Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1854)
- Date
- 1854-12-25
- Page
- Seite 656 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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656 geworden sein avetz in Posen noch nicht. Denn sonst würde eine jüdische Gemeinde, wie Posen, wohl schon längst ihre „Realschule" und ihre „höhere Töchterschule" gehabt haben. —■ Wreschen gehört zu den wenigen Gemeinden deS Großherzogthums, in denen, in Bezug auf Gemeinde- und CultuS-Angelegenheiten, an das, was man „Fortschritt" nennt, noch gar nicht zu denken ist. Glücklicherweise hat Wreschen aber in dieser Hinsicht Nur wenig ebenbürtige Schwestern; vielmehr sind die meisten Gemeinden der Provinz schon von einem bessern Geiste beseelt und rücken, — wenn gleich langsam — doch immer weiter vorwärts. — In Miloslaw soll im nächsten Sommer der Bau des neuen Tempels vollendet werden, von welchem vor Allem zu wünschen, daß in ihn nur der alte Schlendrian nicht möchte mit htNeingenommen werden. — Neustadt a. d. W. ist eine Gemeinde, in welcher viel Wohlthätigkeit geübt wird. — Jaroo itt lechzt schon lange nach „dem Worte deS Herrn," thut aber Nichts dazu, um seinen Durst zu stillen, d. h. einen Prediger anzustellen. — Pleschen will Alles, was die Zeit fordert, mitmachen, nur keine eigene Gemeindeschule gründen, wodurch die zahlreiche jüdische Jugend noch immer gezwungen ist, in den christlichen Ortsschulen oder bei gewissen jüdischen Privatlehrern, die gerade gegen Rabbi Ladok'S vierte Lehre in Aboth IV. 5 handeln, sich Licht und Erkenntniß zu sammeln. — AuS O stro wo ist neulich mit dem größten Pathos in die Posener Zeitung referirt worden, daß unter den 18 Verschneiten, welche bei dem Unwetter am 14. d. M. durch den Bauer Brzyk in der Gegend von Adelnau vom Untergänge gerettet worden, fünf arme Juden sich befunden haben. Ein katholischer Christ polnischer Nationalität hat unter vielen Verunglückten zufälligerweise auch an einigen Juden Menschlichkeit geübt. Ist das ein Ereigniß, welches heut zu Tage — in der zweiten Hälfte des aufgeklärten Jahrhunderts — wirklich noch als etwas Unerhörtes, als ein Wunder durch das große Horn der Tagespresse muß auSposaunt werden? Wir haben'S weit gebracht! — In KrotoSzyn wird trotz der zahlreichen jüdischen Jugend die vierclassige Gemeindeschule doch nicht um eine fünfte Claffe vermehrt werden. — In Kobylin hat die auf den 15. d. M. angdsetzt gewesene feierliche Einweihung der muerbauten jüdischen Synagoge aus dem Grunde unterbleiben müssen, weil in Folge der kurz vorher gefallenen großen Schneemassen die Wege so schlecht geworden waren, daß die geladenem Gäste — unter denen auch der Rabbiner Tiktin aus BreSlau und der Cantor Grünwald (mit seinem Chor) aus Krotoszyn sich besinden sollten — nach dem Orte der Feier nicht reisen konnten. Doch „aufgeschoben ist nicht üufgeschoben." Frankreich. Paris, im December. Das l'vnivei-8 jsrselits enthält mit schwarzem Trauerrand einen Nekrolog der am 28. November zur Erde bestatteten Baronin von Rothschild. Am Tage der Beerdigung wurden 6000 Francs an die jüdischen, 8000 Francs an die christlichen Armen vertheilt, und 6000 Francs erhielt das Hospital. ES soll auf den Namen der Verstorbenen ein Waisenhaus gegründet werden. Spanien. Madrid, 9. December. In der heutigen Sitzung haben die CorteS die Inbetrachtziehung unserer Petition um Abschaffung der VerbannungSdecrete vom 31. März 1492 und deren Ueberweisung an eine betreffende Commission beschlossen. Wir können dies als ein günstiges Omen für die Erreichung unseres Zieles ansehen. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Geschichte Diego de Aguilar's. Von Ludw. Aug. Frankl in Wim. (Schluß aus Nr. 50.) Diego de Aguilar verließ bald darauf, Niemand wußte, warum? Wien und Oesterreich für immer. Es mochte, wenn auch die Gefahr von seinen Glaubensgenossen abgewettdet war, ihm doch unheimlich zu Muthe geworden