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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-12-11 · Heft 50 (11.12.1854) · p. Seite 629

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 50 (11.12.1854)
Date
1854-12-11
Page
Seite 629 (sequence 5)
Language
German
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629 Capital der Gesellschaft ist bereits auf 19,425 Thlr. gewachsen. Außerdem daß zwei Eleven auf einem landwirthschaftlichen Institute zu ihrer Ausbildung unterhalten wurden, hatte die Gesellschaft am Anfänge des Monats October d. I. im Ganzen 38 Lehrburschen unter ihrer Aufsicht, und wurden dieselben zur Erlernung von verschiedenen Handwerken, als Schmiede, Schuhmacher, Drechsler, Uhrmacher u. s. w. unterstützt. Die Theilnahme an dem Unternehmen ist in dem letzten Jahre sehr erfreulich gestiegen, wovon namentlich auch die zahlreich besuchte Versammlung, so wie in derselben gestellte Anträge zur weiteren Ausbreitung des Instituts zeugten. Oesterreichischer Kaiserstaat. Brünn, 30. November. (Privatmitth.) Wie wenig ist der Mensch geneigt, sich zufrieden zu stellen. Welche Hoffnungen knüpften wir nicht an den Bau eines neuen Tempels. Nun stehet er da und wie Vieles ist noch zu wünschen übrig. Vor Allem ein Prediger! Seit Jahr und Tag werden Verbindungen mit so mannichfachen Persönlichkeiten angeknüpft; aber bis jetzt hat sich noch nichts realisirt. ES ist auch allerdings sehr schwer, daß sich eine Persönlichkeit finde, die all den Anforderungen entsprechen könnte. Es soll das ein Mann sein, wie sich von selbst versteht, von durchgreifender Bildung mit eminentem Rednertalente, dazu aber soll er nicht weniger als sein, der auch ein tapferer Fechter auf dem Gebiete des Pilpuls ist. Man wünscht nämlich hier, daß künftighin der Sitz deS mährischen LandesrabbinateS hier sein soll, und da wäre auch allerdings tiefes talmudisches Wissen nöthwendig. Scheint doch das größtenteils dazu beigetragen zu haben, Herrn Hirsch die Stelle in Nicolsburg zu verleiden. Aber woher einen solchen Mann nehmen? Diejenigen, die in Ruf und Ruhm stehen und als solche Capacitaten gelten, die sind bereits in Amt und Würde, wie es ihnen angemessen ist; imd unter denen, die zu Hoffnungen berechtigen, ist die Wahl schwer. Byron sagte freilich von sich: „Ich stand eines Morgens auf und war Byron;" aber solche Persönlichkeiten wachsen nicht auf den Bäumen. Nun giebt es allerdings in dem großen Kaiserstaate Oesterreich tüchtige Männer; aber wie das gewöhnlich geht, bei den Einheimischen kennt man alle Fehler und Mangel, selbst diejenigen, die noch aus der Jugendzeit herüberragen und man will daher die „bekannten Uebel" fliehen. Wir haben nur den Wunsch, eS möge bald der Mann bestellt sein, der es versteht, die junge Gemeinde zu leiten und zu führen, daß sie erstarke. Auch in Pesth muß die Predigerfrage bald gelöst werden. Es wird da ein Tempel mit der größten Pracht ausgeführt. Der Kostenveranschlag beläuft sich auf 350,000 Fl. Der Architekt, Herr Förster, behauptet, daß er großartiger als der Salomonische Tempel sein wird. Dann wird wohl auch Wien daran gehen müssen, diese Frage zu lösen. Wien, I.December. (Privatmitth.) Herr Josef Mrtheimer erhielt von Sr. Majestät dem Kaiser die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft. So sehr es mich freut, Ihnen dieses Factum mittheilen zu können, da daraus hervorgeht, daß das Verdienst des Herrn Wertheimer denn doch anerkannt wurde, so glaube ich, daß diese Auszeichnung nur für die literarische Thätigkeit gilt. Ich nenne nur sein Lustspiel aus dem Spanischen: „Der Bucklige;" die Juden in Oesterreich, sein Werk über Kleinkinderbewahranstalten, und in neuester Zeit die Herausgabe des Kalenders. Ich habe Ihnen hier nur das Wichtigere berührt. Ueber dies hat derselbe mannichfache Aufsätze von nachhaltiger Bedeutung, so wie auch Dichtungen zerstreut erscheinen lassen und giebt derselbe seit 1848 eine Zeitschrift zunächst für kaufmännische Interessen heraus, die in der gesammten Journalistik Anerkennung gefunden. — Die Auszeichnung für sein Wirken in der hiesigen Stadt dürfte hoffentlich bald Nachfolgen. Der Neubau des Tempels hat sich wieder um etwas verzögert. Bei der amtlichen Commission, die jüngst gehalten wurde, hat ein Beamter geltend gemacht, daß die Front nicht nach Außen fein darf, und berief sich dabei auf ein Gesetz. Man wies denselben auf Brünn und Pesth, doch eS nützte nichts. Der Vorstand war genöthigt, auf'S Neue bei den Behörden darum zu petitioniren, und wie ich Ihnen mittheilen kann, theilen die Behörden nicht das Bedenken des einzelnen Beamten und die Fronte wird nach Außen sein.

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