbürger' ist Schweizerbürger und übt als solcher seine-politischen Rechte aus." Ueberdies bestimmt der Art^l?. des Gesetzes über die Heimathlosen, daß allen Schweizerbürgern, welche zwar ein Cantons-, aber kein ^Ortsbürgerrecht haben, wie z. B. den ewigen Einsaßen, Landsasien u. s. w., das letztere verschafft-'werden soll,' und zwar ohne Beschränkung der PÜlitischen Rechte. Gleichwie daher A a rg a u verlangt, däsi -der Art. 29. über freien Verkehr auf seine Israeliten ängewendet werde, weil darin: ein Unterschied der Cönftssionen nichterwähnt sei, so muß aus demselben Grunde auch der Art. 42. über Ausübung der politischen Rechte aus dieselben Anwendung finden." '--Außerdem Äargau haben riuz: Bern und Genf eingebürgerte Israeliten - dieaber in diesen Cantonen auch in politischen Rechten mit ihren übrigen Mitbürgern gleichgestellt find. ' Zeitungsnachrichten. Deutschland. Jena, im' April. (Privatmitth.) : In diesen Tagen hat Dr. Leubuscher als: ordentlicher Professor und Director der Klinik sein Amt angetreten. Seine Collegen kn Berlin gaben ihm ein Abschiedsmahl. Es ist also abermals eine bedeutende Kraft, welche. Preußen' um deS jüdischen Glaubens willen von sich läßt. - ’ - ■ Aus Baden, im Marz^ (Privatmitth.) In unserer eben versammelten zweiten Kammer haben sich jüngst einige Abgeordnete hart gegen die Israeliten ausgelassen/ indem sie sagten, der Schacher der Juden fti schuld an der Verarmung vieler Bauern. Ein deshalb gestellter: Antrag wurde, von- Seiten des Ministers als seinen Zweck nicht erreichend erklärt, nicht angenommen. Wir erwarteten dagegen eine Abwehr von Seiten einer der Angegriffenen; in einem öffentlichen Blatte. Oder dachte man: qm s’excuse — s’accuse? — Im Budget dieses Landtags erscheint die Summe von 1950 Fl. für israelitischen Cultus und als Theuerungszulage für die israelitischen Lehrer 214 Fl.; beide Beiträge im Verhältniß der israelitischen Bevölkerung mit der christlichen. Diese Gleichberechtigung von Cultus und Schule in unserem Lände ist indessen keine Märzerrungenschaft; sie datirt von früher und ist der Wirksamkeit des seligen verdienstvollen Oberrath Epstein zu verdanken, der bei hoher Regierung und Kammer in großer Achtung stand. Die Elementar- (öffentlichen) Schulen, deren man etliche und fünfzig in unsrem Lande zählt, sind den christlichen Schulen gleichgestellt, und Lehrer und Schule stehen unter dem Schutze des allgemeinen Schulgesetzes. Nicht so aber die Religionsschule und ihre Lehrer; obschon diese gleich den Elementarlehrern geprüft, sind sie hinsichtlich Gehalts und Anstellung von den Gemeinden abhängiger.. Namentlich hat, man in letzter Zeit den Gemeinden bei Anstellung ihrer Religionslehrer zu viel Spielraum gelassen, wodurch ältere Lehrer den jüngern nachgesetzt wurden. Das sollte nicht sein. Das Interesse der Schule wird dadurch gefährdet, das Recht des Lehrers beeinträchtigt und Berufsliebe und Eifer erkaltet. Wir ,erwarten von der Seitens des Herrn Oberrath Altmann nach Peßach vorzunehmenden Jnspection der Schulen rücksichtlich des Religionsunterrichts manches Ersprießliche für unsere Schulen und Lehrer. Wir knüpfen an diese persönliche Berührung des geehrten lehrerfreundlichen geistlichen Mitglieds unseres Oberraths die Hoffnung, dass selbe werde da, wo in einer Gemeinde die Mittel, nicht aber das.Interesse für eine öffentliche Schule sich vorfinden, letzteres erwecken und belehren, daß bei Errichtung solcher, nichts zu verlieren, wohl aber zu gewinnen ist. In der Gegenwart, wo die Konfessionen sich so scharf abgrenzen und alle Unterrichtsgegenstände von religiösem Geist durchweht sein sollen, dürfen wir Israeliten nicht gleichgültig und thatloö bleiben. Auch bei uns hat man für Palästina wieder gesammelt und hat der vom, Gr. Oberrathe beauftragte K. Wormser in Karlsruhe an die Gemeinden des Lau-