Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1854)
- Date
- 1854-12-25
- Page
- Seite 654 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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m setzung über die hiesigen Verhältnisse und Absichten. Ihnen, die Sie sich so vieler Mühewaltung für die heilige Sache unterziehen, so wie allen.Spendern und Beförderern den innigsten Dank! Mögen die Gemeinden und ihre Vorsteher -nicht ermüden , und der heiligen Stätte gedenken. Was nun aber die Schule betrifft, so eristirt hier nicht allein keine solche, was man in Europa Schule nennt, sondern es wird auch niemals gelingen, eine solche hier einzuführen. Dies hat auch wohl Herr Albert Cohn hinlänglich gefunden, und Ihr Correspondent aus Constantinopel hat wohl Recht, daß im Oriente selbst nichts dergleichen durchzusetzen. Aber eS eristirt auch hier in Jerusalem nicht einmal .eine Talmud-Thorah, und die Jugend bleibt ohne alle Unterweisung, wenigstens ohne alle regelmäßige in Schrift und Talmud. ES wäre ein großes Werk, eine tüchtige und wohlversorgte Talmud-Thorah für die gesammte Jugend aller hiesigen Gemeinden zu gründen und würde mit einer jährlichen Summe von 2500 Fl. Wohnung, Bücher und Lehrer zu beschaffen sein. Wir wünschen sehr, daß wenigstens dieser Gedanke ernst verfolgt würde, während die bis jetzt immer noch herrschende Zersplitterung nichts zu Wege bringt. Zum neuen Oberrabbiner ist hier Rabbi Chaim Nissim Mulafie erwählt worden, und zwar an demselben Tage, an welchem Jacub Pascha, Gouverneur von Jerusalem, gestorben war. In Hebron treibt Scheich Abderhaman wieder sein Wesen und es werden Schlachten auf Schlachten geliefert. Deutschland. Hamburg, im December. (Privatmitth.) Die von Sir Moses Montefiore und Oberrabbiner Dr. Adler in London angeregte Collecte für die jüdischen Armen in Jerusalem hat aus Australien nicht weniger als 7000 Pfund Sterling (45,000 Thlr.) empfangen. Es wird nun wichtig, die eingegangenen großen Summen zweckmäßig und als einen Keren Ksjemet zu verwalten, damit nicht die Jetztlebenden der Nachwelt blos eine abgefressene Weide hinterlaffen. Vor Kurzem kam mir ein aus Jerusalem vom jüngsten 16. g. datirtes in capitalem Hebräisch geschriebenes und . in der dortigen von dem Montefioreschen Ehepaar geschenkten Druckerei gedrucktes Circular in die Hände, welches Sie wohl auch längst empfangen haben (ja wohl!). Dasselbe beschreibt im Eingang die Maneuvres der dort befindlichen Mifstonairs, die in ihrem Hospital jüdische Kranke aufnehmen, und dann erlaubte und unerlaubte Versuche zur Bekehrung machen. Daß auch die angestellten Aerzte sich zu diesem Treiben hergeben sollten, scheint eine Uebertreibung; allein hat sich nicht der parti - pretre noch vor wenigen Jahren in Frankreich gegen Pro, testanten AehnlicheS erlaubt? und — sehen wir nicht anderswo, daß man jungen Männern vor das Ziel, dem sie ihre schönsten Jahre, ihre besten Kräfte gewidmet haben, eine Scheidungsmauer setzt und ihnen nur die Frage läßt: ob Brod oder ihren Glauben zu verlassen-warum sollte da nicht ein Misstonsarzt in Jerusalem ebenso mit den Medicamenten verfahren können? Wie gesagt, eS ist denkbar, aber doch durchaus nicht wahrscheinlich. Sollten die Christen im Orient denn gar nicht daran denken, daß in diesem Augenblick in der ganzen Welt für ihre religiöse Freiheit gekämpft wird, und daß in allen den kämpfenden Heeren auch Juden für ihre Sache bluten? *) Das Circular geht hierauf an die Aufzählung der Wohlthaten, die gegenwärtig in Jerusalem gestiftet worden, und welche in dieser Zeitung bernts geschildert sind. Dem Vernehmen nach ist eine Vereinigung der Pariser mit jenen Londoner Bestrebungen durch Herrn Albert Cohn versucht worden, und nicht gelungen. Natürlich, denn England läßt sich nicht so leicht verdrängen wie Deutschland, weil England Geld und Deutschland nur Worte hat. Wir können nicht umhin, zu bemerken, daß das Reisen von Juden aus den orientalischen Ländern auf die edle „Fechtkunst" jetzt wieder auf eine nicht zu billigende Weise zunimmt. Während man gegenwärtig in etwa sechs Monaten um die Welt reisen kann, braucht so ein Mann zu seiner Tour durch Deutschland u. s. w. drei, vier, fünf Jahre und mehr, ja ich kenne deren einen, der schon über zehn Jahre herumreist und in der Zeit bei 15,000 Thlr. erworben hat. Alles durch die Macht seiner Maskeradentracht, und so unvorsichtig als gutmüthig ertheilter Empfehlungen deutscher Rabbiner und angesehener Männer. Den orientali- *) Um Beantwortung dieser Frage brauchen wir nur die griechischen Christen zu fragen. Redact.