Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1856)
- Date
- 1856-02-25
- Page
- Seite 113 (sequence 3)
- Language
- German
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113 grjff auf. unsere Ehre und unser-Bürgerglück in Aussicht gestellt hätte. Es. gereicht uns zur hohen Genugthuung. daß Herr ,Wagener ein Motiv zu seinem- Antrag gegeben-, das : an seiner hinreißenden Kraft für den- Staatsmanndes. .neunzehnten Jahrhunderts gewaltige. Einbuße erlitten hat, und durch seine Geltendmachung, die gegenwärtigen Vorgänge im Orient, an denen sich halb Europa mit seinem edelsten Blute betheiligt, die das erhabenste,Hochziel der.Gesittung und der Menschenwürde anstreben, aus den trübsten Quellen des gewöhnlichen Eigennutzes herleiten ließe." , .. Herr Rabb. vr. Weisel übergab diese-Petttion persönlich dem Abg. . Grafen Sch w er in, der siewarm zu vertheidigen verhieß. Er schreibt uns, daß unser offener Angriff auf den ,Abg. Wagener bedeutenden Eindruck gemacht .hat daß, aber die Zukunft der Juden gewitterschwanger, gehe! Jndeß, es war dies ja schon oft der Fall! Dies führt, uns. zu .unsrer Wagener'schen Angelegenheit, zurück. , Endlich kam eine 'Antwort desselben, und zwar, folgende: „Dem Herrn.vr. L u d w i g Philippso n auf seine wiederholten öffentlichen Provokationen zur Antwort,- daß, wenn er ein. so lebhaftes Interesse daran nimmt, in welcher Weise mein auf die Abänderung, des Art. 12. gerichteter Antrag öffentlich vertheidigt werden wird, ich ihn nur darauf aufmerksam machen kann, daß die betreffende Sitzung des Hauses der Abgeordneten eine öffentliche, also auch ihm .zugängliche sein wird. Mich, über einen Antrag, her. dem Landtage zur Beschlußfassung vorliegt, in einen Zeitungskrieg mit dem Rabbiner der jüdischen Gemeinde zu Magdeburg einzulassen, scheint mir eben so unpassend als überflüssig.,, Zur besonderen Befriedigung hat es mir übrigens gereicht,, in den Petitionen der jüdischen Gemeinden,, gegen meinen Antrag den besten Anhalt für denselben zu. finden. Mit Recht berufen sich die Juden auf ihre Religion und die Garantieen, welche dieselbe bietet, , sie. beweisen damit tatsächlich, wie wichtig die Frage. nach wer Religion und deren Werth für die Abmessung ^politischer Rechte ist. Berlin, den 6. Februar 1856. .r Wagener. (Neu - Stettin), Abgeordneter." . Wir erließen sofort folgende; -Erwied er u ng. ' „Durch Nichts konnte 'der Abg. Wagen er die Schwäche seiner Sache und seines eigenen Bewußtseins unumwündener zugestehen, als durch seine Antwort. Nachdem er durch, seinen Antrag nicht allein uns Juden, sondern das; ganzeintelligente, unddas ganze wahrhaft christliche Preußen provocirt hat, nennt er es Provöcationen? wenß wir ihn zur Rede stellen. Er verweist''uns auf die Tri- - bune, wo er nach Belieben anklagen kann, wir ihm nicht zu antworten vermögen. Daß er aber in der Hinweisung einiger Petitionen jüdischer Gemeinden, daß der' Staat sicher nicht religionslos ist,-wenn er den Bekennern der | ältesten positiven Religion ihr Bürgerrecht n i ch t' entzieht, einen Anhalt findet, esihnen zu entziehen: ist eines der seinerseits beliebten Kunststücke,!-welches darauf hinauSläuft zu sagen: weil Du' befähigt und berechtigt bist, spreche ich Dir die Befähigung und das Recht ab'. Doch ' genug- und nur noch eine Frage,-welche der Abg. Wa- , gener auch nicht zu beantworten braucht: ist eS wirklich patriotifchj'in einer Zeit, wö die Gegner Preußens es aus dem europäischen Congreß . auszuschließen suchen, wo es aber seine alte Kraft und sein bewährtes Ansehn unerschüttert in der Einigkeit aller Preußen findet, in solcher Zeit durch Streichung der Gewissensfreiheit aus der'Berfas-' sung Spaltung, Streit, konfessionellen Hader/ Erbitterung in die Herzen' der Preußen zu schleudern?" —Hiermit ist wohl dieser Act des bedeütungsvöl-! len Kampfes abgeschlossene Jedermann sieht, baß 'wir viel derber, viel einschneidender antworten könnten, wir wollten aber von Anfang an jede Leidenschaftlichkeit vermeiden, wir wollten ruhig bleiben, wir wollten jede politischtheoretische Discussion 'vermeiden, wir wollten, indem wir in die Anschauungsweise der Gegner selbst eingingen, durch die Naivetät und Klarheit unsrer .Fragen diese '.mitten iu -ihrem eigenen Lager'.angreifen,., und zur Spaltung,^ zur : Unterscheidung, der Wahrheit und des heuchlerischen, Scheii n.es bringen. Und dies..haben wir vollständig erreicht, i Nun noch ein Curiosum. Der löbl! Gemeindevor- . stand zu Naug ard sendet uns die Abschrift eines Rückschreibens des Abg. Brügge mann, welches folgender-;maßen lautet: ' . . - , , . , . Berlin, 13. Februar. „Einem Wohllöblichen Vorstande der israelitischen Gemeinde zu Naugard erwiedere ich auf die geehrte Zuschrift vom 3. d. ganz ergebenst? daß ich'mit Vergnügen die Einlage dem Präsidio des Hauses der Ab geordneten persönlich' zur' weiteren Veranlassung überreicht.habe; nach j genommener genauer Kenntnißnahme des. Wagener'schen,An-. - träges aber zu. der - festen Ueberzeugung 'gelangt bin,-daß - in demselben durchaus nicht die Tragweite zu suchen'iss -die von einem großen Theile der' preußischen Unterthanen 9 *