Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1856)
- Date
- 1856-02-25
- Page
- Seite 116 (sequence 6)
- Language
- German
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116 wundes, wodurch seine übrigen, ohnehin schwachen.Kräfte gänzlich.gebrochen wurden. Zur Vollendung des Maßes seiner Leiden, raffte die Cholera, die im Jahre 1849 hier schrecklich, wüthete, dem Unglücklichen seine Gattin/Leines siechen. Körpersschwache Stütze,, und seine älteste-Toch-- ter>, die. durch .Ihrer Hände Arbeit i^n ernähren half, plötzlich., weg. So stand .denn der arme, Dulder mit fünfunversorgten Kindlein, bei. deren. Anblicksein.. Vaterherz ..an. .tiefen. Wunden,flutete.da, -schwach, gebeugt, hülslos,an Körper und - Geist - gelähmt, ein . Bild des Elenps und des Jammers.,—. Obwohl seine Kraft gebrochen, sein Geist gelähmt und er zum;fernern Wirken in. seinem.Amte und Berufe unfähig wax, schleppte sich doch der gebrechliche. Mann, .täglich in. die Schulstubesein mühevolles-Amt, so gut es ging, versehend, da er, wollte er ruhen von seinen Mühen und Lasten, nur auf eine Pension von 60 Thlrn. jährlich gesetzlich Anspruch hatte,,-welche: kärgliche Pension sein und seiner Kinder Leben, zu fristen picht hinreichte. Welche Wohlthat wäre da dem Unglücklichen ein Institut gewesen, das ihm noch eine.jährliche Beihülfe,.gewährt hätte!. So aber wußte dep, arme Vater ,der Erhaltung seiner. Kinder die letzte Kraft, opfern, unh-erst. ha. konnte er sich entschließen, die kärgliche Pension anzunehmen, als er sich förmlich nicht mehr rühren, die Stube^ nicht, mehr , verlassen konnte. Mit Rücksicht auf seine Verdienste und seine hülflose Lage wollte der Schulvorstand eine höhere Pension, als die gesetzliche, ihm aussetzen; doch die Behörde mußte nach dem Gesetze?mit-einem--Halt! eintteten. Die ganze Gemeinde muß zu. einer solchen Zulage ihre Zustimmung geben, und viele Köpfe sind bekanntlich schwer unter einen! Hut zubringen. So mußte denn der arme Mann, der24 Jahre, lang seine besten Kräfte, der Gemeinde,- dem Staate, der Menschheit geopfert, den Rest seiner Tage?iy-derbittersten Armuth, ach! oft buchstäblichhungernd hinbringen, und der Anblick seiner hungernden Kinder, die er ohne Thränen nie ansehen konnte, verbitterte-ihm vollends das Leben, so daß er manchmal zu mir sagte: 'tw .m..- Wenn es auch Unterzeichnetem gelang, durch öffentlichen Hülferuf dem nothleidenden Amtsbruder manche Spende zu verschaffen; wenn - auch einzelne dankbare, Schülerr einzelne Familien manche Liebesgabe ihm zufli.eßen ließen: so glichen doch diese zersplitterten Kräfte.vereinzelten Regentropfen,-^ die wirkungslos verschwinden, während eine fortlaufende, regelmäßige - Unterstützungeines Vereins anhaltend mnp wohlthätig, hätte: wirken können.. Und. wie peinlich mußte. es nicht für .den. zartfühlenden Lehrer sein,- den Rest, seines Lebens -durch Almosen fristen zu müssen, während eine Unterstützung von einem -Vereine, dessen Mitglied man ist, doch nicht so sehr die Ehre verletzt! — Aber welche Wohlthat wäre erst ein die Unterstützung von.Lehrer - W a i sen bezweckendes Institut j den Ki n dern dieses nun in Gottruhenden Lehrers .gewesen!m~-, diesen Unglücklichen, die nach der Eltern- Tode dastanden wie Schäflein ohne. Hirten, wie Bedrängte ohne- Zuflucht, wie Trauernde ohne Tröster, wie Vertriebene,, die Niemand, aufnehmen, mag, - ohne Brot,- den Hunger zu. stillen,: ohne : Gewand für den nackten Leib , ohne Obdach fürs .müde Hauptl -—. Nicht - aufzählen will Ich ste hier, die- Mühen und Lasten, -;dieich, als Vormund; dieserMnglücklichen,-. seitdem^ mit ihnen gehabt., wie ich vergebens bei den. Behörden für sie angeklopft, vergebens, selbst des Königs Gnade angeflehet, wie ich fortwährend genöthigt bin, edler . Menschen Hülfe in Anspruch zu nehmen - für - die Kinder- 7 eines Mannes, der .mit seltener Hingebung, mit -edler Selbstverläugnung seine besten: Kräfte der.Jugendbildung gewidmet; — aber aufmerksam machen ' will ich durch dieses -Beispiel nur auf die dringende Noth- Wendigkeit eines Vereins, der. die Unterstützung durch Alter oder Krankheit hülfsbedürftig gewordener Lehrer, so wie die ihrer Wittwen und Waisen, sich zur.Aufgabe stellt. — Daß Sie, hochgeehrtester Herr Rabbiner-, des-, sen Herz die Menschheit-sonder Wahl und Schranken in Liebe umfasset, . der Sie durch Ihr sehr -geschätztes.,^ weit verbreitetes, Blatt schon somanch edles Werk hervorgerufen und gefördert, der Sie, die Lehrer als Ihre Amtsbrüder betrachtend,. für diesen: Stand besonders so oft schon .in die- Schranken getreten und geschrieben und gesprochen und gearbeitet haben, daß Sie dieses Werk dev Humanität in die Hand nehmen, mit Wärme fördern und energisch: unterstützen mögen, darum bitte, darum beschwöre ich Sie, und mit mir gewiß meine sämmtlichen jüdischen Amtsbrüder im ganzen Lande. Ihre Stimme wird , nicht verhallen, wie die eines Predigers in der Wüste; Ihr kräftiges Hnd einflußreiches Wort wird gewiß die Herzen erwärmen und die Trägen wecken und die Lässigen treiben, einen so.wichtigen, <so nothwendigen Verein kräftigst zu unterstützen. — Vor Allem die Lehrer! D i.e -sind sämmtlich solidarisch verpflichtet, Hand zu bieten zu: diesem edlen Werke, zu fördern dieses gemeinnützige Institut, es zu heben, zu kräftigen, zu stärken. „Eins der größten Nebel, welches den Schulstand. ganz besonders drückt," sagt schon Niemeyer in