Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1854)
- Date
- 1854-12-25
- Page
- Seite 659 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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659 ben vor; sie ist dadurch interessant, daß der Bittsteller um baldige Erledigung bittet, weil er im Falle eines Abweises „in sein Hans nach London" zurückkehren wolle. Es ist diese letzte Bemerkung die einzige in den Acten über Diego de Aguilar's vorkommende Beziehung auf sein Leben, welche wie die oben von London aus datirte Larls dianei» ein neuer Anhaltspunkt zu weiterer Forschung wurde. Nach der Darstellung dessen, was actengemäß über Diego de Aguilar sicher ist, dürfte es interessant sein, zu erfahren, was, so weit es mir bekannt geworden ist, seine Zeitgenossen über ihn drucken ließen und was noch Lebenden über ihn mündlich überliefert worden ist. Abraham Trebitsch aus Nikolsbnrg theilt in seinem in Brünn gedruckten, in Bamberg 1851 in zweiter Auflage erschienenen Buche: „Koroth Haitim" folgende Begebenheit mit: Im Jahre 1742 erhielten alle Gemeinden Mährens die Zuschrift: „Es wird die gesummte Judenschaft im Markgrafenthum Mähren ernst gemessen, daß dieselbe von Dato bis den 20. laufenden Monats März 50,000 Fl. baar zusammenmachen und anher liefern soll; widrigenS alle Juden aller Orten, wo sie in Mähren anzutressen seien, geplündert und niedergemacht werden sollen. Brünn, 14. März 1742. Suhr, Statthalter." Die verschiedenen Gemeinden wenden sich in maßloser Bestürzung und Seelenangst an die damals größten in Mähren nach Nikolsburg, wo auch der Landesrabbiner seinen Sitz hatte. Dieser sendet das Rescript in Abschriften durch mehrere reitende Boten nach Wien, damit, wenn der eine sich zufällig verspätete oder verunglückte, ein anderer die Nachricht sicher überbringe. In einem Tage langten Alle wohlbehalten in Wien an. Es war am Abend des Fasttages Esther, die Juden in Wien hatten sich bereits zur Vorlesung der Megilah versammelt und wollten sich des Purimfestes erfreuen. In der Betstube, wo sic die Hiobspost erreichte, beriechen sie sich rasch und beschlossen, sich an den Baron de Aguilar zu wenden. „Dieser Mann hatte sich," heißt es in dem Buche, „vor zehn Jahren in Wien niedergelassen und hieß Moses Baron de Aguilar aus Spanien. Sein Vater war daselbst bei dem nachmaligen Kaiser Karl VI. ein sehr angesehe» ner Mann. Als der Monarch nach Wien berufen wurde, * streckte er ihm sehr viel Geld vor und schloß mit ihm Zeinen Vertrag auf ewige Zeiten für sich und seine Kinder. Zu dieser Zeit war Moses noch ein junger. Knabe, er wuchs' heran in vieler Wissenschaft und genoß darum großes Ansehen. Eines Tages, den. er für günstig hieltj flüchtete er sich und ging zu Schiff, so wie Abraham sein Land und seinen Geburtsort verließ, und kam nach Holland, wo er sich beschneiden ließ, um „wieder" Jude zu werden. Von da ging er nach Wien, die Kaiserin nahm ihn gütig auf,- gedachte des Vertrages zwischen ihrem und seinem Vater und machte ihn zum Freiherrn. -' - Als Diego de Aguilar-von der Bedrängniß seiner Glaubensgenossen in Mähren, hörte, ging er unverweilt zur Kaiserin, „bei der er stets unangemeldet eintteten durfte." Das Absingen der Megilah war in der.Betstube eben zu Ende, als Diego de Aguilar mit der freudigen Nachricht eintrat, daß die menschenfreundliche Monarchin einen Gegenbefehl erlassen werde. Am folgenden Tage, am Purimfeste um zwölf Uhr brachte ein beim Hofkriegsrath Beamteter ein von ihrer Majestät der Kaiserin unterzeichnetes, gesiegeltes Schreiben mit dem Aufträge, dasselbe „baldigst" zu besorgen- und sich vor den im Lande schwärmenden preußischen Soldaten in Acht zu nehmen. Kein Mann in Nikolsburg traut sich die Verantwortlichkeit zu übernehmen und den Brief, von dem das Leben und Eigenthum so vieler Tausende abhängt, nach Brünn zu überbringen. Der General Branei in Nikolsburg läßt vierzig Husaren aufsitzen, mit dem Befehle, sich, wenn es Noth thut,' durchzuschlagen und den Brief zu überbringen. Vom 21. März 1742 ist das Schlußdecret der Kaiserin , in welchem sie das Rescript des Statthalters „mißfällig: aufnimmt," datirt. und durch Diego de Aguilar erwirkt. Im geistigen Zusammenhänge mitdieser Erzählung steht die mir mündlich gewordene- Mittheilung des Herrn Sal. Gottlieb Stern, der sie aus dem Munde des ehrwürdigen neunzigjährigen Rabbi Elcsonen aus Galantha in Ungarn hat. -.. . Zu Szilein im Trentschiner Comitate kehrte ein hausire.nder. Jude im Wirthshause ein. Von einem Christen seines- Glaubens wegen verhöhnt, verhielt sich der Jude anfangs demüthig schweigend, als jener aber zudringlicher wurde und Hand an den. Juden legte, konnte dieser den Zorn .nicht' mehr bemeistern und schlug zur Abwehr der doppelten ihm zugefügten Schmach den Christen zurück, so unglücklich treffend, daß dieser bald darauf verschied. Der Jude wurde'festgenommen und zum Tode verurtheilt.