Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1856)
- Date
- 1856-01-07
- Page
- Seite 24 (sequence 12)
- Language
- German
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mer'nde in Verbindung mit dem Rabbiner die religiösen Angelegenheiten zu ordnen habe. Nun hat Herr Rabbiner Schwab, der bekanntlich nicht zu den Reformern, gehört, das Orgelspiel im Tempel gestattet. Auch ist dieses bereits Usus in Pesth: Welches Recht haben jetzt die Herren in der Gemeinde dagegen zü sprechen? Es wäre überhaupt gut, wenn eine eingeweihte Feder angeben möchte, was Herr Rabbiner Schwab bei den streitenden Parteien als seine Amtspflicht hält. Es ist uns nicht im Entferntesten darum zu thun, ob die Orgel eingeführt wird oder nicht. Es ist das keine Lebensfrage des Judenthums; aber gegen das zur Geltung gekommene Princip müssen wir uns verwahren. Die Autonomie der Gemeinden darf nie zur Anarchie führen. In den heiligsten Angelegenheiten des Lebens dürfen nie und nimmer die Stimmen (und welche Stimmen l) blos gezahlt werden. Da sind wie hier in Wien viel ruhiger rtüna pa qüsszn'siD. Der neue Tempel und die Functionen an demselben haben noch keinen Kampf heraufbeschworen. Alles sitzt ruhig. Der Eine berechnet den Gewinn der Credit mobilier-Actien, die Andern berechnen wieder, was sie thun und unternehmen wollenwenn das neue Gewerbegesetz dem Entwürfe gemäß - proclamirt würde. Jedenfalls wird eine neue Aera durch dieses Gesetz für uns hervorgehen, selbst wenn dabei Modificationen getroffen werden sollten. Die Erörterungen über das Concordat dauern in den Journalen noch fort. Ueberall lassen sich Stimmen für die Protestanten hören. Giebt es nirgends Jemanden, der in diesen kleinen und großen Zeitschriften im Namen des Rechtes das-Wort auch für die Juden ergreifen möchte? Hoffen wir/ daß unsere Staatsmänner auch ohne besondere Anregung dem Juden in vollem Maße Recht werden widerfahren lassen. Ich habe Ihnen zu Anfang des Jahres gemeldet, daß durch die persönliche Verwendung der neu gewählten Vorsteher des Armeninstitutes dieses Institut bedeutend gekräftigt wurde. Ich kann Ihnen heute melden, daß trotz der vielfachen Ausgaben — weit mehr als in den letzten Jahren — dieses Institut nun zu Ende des Jahres einen Ueberschuß von 5000 Fl. C.-M. hat. Wie ich höre, soll nach dem Anträge der Herren Vertreter Jos. Wertheimer und Heinrich Sichrovsky, da es nicht in der Absicht des Armeninstituts liegen kann, Summen zu ersparen/ dieser Ueberschuß dazu verwendet werden - um armen Leuten eine billige Kost' zü verschaffen. - In dem Inder der Zeitungen, die in Oesterreich im Jahre 1856 gestattet sind, befindet sich auch die „Allge meine Zeitun g des I u d e n th u m s" und das „Jüdische Volkschlatt." Pesth, 12. December. (Privatmitth.) Die Statthaltern in Ofen, der Bürgermeister der Stadt Pesth, die bedeutendsten Mitglieder unserer Gemeinde/bestürmten den besonders um unfern Cultus hochverdienten Vorsteher David Fleischl, daß er wieder in sein Amt eintrete; ja ein reicher Mann, Herr Gerson Spitzer, wollte 500 Fl. an die Armen schenken, wenn Herr Fleischl den Bitten nachgeben wollte — allein Alles ist vergebens! Herr Fleischl beharrt bei seinem Ausspruche. Nun werden Stimmzettel an alle Mitglieder der Gemeinde geschickt, damit sie abstim- Men, ob Orgel und deutsche Lieder im neuen Tempel eine Stätte finden sollen? Die Entscheidung soll nach der Majorität getroffen werden. Alts Galizien, Ende November. (Privatmitth:) Laut Zeitungsberichten aus Czernowitz wären neu, lich unsere Brüder daselbst mit einem Male — ihren christlichen Mitbürgern gleichgestellt worden. Dieses wichtige Ereigniß muß um so Mehr überraschen, wenn man erfährt, daß es ohne vorhergegangene Kraftanstrengung irgend einer Partei, ohne .Krawalle oder sonstige Demonstrationen herbeigeführt wurde. Hören wir daher die Worte des dortigen Correspondenten im „Wanderer", vielleicht find sie im Standes uns das Räthsel zu lösen. Dieser Bericht ist zu wichtig und von zu großem culturhistorischen Interesse, um nicht hier von Wort zu Wort angeführt zu werden. Er lautet also: „Czernowitz, 7. November. .... Endlich ist bei unS doch die Errichtung eines Casinos zu Stande gekommen; leider aber sind nach den Statuten Bürger (christliche) und Israeliten von der Teilnahme an demselben ausgeschlossen. Ein langer Bestand kann diesem Casino nicht prophezeit werden, da überhaupt dergleichen hier nie von langer Dauer war. So kommt es denn auch, daß sich kein Theater erhalten kann und wird, weil nur zu bald Parteispaltungen entstehen, und wo keine Einigkeit und