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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-12-25 · Heft 52 (25.12.1854) · p. Seite 660

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 52 (25.12.1854)
Date
1854-12-25
Page
Seite 660 (sequence 10)
Language
German
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660 Die Gemeindewelcher der Jude angehörte, sandte zu Diego de Aguilar einen Boten, er solle die unter seinen Glaubensgenossen unerhörte Schmach durch seine mächtige Verwendung von ihnen fern halten. Diego de Aguilar verlangte, ehevor er einen Schritt thue, die schriftliche genaue Darlegung der Thatsache durch den Rabbinen, um sicher zu sein, daß er sich für keinen gemeinen Mörder verwende. Die Darstellung traf ein, und da sie in hebräischer Sprache abgefaßt war, sandte er sie zurück und bat, indem er der Sprache nicht genug kundig sei, um eine treue Übersetzung. Als diese erfolgte und er sich die Ueberzeugung verschafft hatte, daß der Jude vielfache Verhöhnung schweigend ertrügen, erst die Thätlichkeit abwehrend im Zorne, ohne die Absicht zu tödten, den Christen erschlagen hatte, verfügte er sich zu seiner ihm stets gnädigen Monarchin, und der dem Henker bereits verfallene Jude wurde freigegeben. In dem angeführten Buche von Trebitsch wird auch erzählt, daß Diego de Aguilar zum Rabbiner Mer Barb nach Preßburg gereist sei, um Abschied von ihm zu nehmen. Er vertraute ihm: „Ich verlasse die österreichischen Länder, weil mich die Hofleute so sehr quälen, mich taufen zu lassen." Am Schluffe dieser Mittheilung kommt vor: „Er ist fort und man weiß nicht, wohin er gekommen ist." In dem Werke: „Divre Schelomo," gedruckt in Frankfurt an der Oder 1752, erzählt der Oberrabbiner der portugiesischen Gemeinde Salomon Schalem: „Ich setzte meine Reise fort, bis ich nach Wienna kam, da fand ich einen großen Herrn, der eine Krone des JudenthumS ist. Sein Name Mosche Lopez Parera ist auSgerufen und ausgezeichnet in allen Ländern. Gott erhalte ihn! Sein Palais ist der Zusammenkunftsort aller Weisen. Sein Anstand und seine Würde sind majestätisch. Sein wohlwollender Empfang flößt Jedem neues Leben ein. Er erwies mir so viele Ehre, wie ich mir dies nie gedacht hatte. Ich speiste täglich an seiner königlichen Tafel. Wie diesen Mann segne der Allmächtige alle frommen und großen Herzen. Seine Gattin und seine Kinder segne der Allmächtige mit langem Leben, Ruhm und Reichthum. Seine Herzenswünsche segne der Allmächtige nach dem Wunsche meines Herzens, seines ihm treuen und ergebenen Freundes. In seinem Buche „Zamach Haarez" (Fürth 17..) gedenkt Elias Katzenellenbogen aus Bardutschaw Diego de Aguilar's in der Vorrede. Er erzählt, daß er ihn auf seiner Reise in Wien sehr gastfreundlich ausgenommen hat. Er nennt ihn einen „Cher" d. i. einen Fremden, einen Proselyten, der jüdischer Abkunft sei, mit dem man sich nur in spanischer oder holländischer Sprache verständigen könne, der hebräischen sei er nur.wenig kundig. Es bedürfe übrigens nur der Worte: „Ich bin ein Jehudä" oder „Ich bin ein Chacham, Rabbine," um von ihm auf das Freundlichste empfangen zu werden. Er unterhält in seinem Hause mehrere eingerichtete Zimmer für herumreisende Gelehrte oder „Orchim hagunim," d. h. anständige Gäste, Almosen Ansprechende, und zwar um sich immer ein „Minjan," zu welchem zehn Personen erforderlich sind, die gleichsam eine Gemeinde darstellen, zu sichern. Noch erwähnt der Tourist, daß Diego de Aguilar keinen Unterschied unter seinen Glaubensgenossen machte, ob sie spanischer, deutscher oder polnischer Abkunft waren; sie fanden bei ihm eine gleich gute Aufnahme. Die allgemeine Geschichte des israelitischen Volkes von vr. I. M. Jost erwähnt eines Moses Rafael de Aguilar, der um das Jahr 1639, als die Juden wegen der Jnquisitionsverfolgungen von der pyrenäischen Halbinsel nach Amerika auswanderten, an der Spitze von 600 angesehenen Juden, ebenfalls dahin zog und durch politische Verhältnisse gezwungen, mit ihnen im Jahre 1654 wieder nach Amsterdam zurückkehrte. Ich wandte mich schriftlich an den gelehrten Historiker mit der Frage, ob dieser de Aguilar, der wie Diego hebräisch sich Moses nannte, nicht Diego's Vorfahre sei. Die mir eben so rasch als gütig genannten Quellen bieten über die vermuthete Verwandtschaft keine Auskunft, sie enthalten die Nachricht, daß Moses Rafael de Aguilar zurückgekehrt nach Amsterdam als Direktor des.Institutes „Gemilos Chassodim" d. i. „Gesellschaft für fromme Werke," und als Rabbi der Raschi- Lehranstalt, später als Talmudlehrer angestellt wurde. Er besaß eine reiche Bibliothek, deren Katalog 1680 gedruckt erschien und schrieb eine Reihe Schriften, die theils gedruckt erschienen find, theils noch im Manuskript sich auf der Bibliothek zu Orford befinden. Ihn hat Daniel Lewi de Barrios besungen. Der gelehrte Herr vr. Lettrris machte mich auf noch zwei de Aguilar aufmerksam, deren einer Francois als Arzt um das Jahr 1593 in Valencia, der andere Gaspard, der eine „Gitana melancolica“ schrieb, in Madrid lebte. Eine berühmte Schriftstellerin Englands, Chrace de» Aguilar, deren für das Judenthum begeisterte Schriften/ viele Auflagen erlebten^starb erst 32 Jahre alt im Jahre

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