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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-01-14 · Heft 3 (14.1.1856) · p. Seite 34

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 3 (14.1.1856)
Date
1856-01-14
Page
Seite 34 (sequence 6)
Language
German
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34 Zeituttgsnachrichte».; Deutschland. AuS Württemberg, im December. (Privatmitth.) Sorsehr es immer mehr den Anschein gewinnt, als wolle in unserem großen deutschen Vaterlande und den- Wielen kleinen Vaterländern die politische Reaktion Wieder Front gegen die Juden machen und die abgelebte Ghetto-Zeit und Herrschaft wieder herbeiführen, so erfreulich ist es von der andern Seite wahrzunehmen, wie die Juden sich immer mehr nach innen consolidiren, immer kräftigere und herrlichere Früchte ächt jüdischen Geistes hervörtreiben, und für den Druck, den sie von außen her erfahren, desto mehr von innen heraus erstarken- und es immer mehr beweisen-'daß ein unverwüstlicher Fonds von religiösmoralischer Stärke in ihnen waltet', der trotz alles Hohns und aller Zurücksetzung nicht abgeschwächt Wird.' Folgendes, mag als Beleg für diese allgemeine Bemerkung dienen. In der kleinen Gemeinde Freudenthal sie zählt nicht mehr als 67 Familien, unter welchen viele Arme sich befinden — hat sich kürzlich auf Anregung des dortigen Rabbinen Grünwald ein Verein unter dem Namen msn i-l^Ä gebildet/ Dadurch, daß ein geringer Jahresbeitrag zum Vereine festgesetzt wurde, ist die Zahl der Mitglieder desselben um so größer, und es beträgt deren Zahl bereits 48. Außer den regelmäßigen jährlichen Beiträgen ist unter Anderm der bei Hochzeiten als Einnahmsquelle bezeichnet. Vorläufig ist das Minimum des einem Mädchen abzureichenden Beitrags auf 200 Fl. und das Marimum auf 300 Fl. festgesetzt. Wer da weiß, wie groß'wie Sorge so vieler Familienhäupter wegen der Versorgung ihrer Töchter ist, der wird das Wohlthätige eines solchen Zwecks zu würdigen wissen. In derselben Gemeinde besteht schon seit längerer Zeit, ebenfalls auf Anregung des genannten Rabbinen ins Leben gerufen, ein andrer Verein, durchreisende israelitische Arme aus einer gemeinschaftlichen Kasse zu unterstützen. Dieser Verein zählt fast sämmtliche Gemeindegenoffen zu Mitgliedern, von denen zwei ausgestellt sind, der Eine zur Abgabe der Marken, und der Andre zur Ausbezahlung des Gezeichneten Werths an die Armen. Es soll hierdurch erstens der berufsmäßige Bettel allmälig abgeschafft , werden; zweitens sind von den herumziehenden Armen die Minderbemittelten und Armen eben so in | Anspruch genommen worden/ als die Wohlhabenden und so haben die einheimischen Armen, um die herumziehenden, von Haus zu Haus wandernden Armen nicht leer Weggehen zu lassen, denselben eine Gabe gereicht, die sie für ihre und der Ihrigen Erhaltung vielleicht viel nothwendiger brauchen konnten.! Drittens wird hauptsächlich durch einen solchen Verein das erzielt, daß durch die Ordnung und die durch dieselbe herbeizuführende Ersparniß in den Ausgaben für herumziehende Arme ein Namhaftes erübrigt wird, das zu besserer Unterstützung der bekannten würdigen Armen im Orte und in der Umgegend verwendet werden kann. Von den weitern in der genannten Gemeinde bestehenden wohlthätigen Vereinen soll nur noch der eine genannt werden, der unter dem Namen naan ‘lon den Zweck hat, die bei Sterbefällen entstehenden Unkosten, als für Wächter, Beerdigung u. s. w. durch freiwillige Beiträge aus einer gemeinschaftlichen Kaffe zu decken, und, um das Zartgefühl der Armen zu schonen, diese Kosten auch bei den Bemittelten übernimmt, die aber ihrerseits die vom Vereine für sie gemachten Auslagen demselben durch freiwillige Spenden beim Aufrufen zur Thora wieder ersetzen. Aus dem vor etwa zwei Monaten veröffentlichten Rechenschaftsbericht über die israelitische Waisenanstalt „Wilhelmspfiege" in Eßlingen ist zu erse-' hen, daß der Wohlthätigkeitssinn der Israeliten Württembergs überhaupt eher im Zu - als im Abnehmen begriffen ist.' Der vorjährige Rechenschaftsbericht schloß mit einem Abmangel im Ganzen von 835 Fl. 53 Lr., der diesjährige dagegen schließt mit einer Vermögenszunahme um 1337 Fl. 34 Xr. L^gt dieses günstige Resultat im Ganzen ein vorteilhaftes Zeugniß ab von deni unermüdlichen Wohlthätigkeitssinn der Israeliten Württembergs, durch welchen — nach der Mittheilung des Rechenschaftsberichts— seit dem 24jähngen Bestehen dieser Anstalt 120 Kinder dem Elend entrissen und des Glückes einer sorgsamen Pflege und Erziehung theilhastig geworden sind: so darf doch nicht verschwiegen werden, daß der herrliche Aufschwung, den diese Anstalt trotz der Ungunst der Zeiten in neuester Zeit genommen hat, vorzüglich der unverdrossenen Fürsorge und Energie eines Mannes, des Herrn Adolph Levi.in Stuttgart, gegenwärtigen Vorstandes derselben, zuzuschreiben ist.

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