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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-01-07 · Heft 2 (7.1.1856) · p. Seite 23

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 2 (7.1.1856)
Date
1856-01-07
Page
Seite 23 (sequence 11)
Language
German
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33 Mehr als anderthalb -Jahre vergehen noch bis dahin. Man sende also, wie in alter Zeit, „Meschulochim", Männer, die an Ort und Stelle sich von der Gesammtwirksamkeit des Candidat.en überzeugen, dann erst berufe man zu Probeprcdigten. Ich glaube um; so mehr, daß, die Herren, die zunächst darüber zu entscheiden haben, gern, einen geraden und richtigen Weg finden möchten; da hier wirklich kein anderer Zweck vorwaltet als: man will den' besten und tüchtigsten Mann herausfinden. Um aber einen Mann in vollem Maße würdigen zu lernen, muß man suchen ihn zu beobachten, auf dem Boden, wo er sich bewegt. Wie die Journale wiederholentlich versichern, werden die Angelegenheiten der Akatholiken bald geordnet sein.. Es soll, heißt es überall, den anderen Confessionen dieselbe Freiheit gewährt sein, wie den Katholiken in Folge des'Concordates. Wien, 21. December. (Privatmitth.) Das Jahr giebt uns in seinem- Scheiden noch ein freundliches Angebinde. Das Handelsministerium , hat so eben den Handelskammern einen Entwurf zur Begutachtung gegeben, worin ausgesprochen ist, daß Handel and Gewerbe für Jedermann frei gegeben ist. Wer es weiß, wie hart und schwer das Zunft- und Gildenwesen den Aufschwung unserer nationalökonomischen Verhältnisse niederhielt, der wird diese Maßregel ihrem vollen Umfange nach zu würdigen wissen. Viel wichtiger ist diese Maßregel aber noch für uns. Dem Juden stellten sich überall Hindernisse hemmend in den Weg.. Wo es sich vollends darum handelte, das Gewerbe anderswo zu betreiben, als Ln dem Heimathsorte, da stellte sich das Hinderniß der Zuständigkeit in den Weg. Das wird jetzt anders werden. Es wird nun an dem Juden sein, zu beweisen, daß er in dem allgemeinen Wettkampfe nicht zurückbleibe. Es ist mit diesem Schritte der größte Lheil der Emancivationsfrage gelöst. In einer Zeit, die die Industrie als ihre Devise hat, muß vor Allem die Thätigkeit auf diesem Gebiete dem Juden offen stehen. Hoffen wir, daß die andern Fragen sich auch bald lösen werden. Die Zeitungen versichern wiederholentlich,. daß den Juden dieselben Rechte auf religiösem Gebiete, dieselben Freiheiten genießen werden, wie die katholische Kirche. — Es giebt nun viele Gemächer, die genug ängstlich sind, und fürchten, es könnte sich unter den Juden ebenfalls eine Hierarchie bilden. Wir halten, diese Furcht als ganz ungegründett Wir wissen nicht, ob es welche giebt, die sich eine solche Macht zueignen wollten; aber wenn.auch, sie würde keinen Boden fipden, wie sie nie. unter den Juden Boden gefunden hat. Von Aron angefangen, sehen wir das Priesterthum stets Angriffen ausgesetzt. Selbst Samuel, dem man hierarchische Gelüste zumuthet, hat doch nie eine solche begründen können, und die Nachkommen der Makkabäer, die zwei Kronen auf ihrem Haupte trugen, haben doch nie eine hierarchische Gewalt ausüben können. Ob es nicht, besser wäre, wenn eine solche Gewalt ins Leben gerufen würde? — Wir möchten nach unserer unmaßgeblichen Ansicht mit Nein antworten. Unser Beruf bleibt es, im Ganzen ein priesterliches Reich zu sein und da kommt Niemandem allein die Gewalt zu. Wir sehen es auch, daß da, wo eine solche Gewalt geschaffen wurde, wie in Frankreich,. sind die Erfolge gerade nicht von.solch außerordentlicher Bedeutung, als daß man lüstern nach ihnen schauen müßte. Es wird übrigens unseres Wissens diese Frage keineswegs von Außen angeregtt Im Uebrigen ist . dafür gesorgt, „daß die Bäume nicht in. den Himmel wachsen." —. Es befindet sich jetzt hier Pie berühmte Weltreisende Frau Jda Pfeifer. Herr Szanto ist der einzige unter den hiesigen Jnstitutsinhabern, der die Gelegenheit benutzt, welcher Frau Pfeifer eugagirte, in seinem Mädcheninftitute einige Vorträge zu halten. Die Zuhörer haben den Vortheil, geographische und naturhistorische Vorlesungen zu hören, die nicht dem geschriebenen Worte entnommen.sind, sondern auf eigenen Anschauungen beruhen. Wien, 27. December. (Privatmitth.) Die Vorgänge in der Pesther Gemeinde sind sehr, unerfreulicher Art. Der dortige Vorstand hat es für gut gefunden, die Plätze in dem neu zu erbauenden Bethause zu verkaufen. Nun wird bei den Besitzern dieser Sitze um Stimmen colportirt, ob für oder gegen eine Orgel. Wir würden unter keiner Bedingung dem Glaubens- und Gewissenszwange das Wort reden. Wir können aber andererseits nicht Kcethi und Plethi, der zufälliger Weise Besitzer eines Platzes ist, das Recht gestatten, seine Meinung abzugeben über das, was recht oder unrecht im Judenthume ist. Wir waren immer der Ansicht, daß der Vorstand einer Ge-

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