Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 6 (4.2.1856)
- Date
- 1856-02-04
- Page
- Seite 73 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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wirunsere schönste Architektur an diesem Punkt und. dann verstellen wir ihn durch! ein Mobiliar, welches eigentlich niemals symmetrisch schön sein kann, weil es, ob auch noch so reich ausgeschmückt, doch immer nur für einen einzigen Mann gegenüber einem großen Publikum eingerichtet ist. Ich möchte glauben/ daß, wenn die Gallerien so disponirt wären, daß seitwärts eine für den Chor bliebe! und dem gegenüber hinreichend zur Ansicht gestellt die Kanzel, dies das Vorzüglichere seiw würde. Da, wo die Choristen auf dem Almemar um den Chasan herumstehen, hat man meist auch den Fehler begangen, diesen fast bis an den Hechal vorzurücken, ohne zu bedenken, daß dies gegen alle Akustik verstößt, da ja nun der ganze Chor gegen die Ostwand ansingt und der Gemeinde den Rücken zukehrtt Die Sefaradim haben dies von jeher besser verstanden, denn in allen ihren Synagogen in allen Ländern steht der Almemar fast ganz an die Westwand gerückt und der Chasan hat die Gemeinde vor sich. Dafür laufen aber auch die Sitzreihen nicht parallel mit der Ost-, sondern mit der Nord- und Südwand, d. h. sie sitzen (denn bei ihnen. ist das Sitzen die Regel und das Stehen die Amidah, nur die Ausnahme) in Form eines hebräischen n um den Chasan herum. Was nun unfern. Tempelchor und Gesang anbelangt, so steht dessen Vervollkommnung, mit der Anstellung des Herrn Piza*) zum zweiten Chasan zusammen, dessen ausgiebige Stimme uns die Gelegenheit giebt, den fundamentalen Vo.rtheil, den der jüdische Kirchengesang vor anderen voraus hat, noch mehr a!s bisher auszubeuten. Ich! meine die wichtige Rolle, die der Solo-Vortrag des Chasans einnimmt. Unser Tempel hat nun bekanntlich das System glücklich durchgeführt, daß die Gemeinde niemals das bloße.Zuhören hat, sondern fortwährend mitwirkt. Das soll nun noch besser ausgeführt werden/ wobei allerdings die schwierigste Aufgabe bleibt, den so schon sehr langen-Gottesdienst (am schlichten Sabbath 23/* Stunden)!nicht noch .mehr zu verlängern. Jndeß können wir uns bei den Abendgebeten schon einige Zusätze, erlauben, die vorzüglich in durchcomponirten Psalmen und Kaddeschim so wie in einem addilio- *) Dieser mit trefflichen Sprachkenntnissen ausgerüstete Mann hat jüngst eine Bearbeitung des Romäns der sel. Grace Aguilar gegebenüber welche der nächste „Literaturbericht" referiren wird. Neda et. . nellenSchlußchor! bestehen -werdend . Sollte maNs glauben, daß die meist aus jungen.Männern bestehende Gesang-Commission, (in/pleno 21 Personen) einstimmig der Meinung-ist, man/müsse mehr hebräisch singen/ weil das schöner klingt) Und die prosaischen deutschen Gebete wenigstens kirchen-recitativisch vortragen? Freilich consumiren wir noch immer eine Masse deutscher Choräle. Abends: Eingang, Schluß und vor dem. Kiddufch, Morgens. Eingang, Schluß, vor und nach der Predigt, vor Baruch Scheamor und vor der Thoralection, also!, sechsmal! Und dabei meist in dem Styl der Choräle, deren die Christen auch schon müde sind! u -s Dio Suhscription zum Bau der neuen ältritüellen Synagoge ist eröffnet, indem den sämmtlichen contribuirenden Gemeindemitgliedern, Klein und Groß, unmittelbare und romantische Orthodoxen) Tempel- und cultuSfreie Rationalisten, ein Circular zugesändt ist. Die früheren 6 Synagogen sind längst zu 3 zusammen gezogen, von denen die eine .1842 abbrannte, die? andere sich in solchem Zustande befindet, daß sie geschlossen werden muß. Die brauchbare Synagoge enthält nur 398 Sitze für Männer, 219 für Frauen, der Tempel 380 für Männer , und 260 für . Frauen. Es soll? daher eine neue zu 800 Sitzen für die Männer und 400 für die. Frauen gebaut, werden/ - wozu der Baugrund bereits mit 82M0- Mark Bco. angekauft ist.. Der Anschlag (mit Apparaten zu Erwärmung, Beleuchtung und Wasserleitung) ist 100,000 Mark/! wozu bereits 58,000 Mark Bco. bereit liegen.; Das Fehlende soll durch Subscriptionen gedeckt werden.' - An eine Aenderung im.Ritus wird dabei nicht gedacht. — Entweder aus Furcht vor heftiger Opposition oder aus Berechnung, um den . Juden zu zeigen, wo ihre Gönner und wo ihre? Mißgönner zu -finden? sind, genug, die königliche Regierung hat es nicht gewagt, den Holsteinischen Ständen die bürgerliche Gleichstellung der Juden vorzuschlagen-;.. In dem Verfassungsentwurf ist nicht von Beseitigung der alten Beschränkungen die Rede; dochsolltzn sie-Wühler sein, nur nicht wählbar. Eine praktische Anwendung: deS Dictums: wer die Wahl hat, hat auch die Qual. Das ist nun wieder ein . trauriger Sieg deS!„deutschen Geistes" über den. liberalen dänischen. Zu dem neulich gegebenen Verzeichniß der verschiedenen jüdischen Gebetbücher, gehören!— außer etwa einem Dutzend verschiedener deutscher und ebräi-