Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 4 (21.1.1856)
- Date
- 1856-01-21
- Page
- Seite 50 (sequence 10)
- Language
- German
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50 Und sich einen türkischen Paß verschaffte,' um in Wien zu-'leben, wo die türkische Gesandtschaft den in Oesterreich geborenen und lebenden Juden sicherer beschützte, als das Vaterland, diese Zeiten sind bei unserererleuchteten Regierung nicht mehr denkbar. J;I Es liegt mir ein Büch vor: „Der- Bibelschatz", Vd'nUHerru'-Kohn >i-n Pesth, ' das ich nichtübergehen kann! Goethe-sagt:uNur Lumpe sind bescheiden. -Der Verfasser dieses' Büches kann - nicht wegen eines Uebermaßes - von Bescheidenheit angeklagt werden. Er sagtselberauf dem Titelblatte von seinem Werke, es sei^H/ein treffli ches Familienbuch"-, ferner: „die füils Bücher Moses in einem blühenden und sanftfließenden Stile ganz neu bearbeitet.". Wir versuchten - dieses treffliche Buch zu lesen; doch nicht der Stil/' sondern der Unsinnist blühend.- Ach, welch ein guter Kerl ist das Papier. Wie geduldig ist es! Prag, 24. December. (Privatmitth.) Gestern, am Geburtstagder regierendem Kaiserin, wurde das neucreirte jüdische Mädchen-Waisenhaus eingeweiht; ich hielt die Weihrede.- Darauferstattete Herr E. W ehliPräses der Gemeinde-Repräsentanz, Bericht üb über den Verlauf der Gründung und den Status des Instituts.- Am Schluffe erklärte die Ober- VorsteheriN/ Frau Franz, -v o n S a l e nt f e l s , geb. von LaMmel, düs Institut für eröffnet.- Die Choräle, -die Volkshymne! — vom Tempelchor ausgeführt, — waren der Feier vollkommen angemessene Auch der erste hiesige Rabbiner Herr Rap opo rt und sonstige Notabilitäten waren anwesend, obgleich der beschränkten Räumlichkeit wegen nur wenige Einladungen erfolgt waren. -i ’; - Brody, 26. December. (Privatmitth.) In diesen Tagen verloren wir in dem Herrn Marcus Ehrenreich einen unsrer geachtetsten Mitbürger. Er war sein ganzes Leben hindurch ein standhaftes Beispiel von aufrichtiger, ächt israelitischer Frömmigkeit, eben so entfernt von religiöser Heuchelei wie von anwiderndem -Fanatismus. Vielmehr war er ein wackrer Vorkämpfer in Wort und Thal für die Bildung im Mendelssohn'schen Sinne und im Sinne der neuern moderirten Schule, und hatte auch für Sie, geehrter Herr, ungemeine Hochachtung. Seinem Berufe als Gemeindekassier lag er stets mit.'pflichtgetreuer Genauigkeit ob. Noch in den letzten-Monaten seines Daseins, .war er im Dseyste der>Hemeinde^fast-J)en ganzen ’XaQ hiüdudch üsiermüdlEch' ^thätig?> drwiß fehlten nicht viele .Jahre, daß er Mn- Amtsjublläum erreichthätte. Als wahrhaft aufgeklärter Israelit hatte er an . der Gründung >dev erst vor ein Haar Jahren.eingegangenen.israelitischen Realschule tßätig mitgewirkt. ..'Diese .Schule. hat jksne Reihe pon Jahren hindurch in B.rody viel Gutes gestiftet., Auch war er seit dem Jahre .1832 bis 1846. als .sup.plirender Professor der.Religion und - deutschen. Sprache an erwähnter Anstalt, thätig. Zwei seiner. <2 öhrwstnh als voetoi'68 inecüeinstz. in Galizien thätig^ eine^fungirt als zweiter Rabbiner, in Modena. - Er - beendigte seinen mühevollen, .aber ehrenwerthen -hebeitslaustüm 7-4.. Jahre, geliebt und betrauert von zahlreichen Freunden und Bekannten. ■; Hotzenplotzi (Böhmen), im November.. . . Am 7. d. M. ist zu unserer tiefsten, .Betr'H.^itz unser .allgemein geehrter und geachteter Rabbiner, Herr Juda Schmiedl, nachdem er 21 Jahre hindurch' sein Amt hier verwaltete, nachTürzem Schmerzenslager Im 69. Lebensjahre in ejn besseres Hem hinübergegangen., .Große Kenntnisse, des 'Talmichs' Scharfsinn, Fleiß, und Gründlichkeit zeichneten ihn aus. Dgbei hatte er Ich durchs Selbststudium vielseitige wissenschaftliche'' Kenntnisse angeeignei. .Seme gottesdienstlichen Vorträge, die er in reinstem Deutsch hielt, .enthielten die geistreichsten Auslegungen .her Schrift und Midrasch, und erwarben ihm einen weitverbreiteten Ruf. ' . V'-’ Seine ungeheuchelte Frömmigkeit, seingläubiger, gottbegeisterter Sinn haben sich in seinen letzten Tagen und Stunden auf das Erhebendste bewährt. , -- Die Beerdigung fand am 9. K M. unter einem großen Zusammenstrome aller Confessionen von Rah und Fern statt. Die Beamten des hiesigen k. ^. Bezirksamtes, ferner die Beamten des .Finanzwesens^ svf wohl von kaiserlich österreichischer als.königlich.p.rküf ßischer Seite, endlich die k. k. Gensd-armerie, sämmtlich in ihrer Staatsuniform/ bethätigten durch.ihre Anwesenheit ihre ' Theilnahme an demTrauerfalle> Die zweiSöhne--und.die. beiden Töchter. des. Verklärten, sämmtlich durch telegraphische Depeschen vM