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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-01-21 · Heft 4 (21.1.1856) · p. Seite 49

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 4 (21.1.1856)
Date
1856-01-21
Page
Seite 49 (sequence 9)
Language
German
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49 Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 2. Januar. (Privatmitth.) Der nun schön seit Jahren dauernde Streit zwischen den Polen und den Deutschen, die orthodoxen Ritus haben, ist nun dahin vöN Seite des Ministeriums entschieden worden, daß ^ie sich vereinigen müssen. DaS Ministerium erkennt keine Nationalität an, weder Polen noch Deutsche. " Es gestattet den orthodoxen Ritus; und alle Diejenigen, die-nach diesem Ritus ihre Liturgie im Bethäuse geordnet haben wollen, müssen sich vereinigen. Jedoch ist ausdrücklich in diesem Ministerialerlasse -estimmt, daß die Gemeinde dadurch nicht getrennt werden dürfe. Das Bethaus der Orthodoxen und dessen Vorsteher stehen unter dem Vorstande der gesummten israelitischen Cultusgemeinde. Wer da weiß, welches Unheil diese Spaltungen in den Gemeinden herbeiführtm, wird diesen Erlaß gewiß freudig begrüßen. Allerdings will auch diese Fraction keineswegs die Herrschaft an sich reißen. Ihr kommt es zunächst darauf an, ihr religiöses Bedürfniß zu befriedigen. Daß eS hier einen Mann giebt, dessen Ehrgeiz darnach strebt, eine Spaltung hervorzubringen und die Gemeinde in zwei Lager zu theilen, damit er an der Spitze des einen Theiles stehet, wird hoffentlich der allgemeinen Sache nicht schaden. Es tritt der Ehrgeiz da gar zu täppisch aus und das Programm desselben ist ganz obstrus. Die Orthodoxen sollten ein eigenes Gotteshaus, eine eigene Schule, ja sogar einen eigenen Gottesacker haben. Ich hatte von dieser Seifenblase nicht gesprochen; aber es gehört mit zur Kenntniß der Verhältnisse. Ich glaube übrigens, daß dieses Moment nur heilsam wirkt. Lee msjesties oxxositfon bringt keinen Schaden. Es werden dadurch die- Geister wach gehalten und dasist von Nutzen. Die Predigerfrage hat einen Ruck vorwärts bekommen. In der letzten Sitzung des Comites, das darüber zu berathen hat, wurde bereits die Serie um ter den Kandidaten bestimmt, die zu Probepredigten eingeladen werden sollen. Es dürften daher nach in diesem Winter die Fahrten der. Prediger vor sich gehen. — Herr Generäkmustkdirector Meyerbeer hatvon Sr. Majestät dem Kaiser eine goldene Tabatiöre mit Diamanten besetzt und mit der Namenschiffre des Kaisers erhalten. Wien, 10. Januar. (Privatmitth.) Was ich Ihnen jüngst als Vorschlag meldete, wird bereitS'ausgeführt. Die Vorsteher der Armen anstatt haben beschlossen, von dem Überschüsse, der ihnen zu Gebote steht, Arme zu speisen. Täglich sollen hundert, Karten an Bedürftige wertheilt werden. Während der harten Zeit des Winters, bei der außerordentlichen' Thcucrung aller Lebensbedürfnissewird; diese Gabe den Armen doppelt zu Gute kommen. Sie werden erhalten eine Suppe, 6-—.8 Loth Rindsseisch, Gemüse und ein Brot. Allerdings sonnen wir dabeinicht die Bedenken unterdrücken, die sich an die Eggerstorf'- sche Anstalt überhaupt knüpfen. Von ganzem-Herzen gönnen , wir den Armen diese Gabe. Ob aber nicht viele sich eben dadurch zum Bettel verleiten lassen, ist eine andere Frage. Es ist Wien ein um so gefährlicherer Punkt in dieser Beziehung. Viele auf dem Lande, die hören, daß man in Wien umsonst zu essen bekommt, lassen sich verleiten,, deshalb nach Wien zu gehen, und verfallen dadurch in eine um so größere Armuth. — Ich kann Ihnen auch nicht eine unangenehme Mittheilung verschweigen. Es giebt viele Juden, insbesondere in Ungarn, deren Großväter bereits, freilich per nefas, in Steyermark hausirten. Seit dem Jahre 1848 wurde dieses weiter betrieben, ohne daß ein Hinderniß sich dagegenstellte. Im Frühling des vorigen Jahres wurde von Seiten eines Kreisamtes in Steyermark in Erinnerung gebracht, daß die alten Gesetze in Betreff des Aufenthaltes der Juden in Steyermark zu Recht bestehen. Jüngst nun fuhren zwei Juden nach Märzzuschlag, um die Schulden einzukassiren. Doch kaum waren sie angekommen, so wurde ihnen bedeutet, daß sie sogleich abreisen müßten. Alle Gegenvorstellungen nutzten nichts. ' Wie ich höre, wenden sich nun die Betreffenden an das hohe Ministerium. Hoffen wir das Beste. Wir geben uns mit Zuversicht der Hoffnung hin, daß daS neue Gewerbegesetz, wenn nicht alle, doch viele dieser: Schwierigkeiten ebnen werde. Die erleuchtete Regierung, welche es als Princip ausspricht, es könne jeder Ausländer in Oesterreich sein Gewerbe betreiben, wird dem einheintifchen Juden das Recht nicht streitigmachen, das sie dem Fremden gönnt, ob Jude, ob Christ. Die' Zeiten, wie sie vor dem Jahre 1848 bestanden, wo der österreichische Jude nach Bukarest ging, 4

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