Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-02-25 · Heft 9 (25.2.1856) · p. Seite 115

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 9 (25.2.1856)
Date
1856-02-25
Page
Seite 115 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225985-3225995--15164-3243940
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

higendeS Bewußtsein innerhalb des Judentums, daß seine Widersacher und Verfolger, ungeachtet anfänglicher scheinbarer Erfolge, doch endlich an der ewigen Wahrheit und' Reinheit zerschellen, und demselben nichts anhaben können. „So das Beispiel von Pharao, Haman, so aller spätern Judenverfolger bis auf die neueste Zeit herab. — Run scheint sich jener Ausspruch mit seinen Consequenzen an der feudalistischen Partei vorerst in Preußen -7— -erfüllen zu wollen. Viel hat dieselbe in ihrer Reactions-Wuth seit 1848 vollführt, was geeignet war, jeden Freund der- Menschheit mit Schmerz zu erfüllen; — es^ging ihr aber hin; — sie war in der Macht; — stark 7-7 nicht durch die Gerechtigkeit ihrer Sache, sondern durch die Passivität; in welcher die Mehrzahl der ruhigen Bürger verharrte. — Nun kommt die „Revisions- SectioN" des jetzt tagenden preußischen Parlamentes, Schlag auf Schlag müssen die'freisinnigen Paragraphen der Verfassungen fallen, bis man auch an die Juden kommt! -7^- Da kann, denn die Wirkung solchen Gebahrens nicht länger ausbleiben; auch den Gläubigsten und Vertrauensvollsten find die Augen geöffnet, das Volk sieht, was es von ver Partei der äußersten Reckten zu erwarten hätten Die erste Wirkung dieser Thätigkeit ist eine maßlose Verachtung gegen die Führer, welche sich aller Männer von Charakter, mögen ihre Gesinnungen sein welche sie wollen bemächtigt, und ein gewaltiger Rückschlag gegen: die-Strömung, die seit 1848 fluchet, offenbart sich. — So richtet sich jene unpatriotische Partei, vorerst in ihren Führern, selbst zu Grunde, und wenn dem Volke endlich die.Augen geöffnet werden, so haben die Juden — unwillkürlich -7dazu beigetragen. — So betrachtet man hier die Situation, und ähnlich wird sie wohl überall im Vaterlande sein! - Vom-19ten. Der Commissionsbericht über den Antrag des Abg. Wagener auf Streichung des Art. 12. der Verfassung ist, erstattet von dem Abg. v. Gerlach, ausgegeben; er. schließt mit einer Empfehlung des Antrages, der übrigens eine formelle Modisication erfahren/ mit 6 gegen 4 Stimmen. In Bezug auf den ursprünglichen Antrag erklärte der Commiffarius des Ministers des Innern in der Commission: die Regierung verkenne nicht, daß die Fassung des Art. 12. eine glückliche nicht zu nennen sei, sie glaube jedoch nicht, daß ein genügender Grund zu dessen Aenderung , vorliege: Die Regierung sei auch mit diesem Artikel,'so, weit das Bedürfniß eS erfordert habe, ausgekommen. Sie sei der-Meinung, daß, wenn Conflicte mit demselben verkämen» im Wege der Spetialgesetzgebung vermittelnd eingeschritten werden könne. Sie empfahl'die Ablehnung des Antrages. Die Commission entwickelte dessenungeachtet die Ansichten des Antragstellers, daß' in Art. 12. eine Verläugnung des Ehristenthums als Staatsfundamentes liege, die besonders gefährlich' gegenüber den freien Gemeinden, den Reformjüden u. st w. sei, die selbst den Mormonen, einem Venuscultus und dergleichen den Schutz der Gesetze zufichre: Da diese. Bedenken, "welche einzeln auf faktische Zustände sich beriefen, meist nur das Gebiet der staatsbürgerlichen Rechte berührten, modisicirte : Hr. Wagener seinen Antrag schließlich'dahin, daß in ArÜ 12. nur die Zusicherung „der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte ist unabhängig von dem religiösen Bekenntniß" geändert werden solle/indem das „und staatsbürgerliche" hier wegfalle und am Schluß des Artikels die Regulirung dieser Rechte der nichtchristlichen Staatsangehörigen der Speciälgesetzgebüng Vorbehalten bleiben solle. Der Regierungs - Commiffar sprach'sich zwar such dagegen aus, erklärte indeß; die Regierung würde sich eher diesem als dem ursprünglich gestellten Anträge änschließen - können. Hierauf folgte die Annahme wie gemeldet.' Nicht weniger als 264 Petitionen von Vorständen jüdischer Gemeindensind gegen die Streichung des Art. 12. beim Häufe der Abgeordneten eingegangen. Weiteres in nächster Nummer. ~ Wre schon, im December. Lehror - Mnterstnyungs-Herrin. Um dem in Berlin gegründeten „Verein zur Unterstützung jüdischer Lehrer in Preußen" Anklang zu schaffen und warme Theilnahme zu wecken, "ist ein Hinblick nöthig aus. die traurige Lage der durch Alter oder Krankheit hülfsbedürftig gewordenen Lehrer, so wie auf das harte Loos ihrer Wittwen und Waisen. —- Man erwarte hier keine lange Rede über die Wohlthat eines solchen Instituts,— eine Thatsache will ich den Lesern dieser; Zeitung vorführen, geeignet/ des härtesten Mannes Herz zuerschüttern und das Bedürfniß eines Unterstützungs - Vereins , wie der angeregte; einleuchtend zu machen. — Der Lehrer Krone/ 24 Jahre läng theils in Gnesen, theils hier treu'und fleißig'in seinem Amte und Berufe wirkend, hatte das Unglück, wiederholt'durch Schlaganfälle gelähmt zu werden. Dazu würde er noch rm Jahre 1848 i von polnischen Insurgenten schwer ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.