Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 16 (14.4.1856)
- Date
- 1856-04-14
- Page
- Seite 214 (sequence 6)
- Language
- German
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214 l ihm zu finden. Da fand ich, endlich jene Stelle im An-' fange seines Buches, „über Börne", wo-er die erstes Begegnung mit diesem - schildert. Sein Vater, -so - erzählt er ungefähr, habe ihn,! einen Knaben, einst, zur Frankfurter.Messe mitgenommen. - Dort seien sie. in das Casino! der.Freimaurer.eingetreten, wv; sein Vater oft einzuspre- - chen Pflegte, um Kaffeetxiyken, Kartenspiel und anderes Me' Freimaurergeschäfte zu treiben u. sw.— Die Fassung!.dieser Stelle ist, ganzim Geiste Heine's, .-aber die \ frivole Leichtigkeit, womit hier, der Vater ab gefertigt wird, j' berührte mich immersfchmerzlich.s Der Zusammenhang er-! klärt hier sehr viel.. Wir-haben.uns in dem Vater-;ei- \ nen jener Männer des vorigen Jahrhunderts zu denken,! in denen die überschätzte Aufklärung undder wässerige j Nationalismus der Zeit eine schroffe Dleichgültigkeit ge- ° gen den Glauben hervorbrachten. Einige mißverstandene! Sätze aus Mendelssohn's Schule, einige Fragmente Vol-; taire's^ planlos am Wege aufgesammelt,' ein seichter materieüer Philanthropismus, dazu das phrasenreiche und! hohle Maurerthum bildeten ja. den-Kanon der starken j Geister jener Tage. /Unter solchen. Auspicien, wurde der j Dichter dem Leben und der Gesellschaft zugeführt. . Alles i um ihn . herspottete. der schönen.Ueberlieferungen seines j Stammes: wie müssen wir ihn . unter diesen Umständen: bewundern , daß er noch so spät den - Weg zurück gefunden habe zur Wahrheit! Was wäre vielleicht aus ihm; geworden, hätten? günstigere, minder zersetzende Einflüsse i seine Jugend! geleitet! Ihm , war geistige. Kraft/verliehen vor Tausenden, der Führer, der Anwalt,, der Schutzgeist. seines,Volkes. zu werden.. . . ' H at nun sein Lebendiese schöne Sendung nicht erfüllt, so tönt dafür von. seinem Sterbebette ein versöhnender Ruf der. Theilnahme. auch, für das zeitliche Wohl und -Weh? seiner Stammesgenoffen. . Wie ein ahnungs.- voller. Seher - spricht er die Erwartung auf die.! endliche - Lösung-derletzten Sclavenfeffeln aus; und der Schwa-j nengruß seiner, Liebe,wird die Blätter seines Gedächtnis? [ ses verschönen. Ist es^doch, als hätte der nahe Tod. jede edle Regung^iian welcher. dies. Gemüth so reich war, - zur; vollendeten? Erscheinung reifen. lassen. Dies spricht sich auch , in den! Worten.liebenden? Gedächtnisses aus,Mas er edlen Persönlichkeiten.Israels --widmet. Der.Nachruf an Ludwig Markus;athmet Mehr,die muthwilligeStimmung seiner- Jugend; und doch, wie. wohlthuend wirkt in ihm die. sinnige Verherrlichung jener trefflichen-Frau, deren Name Wenigen in Israel, - ein Geheimniß! geblieben. -!Noch.1 inniger- und:.milder, gedenkt-'-er des -edlen undiAr-? gendhaften Forschers Munk;,,ja, wewchättegedacht,/, daß er -für. die unsterblichen-Arbeiten. unseres / großen-..Z u-n z noch ein Wort.der Weihe-übrig 'habe..r.;G rhjhj m- So sehen wir in Heine's Natur-, die.Gegensätze--alle vereinigt, deren die menschliche,Art; fähig ist. .Bald Jude, bald Christ- -bald Hellene, bald. Romantiker; heute,lachend, morgen .weinend-,einmal der Palladin alter-Zustände, .ein andermal der Prophet einer neuen Zeit, hier der-gläubige Beter, vor den -Altären der;Überlieferung, Hort der Rachegenius mit - der , Keule der:. zermalmenden. Satyre;, —. wer ergründet die wahre, GKalt dieses -D.eiste.SlSolche, ,Erscheinungen/sind selten,-!denn selten-vereinigen sichdieBedingungen ihrer Entstehung,.und Entwickelung. /Sie; pflegen aufzutauchen,! wenn ein Glaubeeine -Weltoxhnung sich dem Ende zuneigen und einer neuen Platz machen, wenn zwei Weltalter, einander; im Kampfegegenübersiehen, wenn Altes und. Neues einander entscheidend; hie Stirne bieten. So steht-.ay, den Pforten der hellenischen und, christlichen Welt der räthselhafte Schwärmer^Apollo? nius -.von Tyana, dieses noch ungedeutete Meteors M. G^- schichtshimmel, des, menschlichen GeisieH.;;r.r,;ni;;r. in - Jftael - warmes gegönntum sy.-;öfter. MMMoppeh« naturen .aus seinem Schooße hervorgehenzw. sehen-! weil mehr .als seinmal! die neuen,-Bewegungen/der. Geister;,auf seine Weltfahrt; eingestürmt, und weil sie? nie-die. ruhige Majestät seiner Weftsendung zu verrücken vermochten.-- Eiy solcher Mann war jener Ach er,- für dessen Wrirrungen selbst der. Talmud ein. Wort schonender Achtung.-hat. s- Und als die Jünger Israels.-zu. Alerandrien die Hörsäleder Rabbinen verließen,- um.den Schülern, Plato - s zu. lauschen, da. erhob sich, unter ihnen der Mayn,Phil;0,/:der Schöpfer des -hellenisirten, Judenthums. . Und wiederum, als ein Strahl von Paco's. und Cartesi^s'-Lehren in die Lehrhäuser der Rabbinen von Amsterdam drang, da stand -ein Jüngling auf im- Bet -ha-smidrasih.-und schrieb - -den - Traktat und die. Ethik•/-. die, beides /Evangelien des i Pantheismus: und f hie Welt, naynfe Mn Baruch Spinoza. -J;r; : ,s.- Aber nicht-blos der Glaube und dieLehre,, auch die Umwälzungen im-rReiche der Kunst und Dichtung erzeugten : oft solche Doppelgestalten., - Und so Mt Heine< am Grahe-Schi.ll.er's.und G-o,ethe.'s als der erste der.E.tzigo nen. - ----/ //// So sei denn diese schmucklose Erinnerung nach.Israels schlichter Sitte ein einfacher Denkstein für sein.Grab in fremder Erde., Der.Verblichene.,ist..im.Leben -stber die Maßen/ gefeiert und geschmäht, wordenr mag . dieses-,he-