Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 16 (14.4.1856)
- Date
- 1856-04-14
- Page
- Seite 213 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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alterS die letztes Gläubigen!serjagt, Heute einenäü'g'eüittßj Uri Lorbetr Won Wir gräfiichetl Sttrne Plcitetts reißt, inörj gen selbst die falsche Vaterlandsliebe in ihren lächerlichen r 'ÄusgebM'en 'brandmarkt. Hier ist etwas, wüs jüdischen s Geist verräch^ Es ist eben der Geist des Schriftenthums, j der jede Autorität nach ewigen Grundsätzen prüft und sich; vorkeiner Phrase beugt; es ist eben der in Israel erb- . liche Müth der Forschung' und des. Widerspruchs, der! richtig geführt, zum geläuterten Glauben hinlenktverirrt! aber, Gottes selbst nicht schont. Es ist' die Liebe zu den? schroffsten Gegensätzen, die dem Juden bald zum- Ruhrne, \ bald zur Schmach - gereicht. Es ist jener Sübjectivismüs, der durch .die Erbschaft tausendjähriger Leiden genährt,' -in seiner eigenen Brust den Prüfstein - findet, um das j Höchste wie das Niederste, was die Außenwelt hat, daran? zu prüfen. Dieser Subjecttvismuswie sehr er sich sträube, : er kann nicht über sich selbst, nicht über eine große Vergangenheit hinaus; er findet in sich einen Maßstab für : das Größtewie für das Kleinste auf Erden.- Etwas Gro-! ßes, Königliches liegt indieser Beschränktheit der An-! schauungen; und der Verachtetste unseres- Stammes wird j lins bedeutend / wenn wir ihn also engherzig-über den s 'Stteit-'-derl Könige und Völkerüber die Meisterwerke der j -Dichtung, über'weltbezwingende Geschicke absprechen hören. - Heine'-ist hierin ganz der Erbe der Eigenthümlichkeiten seines Stammes, und sein Talent gipfelt fie zu ei-! ner heroischen Widerstandsfähigkeit. . —■ ■ i : Verbinden wir damit das sonnige Farbenspiel des - Witzes,- so tritt jene Eigenthümlichkeit noch auffälliger hervor. Dies erfrischende Element lebt inseinen Dichtungen mit tausend lebendigen Quellen, giebt seinen Liedern zu weck ssüßett Hauch der Rose den bunten Schimmer der-östlichen Tulpe und führt den Sänger vom beeisten Eilande des Nordmeers zu den lachenden Ufern des Ganges.' Börne spricht einmal seinen Unwillen -darüber; aus, daß es den Heroen unserer Literatur, G oethe und - Sch ill-erso sehr am eigentlichen Witze fehle. Er vergaß aber, daß diese Art von Witz dem christlich-germü- . nischett Geiste überhaupt fremd sei 'und daß sein Eindringen in die Literatür sich eben von der Beteiligung der Juden am' literarischen Leben der Neuzeit dätire. - Cs ist i hier 'nicht der Ort, diesen Satz weiter 'auszuführen, wie - ftuchtbar auch seine Entwickelung für die Geschichte des deutschest Geistes sein würde*). - - - - -? ' *) Vgl. den Aussatz über die Espritpen'vde der deut-' scheu-Literatur w Nrl. - d? I? -n Redaet. - - Es wärevielleicht'nicht'schwer zu beweisen, daß Sänger wie die Spanier Juda Halevi und Alcharisi vielleicht mehr vom hellenischen Geiste angenommen haben als Heine; denn ist bei jenen der Inhalt auch durch und durch -jüdisch, so offenbart sich in ihnen eine Klarheiteine schöne Naivetät, eine Künstlerruhe. und eine stille Sängerfreude, die an Homer und -Sophokles erinnern. u . u Mit jener jüdischen Weltanschauung Hand in Hand geht der Weltschmerzi Es ist kein anderer als der altersgraue Judenschckerz, auf einen größeren Boden übertragen, und Jeremias war der erste Sänger, der ihm Worte geliehen. Wie tief hat Heine stinen Zweifel am Bestehenden , seine Trauer um alles Unvollkommene der Erde in die reichsten seiner Lieder ergossen! Wie ist selbst der beißende Spott nur eine andere Gestalt, in der seine Klagen auftreten! Oberflächliche. Beurtheiler werden an der Tiefe Und Tragweite solcher Empfindungen zweifeln, wenn sie in Dichtungen wie- „Deutschland, ein Wintermäh rchen" den Schmerz, des Patrioten von Schalksgestalten stören sehen: diese wissen nicht , welch ein Geheimniß in der Gegensätzlichkeit der Gefühle liegt. In dem Maße, wie sich Heine dem heimathlichen Boden seines Ursprungs nähert, nimmt sein Talent einen Anlauf, um die Erinnerungen seines Stammes und Glaubens mit den letzten Strahlen der abendlichen Dichtersonne zu verklären? Solch ein unvergängliches Denkmal seiner Nückkehr ist das Gedicht Je hu da ben Halevi im „Roma nz er o". Und doch hat hier Heine nichts vor dem poetischen Geiste" im Allgemeinen voraus., Im Gegentheil könnte man Nachweisen, daß andere Dichter durch die Gabe des Anempfindens sich tiefer in den jüdischen Geist hineingelebt und weit-reichere Perlen des Gesanges darin zu Tage gefördert hüben als-er. Gegen Racine, Byron, Rückert u. A. wird er fich die Schuld gestehen-müssen, die Größeseiner Erinnerungen verkannt: zu haben.; Wie, Erinnerungen? — Vielleicht hatte er keine; vielleicht ward er arm an Glauben und Wahrheit von. Erziehung und Vaterhaus dem Leben anvertraut! Seine Biographen schweigen darüber; und ich finde nur Eine Stelle in seinen Schriften, wie mich.zu einer Deutung berechtigt,, welche ich den Lesern nicht vorenthalten warf. Es ist bekannt, daß seine noch lebende-Mutter, ander der Sänger mit - schöner -Pietät hing und die er unter Anderm in einem herrlichen Sonette feiert, einer christlichen Familie angehört. - Ausfallen muß es, fast gar keine Andeutung über seinen Vater und über den Einfluß der väterlichen Erziehung auf die Entwickelung feines Geistes bei