Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1854)
- Date
- 1854-12-11
- Page
- Seite 634 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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634 i | Sein Auftrag lautet: Nur mit den kürzesten Rasten von Constantinopel nach Wien zu reiten und nicht früher vom Pferde zu.steigen, bis er den Großherrlichen Brief der erhabenen Monarchin von Oesterreich persönlich überreicht hat. Wir sehen, er nimmt den Befehl wörtlich. Vor der Kaiserin, die den über das Maß hohen, seltsam gekleideten Mann staunend beobachtet, fällt dieser ihr zu Füßen, küßt den Saum ihres Kleides, dann erhebt er sich und legt die rechte Hand an die Stirne, an die Brust und an den Mund, und überreicht, tief sich nieder neigend, den Brief, der aus dem Brustlätze hervorschaut. Die Kaiserin erbricht ihn, sie liest und unterbricht sich und sieht rasch nach der andern Seite nach der Tugra, d. i. nach der Unterschrift des SultanS; sie ist eS — sie lieft weiter und traut ihren Augen kaum, sie liest den Brief noch einmal. Der Großherr schreibt: „Ich höre, daß Du die Juden aus Deinen weiten Staaten verbannen willst. Dem Gebote meines Propheten ist eS nicht entgegen, daß sie in meinen Reichen leben. Sende mir Alle ihres Geistes und ihrer Reichthümer willen. Die arm und hülflos sind, denen soll aus meinem Schatze daS Reisegeld angewiesen werden." Ein in ihrem geheimsten Rathe gefaßter Entschluß war also verrathen, noch lange vor der beabsichtigten Ausführung in Constantinopel bekannt. Es ergriff sie ein heftiger Zorn, sie griff nach der Glocke, die auf ihrem Arbeitstische stand, sie läutete aber, als ob sie sich anders entschlossen hätte, nicht, und winkte nur dem Boten, es ist der Jude Coronet auS Constantinopel, mit entlassender Handbewegung. Dann läutete sie und befahl dem eintretenden Kammerherrn: „Uebergebe ihm den Gesandten, sorgen dafür, daß nach seinen Speisegesetzen bewirthet werde, ihn bei Baron Aguilar einlogiren, dann malen lassen zu Pferd in seiner Tracht." Die Kaiserin läutete wieder, ein zweiter Kammerherr trat ein: „Ruf' er unverzögert meinen geheimen Rath zusammen." (Schluß folgt.) Correspondenjen. Pariser Skizzen. XL Magdeburg, im October. „Bewunderungswürdig," sagte ich ... allerdings, in der ^Feinheit, . Eleganz, in der Befriedigung eines, delikaten Geschmacks — aber erhebend, überwältigend, die Natur des Menschen nuf den Gipfelpunkt'der Sympathie erhebend zu wirken — nein! das verstehen di,e Franzosen nicht. Wollen Sie dies Hervorbringen,; so. gehen sie fehl — ihr Ziel ist stets, liebenswürdig zu sein, aber auch nicht um ein Haar weiter. Das drängte sich mir ganz besonders auf, als .ich die Stätten der Todten besuchte... den Kirchhof des x.Lre Lachaise und — dqs Grabmonument Napoleon's im Dom der Invaliden... Beginnen wir mit idem Letztem. Es ist ein weiter Weg nach dem Sütel des Invalid des. Man geht vom plave de la Loneorde links über die Brücke, an der Odawbre des Depules hin, auf dem Quai d’Orsay, und kommt an die Esplanade des Invalides; man geht diese weit hinunter, und steht dann vpr dem Jnvalidenhotel; man überschreitet die Zugbrücke, passirt daS äußere Portal, und hat dann schon das ganze Gewühl um und vor sich; Invaliden in langen blauen - Tuchröcken mit bleiernen Knöpfen, sehr reinlich gekleidet, fast alle verstümmelt und benarbt, der Eine mit einem Arm, der Andre mit einem Fuß, der Dritte mit keinem Fuß, im Wägelchen, sie gehen, stehen, sitzen da, weithin die Reihen eroberter Kanonen, die sie selbst noch zur Feier öffentlicher Feste bedienen, so wie sie mit gezogenem Säbel Wache stehen. Das Gebäude dehnt sich in einem ungeheuren Viereck aus; man durchschreitet das Vordergebaude, und befindet sich im Oour d’honneur, ttw Ludwig XIV. in der Mitte, Napoleon über dem Portal der Hinterfronte steht. Der ganze Hof ist regelmäßig von Gebäuden mit Säulenhallen umgeben, überall militairische Ordnung und Reinlichkeit, Hierarchie und Gehorsam. Man tritt in den Dom ein, er ist groß, hoch, doch nichts Außerordentliches, aber ringsum an den Säulen in der Höhe die mannichfaltigsten Gruppen von Fahnen, eroberten Fahnen, Siegestrophäen... und im Hintergründe über dem Altar ein Goldglanz, dem Du aber wegen der Barrieren nicht nahen kannst. Du frägst einen der wandelnden Invaliden, wo und wie Du zum Grabe Napoleon's kommen könnest? Er weist Dich hinaus. — man muß um das ganze Hotel, und von der Rückseite eintreten. DaS ist fast eine halbe Stunde zu gehen! So nahe, und nun erst noch ein so weiter Gang! Was hilft's?... Also hinaus, die Fronte hinab, daS öoulevat-ä des Invalides Hinunter, rechtsum in die Avenue de Tourville — jetzt erst stehst Du vor der Fronte der sogenannten Kirche des Doms der Invaliden, die, zwei i