Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1854)
- Date
- 1854-12-25
- Page
- Seite 658 (sequence 8)
- Language
- German
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658 ihm der Charakter eines Administrators und General- Superintendenten zugestanden werden sollte, mit der unabhängigen Gewalt, Beamte anzuftellen und zu entlassen, die Tabakspreise festzusetzen und Tabakfabriken zu errichten. Für Streitfälle zwischen ihm und dem k. k. Aerar sollte eine 6iunta von allen Dikasterien unter dem Vorsitze eines Ministers angeordnet werden, zu welcher er mit Sitz und Stimme als Direktor zuzuziehen wäre. Auf diese Vorschläge wurde de Aguilat der Antrag gemacht, ob er nicht gegen ein bestimmtes Pachtquantum dies Gefäll selbst übernehmen wolle? er lehnte ihn ab, indem er sich für jetzt auf kein bestimmtes Pachtquantum einlaffen zu können erklärte, weil das Werk mühevoll eingerichtet werden müsse und erst nach Verlauf einiger Jahre zur wahren Ertragniß gebracht werden könnte. Die kaiserlichen Behörden fanden übrigens bedenklich, einem Juden den Charakter eines Direktors und General-Superintendenten zu geben, noch mehr aber ihm bei der vorgeschlagenen Giurita oder Hofcommission Sitz und Stimme zu bewilligen; denn hieß es im Berichte: „dies läuft wider die löblichste und allerpreiswürdigste Intention und positive Resolution des Kaisers, kraft welcher Allerhöchst Derselbe in den böhmischen Landen die Judenschaft so viel möglich zu restringiren Allergnädigst beschlossen haben. De Aguilar würde die Länder mit Juden anhäuftn, weil ihm als einem Juden die Christen, es sei denn gegen große Besoldungen, welche aber nicht zu bestreiten wären, nicht dienen würden. Auch hätten Se. Majestät sich entschlossen, daß die Wiener Juden nach Verlauf ihrer Privilegien die Stadt Wien räumen sollen und seien dieselben ernstlichen Willens, die österreichischen Erbländer von der Judenschaft gänzlich zu „reinigen." Jngleichen sei in Jnnerösterreich seit jeher ein so scharfes Verbot gegen die Judenschaft, daß auch niemals einiges Privilegium sich dahin erstrecket habe; die Juden seien allda so verhaßt, daß man kaum den Aguilar für seine Person in die Wirklichkeit seiner diesfälligen Verrichtung würde setzen können." Trotz dieses Berichtes und bedeutender Concurrenten, darunter Maximilian Hillebrand von Prandau, der einen fast gleichen Antrag stellte, der von den Worten begleitet war: „man stelle höherer Erkenntniß anheim, ob der Ausländer dem Inländer, der Jude dem Christen vorzuziehen sei," erhielt Diego de Aguilar in Verbindung mit dem Marquis Carignani die Pachtung auf acht Jahres gegen einen Pachtschilling von 400,000 Fl. in den ersten fünf, gegen 500,000 in den letzten drei Jahren und den Titel eines Administrators. Er erhielt gleichzeitig für sich und seine Familie volle Religionsfreiheit unter der Bedingungfich, außer in den Fabriken, keinen Israeliten anzustellen, in diesen wurde die Anzahl mit Privilegium bestimmt. Im Monate März 1726 im Jahre nach übernommener Pachtung datirt, befindet sich im k. k. Ministerium zu Wien das Freiherrn-Diplom Diego de Aguilar's in spanischer Sprache auf vier Pergamentblättern. Seine Verdienste um das k. k. Tabakmonopol werden in demselben als Grund der Erhebung in den Freiherrnstand hervorgehoben. Ein Jahr später wurde auch Sanchez, wahrscheinlich der Vater Diego'S, in den österreichischen Freiherrnstand erhoben. Es ist somit bis jetzt immer unrichtig mitgetheilt worden, daß Israel Hönig Edler von Hönigsberg mein Großoheim, der erste Jude in Oesterreich von Joseph II. im Jahre 17.. in den Adelstand und zwar auch wegen Verdienste um das Tabakmonopol erhoben worden sei, wiewohl er der erste Oesterreichkr gewesen ist, dem der Adel in Oesterreich zu Theil wurde; der als k. k. Beamter und zwar als Tabakgefäll-Direktor und wirklicher Regierungsrath angestellt wurde. Später ging die Pachtung auf andere Personen über; doch war bei derselben Diego de Aguilar um so gewisser brtheiligt, als er die Caution von 215,-000 Fl. geleistet hat, wie eine noch vorhandene Carta bianca, datirt London 3/t4. April 1733 beweiset. Im Jahre 1741 tritt Diego de Aguilar persönlich wieder auf, und er übernimmt die Pachtung des Tabakgefälls in Oesterreich bis Ende 1748. Den neuen Contract hatte de Aguilar nicht so viel der Gnade, als der Billigkeit Marien Theresiens zu danken, sie war gleichsam eine Entschädigung der Verkürzungen, die er laut der mit allem Rechte geführten Klage wegen des während der früheren Pachtung nicht nur von dem spanischen, französischen und türkischen Botschafter, sondern auch von dem päpstlichen Nuntius Passionni erwiesenermaßen in ungeheurer Menge eingeführten und öffentlich verkauften Tabaks erlitten hatte; der türkische Botschafter allein hatte 1000 Ballen Tabak eingeführt und dem Pächter 100,000 Schaden verursacht. Die Umstände des AerarS machten es nicht möglich, ihm wegen dieses Schadens einen Nachlaß am Pachtschilling zu bewilligen und der gerechten Klage des Pächters gegen die erwähnten Minister Gehör zu geben, gestattete die damalige Lage Europens nicht. Eine nach Ablauf des Contractes im Jahre 1748 in italienischer Sprache von Diego de Aguilar eigenhändig unterschriebene Eingabe liegt wegen Verlängerung deffel-