Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1854)
- Date
- 1854-12-25
- Page
- Seite 653 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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653 Menschen in der Entwickelung und Heiligung, die Unsterblichkeit der Seele. Es lehrt uns, daß Gott wie den Willen und das Bewußtsein, so auch die Liebe in ihrer Unbeschränktheit uns eingesenkt hat und darum die Liebe und ihre Bethätigung gegen alle Kreise und in allen Verhältnissen die höchste Aufgabe des Menschen sei. Dahin also will das Judenthum seinen Bekenner durch kräftige Erziehung, durch thatsächliche Uebung, durch Selbstbeherrschung und Mäßigkeit in allen sinnlichen Bedürfnissen und Genüssen nach Satzung und Gesetz führen. Dies demnach ist der Beruf des Judenthums gegen jeden seiner Bekenner, ihn ebenso zur höchsten Ausbildung seiner religiösen Erkenntniß wie seiner religiösen Empfindungen und seines religiösen Wandels zu führen, ihm Gott, die Welt und den Menschen in solchem Lichte zu zeigen, daß er sich allerdings abhängig von Gott fühlt, aber auch erhaben über das, was ihm Irdisches begegnen kann, und von einem großen Zwecke seines Daseins erfüllt. Diesem Letzteren in den Tagen des Glückes und der Kraft zu leben, in den Tagen des Mißgeschicks nicht untreu zu werden, stets aber dadurch sich zu verklären und zu beseligen, ist das Streben der Religion Israels in allen ihren Söhnen. Aber zu diesem Berufe für jeden Einzelnen ihrer Bekenner gesellt sich nun ein allgemeiner für die Gesamtheit des Menschengeschlechtes. So wie diese ganze „religiöse Idee" mit dem Volke Israel in die Welt trat, war es eine Erscheinung, die noch viel weniger als die Künste und Wissenschaften der Griechen für das betreffende Volk allein bestimmt sein konnte, sondern einen Beruf für alle Zeiten und alle Geschlechter der Menschen haben mußte. Dieser Beruf kann aber — in der strengsten logischen Schlußfolgerung gefaßt — kein anderer sein, als das immerfortige Lehren und die ewige Wahrung dieser religiösen Idee in ihrer Ganzheit und Reinheit. Wir wollen hier den weiten Weg, welchen die Religion Israels zu diesem Zwecke zurückgelegt hat, nicht verfolgen, wir wollen nicht Nachweisen, welche Elemente sie bereits in der Menschheit überwunden und welche noch nicht, wie weit sie die Menschenwelt durchdrungen und wie weit noch nicht, wir haben dies in den schärfsten Umrissen anderswo gethan*) — und die Beweise liegen vor uns, wohin wir blicken. Die heilige Schrift setzt das Ptincip der Entwickelung des Menschengeschlechtes von ihrem Beginn bis *) Siehe „Die Entwickelung der religiösen Idee." Leipzig, Baumgärtner, .1847. zu ihrem Ettde; die ersten eilf Kapitel des Pentateuchs, so wie das Messianifche Dogma geben den lebhaftesten. Ausdruck dafür. Dieser Entwickelung kräftigster Hebel sollte die Religion Israels sein. Und so ist es noch heute der Beruf des JudenthutUs, innerhalb der schärfsten Gegensätze, der mannichfaltigsten Formen, der fanatischsten Parteiungen den reinen Jehovismus zu lehren und aufrecht zu erhalten mitten durch die Kämpfe der Menschenwelt. Es war einst allgemeines und dichtes Dunkel. Die Sonne erhob sich zu glänzendem Morgenroth, das aber schnell wieder von düstern Wolken und schwerem Nebel verhüllt ward. Die Strahlen des Lichtes hörten nicht auf, diese Dämmerung zu bekämpfen. Es ward Heller. Aber wie weit ist es noch bis zur völligen Durchlichtung der Welt! Nein, der Nebelschleier des Morgens ist noch nicht zerrissen; selbst die Höhen der Berge sind noch nicht von vollem Lichte bestrahlt, um wie viel weniger die weiten Ebenen und tiefen Niederungen! ---- Warum wir dies zum Schlüsse des Jahrgangs Euch, theure Leser, vorgeführt haben? Außer andern Absichten, deuten wir nur auf den Leitartikel der vorigen Nummer hin. Wir haben noch immer viele Opfer zu tragen, so ist es nothwendig, uns immerfort klar zu machen, um was wir sie darbringen, und um welches Berufes willen wir uns und unsere Kinder dazu hingcben. Es ist seit lange eine Zeit, in welcher die innerste Ueberzeugung deS Menschen an Energie und Geltung viel verloren und hinter die äußeren Vortheile dieser Welt oft genug hintenan gesetzt wird: um so mehr thut es noth, diese Ueberzeugung in uns zu kräftigen und zur unbedingten Herrschaft zu bringen. Wir enden heute wie so oft: ptn „Nur sei stark und fest!" Zeitungsnachrichten. Palästina. Gaben für die Armen in Jerusalem. Durch den Herrn Religionslehrer Simon Levy in Friedeberg in der Neumark von der Gemeinde zuBerlinchen 8^/2 Thlr. Äon Herrn L. M. Israel in Stralsund 5 Thlr. Die Redaction. Jerusalem, 15. Marcheschwan. (PrivatMitth.) Mit Vergnügen las ich in Nr. 43 die AuSeinander-- 52*