Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1854)
- Date
- 1854-12-18
- Page
- Seite 648 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225877-3225929--14293-3243791- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
648 daß man seinem Anträge in Betreff seiner Wichtigkeit den Vorzug bei dieser Conferenz eingeräumt, so bitte er, es möchte ein Ausschuß ernannt werdendessen Vorlagen auch bei der nächsten Conferenz vor Allem zur Behandlung und Beschlußfassung kommen sollen. — Nach hierauf gepflogener DiScussion eignet sich die Conferenz den Antrag Stein's in folgender Fassung einstimmig an: .„Nachdem viele Gemeinden die Bessergestaltung des Cultus durch Abänderungen und Zusätze in mannichfaltiger Weise ängestrebt und dadurch selbst un- ter gleichgesinnten Gemeinden Trennung und Verschiedenheit eiugetreten ist, erklärt die Rabbiner-Conferenz, daß sie die hohe Wichtigkeit, ja Nothwendigkeit einer anzustrebenden möglichsten Einigung auf. dem Gebiet des Cultus anerkenne, und ernennt zu diesem Behufe einen Ausschuß, um der nächsten Conferenz darüber Bericht zu erstatten und die nöthigen Vorlagen zu unterbreiten." Auf Aub's Antrag wird sodann diesem Beschlüsse noch weiter hinzugefugt: V;W „Die Conferenz-macht es ihren Mitgliedern, insbesondere aber denen des Ausschusses zur Pflicht, sich innerhalb der bis zur nächsten Conferenz gebotenen Zeit mit den Vorstehern der betreffenden Gemeinden zur Förderung dieser wichtigen Angelegenheit in Verkehr zu setzen." Stein beantragt, dem zu ernennenden Ausschüsse ave einschlägigen Anträge in Betreff des öffentlichen Gottesdienstes zu überweisen — Rothschild fügt hinzu, auch diejenigen in Betreff deß häuslichen Cultus. Die Conferenz stimmt diesem Anträge bei. Präg er's Antrag in Betreff der Enchclopädie kommt zur Verhandlung. Der Antragsteller stellt, nachdem er die Bedeutung eines solchen Werks, namentlich für den rathlosen, angehenden Theologen, motivirte, folgendes Schema mit: I. Haupttheil — historische Theologie — Erfahren des Objectes. ' il. Haupttheil — speculätive Theologie — Erkennen des Objectes. , . III. Haupttheil — praktische TheÄlogie — Anwendung des ObjecteS. l'L I. Hauptth eil. Historische Theologie. 1. Theil biblisch-historisch. 2. Theil traditionell-historisch. 3. Theil eigentlich historisch. 1. Theil, biblisch-historisch: 1) historische Einleitung in die Bücher der heiligen Schrift; a) allgemeine, b) specieüe. 2) biblische Philologie, a) Geschichte der hebräischen Sprache, b) Sprachlehre, c) Lexikographie. 3) biblische Archäologie, ä) allgemeine — biblische Geographie — Naturkunde, b) bürgerliche Zustände, biblische Geschichte, biblische Statistik und biblische Sittengeschichte, e) religiöse Zustände, Geschichte der biblischen Wissenschaft, Literatur und Kunst. 4) biblische Eregese, Uebersetzungen und Kommentare. 2. Theil, traditionell-historisch: Einleitung, a) allgemeine, b) specielle. Eintheilung: A. Halacha. 1)'©cfen und Ursprung. 2) Verschiedenheit, a) rein biblisch pios, b) rein traditionell 73?2"bn, c) anlehnend an die Fabel NröEDN, d) traditionell ohne biblischen Ursprung e) Vorsicht negat. positiv..-,NÄ, f) Gebrauch 2^2)2. 3) Eintheilung, a) Mischna —. Geschichte, Ursprung, Eintheilung, Name rc., b) Gemara, jerusalemischer und babylonischer Ursprung, Eintheilung, Name rc., o) Boraitlia ebenso. B. Hagada mit denselben Unterabtheilungen. C. Kabbala ebenso. 3. Theil, eigentliche Historie. 1) Geschichte des israelitischen Volkslebens bis auf. unsere Zeit. 2) Geschichte der jüdischen Lehre. 3) Geschichte des jüdischen Gottesdienstes, CultuS-Liturgie. 4) Geschichte der jüdischen Sitten, Wissenschaften, Cultur-Literatur. II. Haupttheil. Spekulative Theologie.' 1) Liturgik, .2) Homiletik, 3) Katechetik, 4) .Pastorallehre. Nach hierüber gepflogener Discusfion, in welcher Rothschild vorerst die Ausarbeitung der dazu größeren oder kleineren Monographien anempfiehlt. Formstecher die Nothwendigkeit hervorhebt, vorerst den Standpunkt' festzustellen, von welchem aus zu arbeiten sei, eine Ansicht, die von Aub bestritten wird, — erkennt die Conferenz den Gegenstand in seiner ganzen Wichtigkeit und Bedeutung an, hält ihn aber für zu umfassend und zu wenig vorbereitet, um schon jetzt darauf einzugehen. —