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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-01-14 · Heft 3 (14.1.1856) · p. Seite 32

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 3 (14.1.1856)
Date
1856-01-14
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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zu wiederholten Malen Mittheilungen über ein in der Hiesigen Gemeinde begründetes und seit einigen Jahren wirksames Institut gebracht, daS, so viel mir bekannt, bisher wohl das einzige seiner Art innerhalb der Judenheit ist, obwohl die Notwendigkeit desselben von Niemandem, am wenigsten von den zunächst dabei Bethei- .ligten in Abrede gestellt werden wird. Es ist dies der „Verein zur Unterstützung jüdischer Lehrer in Preußen." Da der Schreiber dieses zu diesem Vereine seit der Begründung desselben in naher Beziehung steht, ihm daher seine allmälige Entwickelung wie seine gegenwärtigen Verhältnisse bekannt sind, so wollen Sie, geehrter Herr Redakteur, ihm im Jnteress? seiner Berufsgenossen gestatten, in Ihrem Blatte über den Verein ausführliche Mittheilung zu machen, und so dazu beitragen, ein so nothwendiges und wohlthätiges Institut und seinen Zweck einem ausgedehnten Leserkreis zur Kenntniß zu bringen und dadurch seine Aufgabe zu fördern. Dem Bericht über die gegenwärtigen Verhältnisse des Vereins will ich zunächst eine summarische Uebersicht seiner Vergangenheit voranschicken. Seiner Entstehung nach ist der Verein ein Kind des in der hiesigen Gemeinde bis zum Jahre 1847 bestandenen Culturvereins. Welche Umstände das Eingehen dieses viel Gutes fördernden Vereins bewirkt haben, gehört nicht hieher. Genug, derselbe wurde im Jahre 1847 aufgelöst. In der die Auflösung desselben betreffenden Generalversammlung vom 8. August jenes Jahres handelte es sich unter Anderm auch darum, den Restbeftand des Vereinsvermögens, im Betrag von etwa 1000 Thlrn., einem andern schon bestehenden oder noch zu begründenden gemeinnützigen Institute zuzuwenden. Unter vielen andern Vorschlägen stellte ein sehr geachtetes Mitglied der hiesigen Gemeinde, Herr I. Loewenherz, von dem Lehrer seiner Kinder auf daS dringende Bedürfniß aufmerksam gemacht, den Antrag: den angegebenen Fond des Culturvereins zur Gründung eines Pensionsfonds für jüdische Lehrer und deren Wittwen und Waisen zu verwenden. Der Antragsteller motivirte seinen Antrag mit der einem warmen, menschenfreundlichen Herzen eigenthümlichen eindringlichen Beredtsamkcik, und fand damit solchen Anklang, daß die Generalversammlung seinen Antrag einstimmig annahm. In derselben Versammlung wurden sofort die ersten Schritte zur Gründung eines Vereins zur Pensionirung jüdischer Lehrer gethan, und aus der Versammlung heraus ein Comite erwählt, das die Leitung der Angelegenheit in die Hand nehmen sollte. Schon wenige Tage darauf constituirte sich unter dem Vorsitz des leider früh verstorbenen,' nach vielen Richtungen hin mit Geist und Kraft wirksam gewesenen Buchhändlers M. Simion zu diesem Behufs ein provisorisches Comite, bestehend, außer dem Vorsitzenden, aus den Mitgliedern: Commerz-Rath Carl Heyman, L. Lesser, I. Loewenherz, M. Magnus, Ä. Meyer, vr. Neumann, Commerz-Rath Steinthal und Lehrer S. Piek. Von diesen wurde ein Statutenentwurf ausgearbeitet und zur Berathung desselben eine Versammlung der sich für einen solchen Verein Jnteressirenden auf den 29. August 1847 anberaumt. In dieser Versammlung rief namentlich die Frage in Betreff der örtlichen Ausdehnung, der Wirksamkeit des Vereins scharfe Differenzen-hervor. Von einem Theil der Versammlung wurde geltend gemacht, daß die sofort über die ganze Monarchie auszudehnende Wirksamkeit des Vereins zu weit greifend, die geringen Mittel zersplitternd und daher unzweckmäßig sei; es solle daher die Wirksamkeit des Vereins zunächst nur auf Berlin beschränkt bleiben. Von der andern Seite wurde hervorgehoben, daß das Bedürfniß einer Unterstützung für die Lehrer in kleinern Gemeinden in einem unverhältnißmäßigen Grade größer sei, als für die Lehrer innerhalb der Berliner Gemeinde, daß diese als Hauptgemeinde des Staates die moralische Verpflichtung habe, dem Bedürfniß der schwachem Gemeinden in der Provinz nach Kräften hülfreich entgegen zu kommen, und endlich wurde geltend gemacht, daß das Vermächtniß des Culturvereins in dem Sinne einer Wirksamkeit für den ganzen preußischen Staat erfolgt fei. Der Streit über diese Frage drohte die ganze Angelegenheit zu gefährden, und die Versammlung selbst lösete sich ohne befriedigende Lösung derselben auf. Die fortgesetzten Bemühungen des provisorischen Comitss führten aber später zu einer Verständigung der auseinandergehenden Ansichten und zwar dahin, daß die Wirksamkeit des Vereins sich auf ganz Preußen erstrecken solle, daß aber nur diejenigen Lehrer zu berücksichtigen seien, die selber Mitglieder des Vereins geworden sind, und aus deren Gemeinden ein verhältnißmäßiger Beitrag zum Verein geleistet worden ist, und wurde in Bezug hierauf der folgende Paragraph in den Statuten-Entwurf ausgenommen: §. 2; Die Wirksamkeit des Vereins erstreckt sich auf diejenigen Lehrer, welche s) wenigstens das vorschriftsmäßige Elementar - Lehrer - Eramen gemacht und innerhalb der letzten fünf Jahre als Lehrer gewirkt haben, und auf

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