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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-12-25 · Heft 52 (25.12.1854) · p. Seite 661

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 52 (25.12.1854)
Date
1854-12-25
Page
Seite 661 (sequence 11)
Language
German
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1851 zu Frankfurt am Main; sie soll, wie wir später hören werden, ein Abkömmling Diego de Aguilar's sein. Der ehrwürdige Rabbiner der mährischen Gemeinde Gaja, Herr Joses Weiße, der sich mit archäologischer jüdischer Forschung, namentlich in Beziehung auf Mähren beschäftigt, hatte, als ich mich an ihn, wenn'ihm über Diego de Aguilar etwas kund wäre, wandte, die freundliche Güte, bei einem wiffenschaftlichen Freunde in Amsterdam anzufragen, und theilte mir den Erfolg seiner Forschung in Folgendem mit: „Die Bücher und Register der portugiesischen und.sepharLischen Israeliten enthalten über Aguilar nichts) aber nach der glaubwürdigen Aeußcrung eines dort ansässigen, eben so gelehrten als angesehenen Sepharden hat dieser von feinem in einem Alter von 100 Jahren verstorbenen Großvater öfters gehört: es sei einst ein Baron de Aguilar nach Amsterdam gekommen, der früher unter dem Schutze der Kaiserin Maria Theresia gelebt. Diese soll ihn zur Taufe zu bewegen bemüht gewesen sein, oder soll derselbe gar wirklich seinen Glauben gewechselt haben." Mehr erzählte jener Alte nicht und will sein obbenanntcr Nachkomme bemerkt haben, daß der Greis jedesmal bei Erzählung dieses Ereignisses einige Zerstreutheit und ungeordneten Vortrag an den Tag legte. — Eine Schrift, betitelt: „llrieven van eenige Isaäeu aan Voltaire“ soll über das Haus Aguilar Mehreres enthalten, ist aber bisher in Amsterdam nicht aufzufinden gewesen. — Der Name Aguilar ist jetzt in den jüdischen Kreisen Amsterdams erloschen. Bor vierzig Jahren starb der letzte Greis dieses Namens, der drei Töchter hinterließ, die sammtlich frühzeitig erblichen. — Der eine Stunde von Amsterdam entfernte portugiesisch-jüdische Friedhof wird von meinem Freunde nächstens durchsucht und das Ergebniß seiner Forschungen mir mitgetheilt werden." Der Umstand, daß auch nach der sagenhaften Ueberlieftrung des ehrwürdigen Chachams Rüben Baruch Diego de Aguilar über London nach Wien kam; die oben erwähnte von London datirte Carta bianca, endlich der Ausdruck in der citirten Eingabe Diego de Aguilar's, daß er „in sein Haus nach London zurückkehren wolle," mußte natürlich meiner Forschung nach dieser Stadt eine Richtung geben. .Durch die vermittelnde Güte des bekannten Humanisten und Schriftstellers Herrn Joses Wertheimer erhielt ich auf meine Fragen folgende erfreuliche Antwort: „Wahrscheinlich werden einige authentische Nachrichten über die Familie Aguilar, deren Mitglieder hier leben, zu erhalten sein. Der Zufall gab mir eben jetzt ein altes Buch — leider ist der Titel desselben nicht angegeben — iw die Hände, welches die Biographie eines Baron de Aguilar enthält, aber des Sohnes, pon welchem es heißt, daß er ein ercentrischer Mensch gewesen ist. Vom Vater sagt das Buch nur Folgendes:■ „Baron de Aguilar war in Lissabon geboren, das er ungefähr 1722 seiner Religion wegen verließ. Er kam nach England und ging im Jahre 1736 nach Wien, wo er Pächter des Tabakmonopols wurde. Er war ein Liebling der Kaiserin Maria Theresia. Im Jahre 1756 kehrte er nach England zurück mit seiner Familie, die aus zwölf Kindern, Söhnen und.Töchtern bestand. Er starb im.Jahre 1759 unermeßlich reich. Die Schriftstellern^ Chrace de Aguilar, deren Schriften sehr beliebt sind, starb vor einigen Jahren. Ihr Bruder hält sich jetzt in Londonauf und ist ein ausgezeichneter Claviervirtuose. Beide find Abkömmlinge derselben Familie." - Ich durfte die beste Aufklärung hoffen,, da kam bald darauf von derselben Hand die fast widersprechende, lapidarisch kurze Nachricht: ' . .. « „Es eristirt kein Abkömmling vom Baron Diego de Aguilar. Seine Grabschrift ist verlöscht^ und es würde nicht unerhebliche Kosten verursachen, sie zu entziffern. Andere Nachforschungen waren vergeblich.^ Wie jeder Grabstein ein Grenzstein des Lebens ist, so ist ein solcher auch hier der meiner Forschung. Und gerade das steinerne Denkmal der Juden enthält gewöhnlich neben dem Geburts- und Todestage des Hingeschiedenen, den Namen des Vaters, öfters auch deS Großvaters und theilt nicht selten orientalisch blumig manches biographisch Wichtige mit. ';-7 Anzeigen. An der jüdischen Elementarschule zu Weener ist die Lehrerftelle sofort zu besetzen. Nebst freier Wohnung, Feuerung und Licht beträgt das jährliche Firum für anjetzt 150 Thlr. Auf Bewerber, welche zur Uebernahme des Vorbeteramts sich eignen — wofür seiner Zeit ein angemessenes Honorar erfolgt :—: soll besondere Rücksicht genommen werden. Portofreie Anmeldungen sind an das Landrabbinat zu richten. Emden, den 1. December 1854. Der Landrabbiner Hamburger?.

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