Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1854)
- Date
- 1854-12-11
- Page
- Seite 635 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Stockwerke: übereinander, und; darüber, die mächtige Kuppel mit dem spitzen Thurme, ein Werk Mansards , imponirt und erfreut, ohne den .Charakter des Großartigen zu haben. Du trittst ein. Jetzt erst siehst Du, daß der Dom eigentlich aus zwei Kirchen besteht,- die zwar. Zusammenstößen, aber durch eine Arkade eben so verbunden, wie getrennt.sind; die eine größere ist zum Gottesdienst bestimmt,. --dieÄtifere zum Monument der größten Helden, Du trittst ein, und befindest .Dich in einer hohen, , erhabenen Rotunde voll sanften, blauen Duftes, im Hintergründe aber durch den. hellsten, blendendsten Gold glanz geschlossert! Dieser, blaue Dust strömt durch die Säulen xin, durch welche Du rechts und links in eine Seitenrotunde eintrittst) Alles von weißem Marmor, . Diese Sei? tenxotunden haben. Fenster mit Glas, .welches weiß und himmelblau gefärbt ist,. so, daß alles Licht lichtblau hindurch und in die Rotunden hineinfirömt. In der einen S§iten.rotunde ist das Grab V a u b a,n' s mit pyramidenförmigem Hautrelief von schwarzem Marmor und der Statue des großen. FestnngSerbauers von weißem Marmor; in der andern das Grab Turenne's. In der Hauptrotunde trittst Du . an den Rand wie eines Bassins, Du schaust hinunter und siehst in der Tiefe — aber nicht allzutief —- einen großen braun-röthlichen Marmorsarkophag: da drinnen liegen die Reste Napoleon's!... Au beiden Seiten des Bassins gehst Du Marmortreppen hinunter, und trittst, in einen Vorraum — da sind rechts und links asm; schwarzem Marmor die Grabmonumente Duroc' s undVertrand's. Du stehst am Eingang zum Grabesraum Napoleon's; über der ägyptischen Thüre stehen als-Inschrift die Worte seines Testaments: de desire rc. Gein. Wunsch ist in Erfüllung gegangen, er ruht am Ufe-r der Seine, im Herzen des Volkes, „das er so sehr -liebte," noch mehr — unter dem Scepter seines Neffen! 2ln -der Thüre stehen zwei kolossale Bewaffnete in Brvnce, de; Esne. mit. Reichsapfel und Schwert, der Andre mit Krone stnd Scepter. Und woher im Hintergründe der ^okdglanz? Hinter diesem Niedergang erhebt sich in der Höhe ein Altar mit kolossalem Crucifix, und darüber ein mächtiger Baldachin; derselbe ruht auf vier gewundenen schwarzen. Marmorsäulen, die Capitäler und der Baldachin, dessen Spitze eine Krone, sind auf's Stärkste vergoldet., darüber Fenster von goldgefärbtem Glase, nun strömt ■< das Sonnenlicht golden durch diese Fenster und bricht-sich,-.an. dem kolossalen vergoldeten Baldachin, der Krone; Pen Capitälern, Davon dieses magische Licht —- vorn ,in.^er.Rotunde.All^s süßer, .blauer Duft, hinten Alles blendender Goldglanz!,. ,7 Hinreißend schön — aber nicht erhebend, nicht, tief ergreifend, zu viel Dekoration — zu wenig wahre, tiefe und lautere Empfindung ,., Sind doch nicht einmal die Verhältnisse unten am Grabe großartig, sondern, fast gedrückt... nirgends dir Schauer der Andacht, die furchtbare Majestät der.Todesschattew!,; t Versetzen wir uns aus der Tiefe hes Jnvalidendoms auf die Höhe, des .Berges von pfere Lacliaise> bom südwestlichen nach dem nordöstlichen Winkel von. Paris, von dem. Grabmal des Einen Helden mit seinen Getreuen ,zu dem großen Gräberfelde der. großen Masse.- Ich kann hier keine Beschreibung geben, denn weder ist dies der Ort, noch habe ich genug Kenntniß erlangten den wenigen Stunden „ die ich daselbst mit. einem Freunde verbrachte. Aber, man kannl es sich wohl denken, welche-Unmasse von Gräbern, .sich hier befinden, da;es der wichtigste Kirchhof von Paris ist, welche Unmasse von, meist sehr theuern Grabmonumenten sich hier befinden, da es Her Rendez-vous der wohlhabenden Pariser Todten ist, welche ein Grab ä perpetuite, d. h. auf immer, bezahlen können. Die Stadt verkauft nämlich eine Grabstelle auf immer, oder auf sechs Jahre, oder! — mit dem Recht, sobald das Feld voll ist, die Gräber zuschütten, planiren und von Neuem benutzen zu können. Letztere sind natürlich die ungeheure Mehrzahl. — Der Kirchhof pfcne Lachaise liegt auf dem bergigen Terrain, welches die Vorstadt 8t. Antoine beherrscht, Man steigt langsam hinauf, .und findet nun dort , theils schattige Laubgänge mit gepflasterten Straßen, theils. bergauf, b ergabWälder von Monumenten. Was nur in Wissenschaft und Kunst, in Militair. und Civil, an der Börse und im Gewerbe im letzten halben Jahrhundert in Paris gestorben ist, .hat hier, seinen Platz, und sein mehr oder minder kostbares Denkmal gefunden'. Es versteht sich von selbst, daß, wenn schon hinsichtlich der Plätze durchaus kein Plan und keine Ordnung ftattfindet, die Denkmäler erst recht von den mannichfaltigsten Formen sind. Da findet man Phrarniden, welche in den Himmel steigen, Gebäude, von Marmor mit dem größten Reichthum an plastischen Werken, wie das Grabmal der Gräfin Demidoff, neben dem. ein? fachsten Denkstein, wie der Börne's, nur ausgezeichnet durch die Büste-, des deutschen Schriftstellers, / da insonders die großen Monumente der Marschälle und Generäle Napoleon's. Aber — offen gestanden — wir fanden wenige, sehr wenige, die uns Interesse" abgewannen, abgesehen von-den Todten, die. darunter ruhen, sehr wenige Kunstwerke, ...welche von tieferer Auffassung,^.orig.i- 50 **