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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-12-11 · Heft 50 (11.12.1854) · p. Seite 628

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 50 (11.12.1854)
Date
1854-12-11
Page
Seite 628 (sequence 4)
Language
German
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628 Talmudvereins (Schaß-Chebra), und die des Vereins zur Beförderung deS Ackerbaues und der Gewerbe unter den Juden. Der Talmudverein, erst vor kurzer Zeit gegründet, stattete im Englischen Haufe Bericht über Lage und Wirksamkeit ab, und eS producirten sich 8 Knaben, die unter Leitung des gelehrten Herrn I. Br leger stehen, mit ihren Fortschritten im Talmud; der andere Verein, unter Leitung des Geheimen CommerzienratheS Alexander Mendelsohn stehend, und schon längere Zeit segensreich wirkend, wies nach, wie viele Lehrlinge, Ausgelernte und Meister Gegenstände seiner Fürsorge waren. Der erstere Verein hat also 25*™, der zweite zum Zweck, der erstere richtet, seinen Standpunkt jenseits deS Verhältnisses zum praktischen Leben auf, der zweite gerade in der Mitte desselben. Eine Schaß-Chebra mit 8 Talmudknaben im Englischen Hause ist neu, und der Reiz dieser Neuheit dürfte auch der Frage einige Würze leihen: Was denn den 8 talmudischen Wunderkindern für gesellschaftliche Zukunft vom Vereine zugedacht wird? Wir sind nichhmehr preußische Juden, sondern jüdische Preußen, und haben wir auch noch nicht bürgerliche Gleichstellung, so haben wir doch die Mittel und Pflichten, unsre Ansprüche darauf stets ^in Bereitschaft zu halten; ist aber das Talmudstudium von Kindesbeinen an das Mittel für den künftigen Mann, seinen Anspruch auf eine bürgerliche Stellung geltend zu machen? Bei den total veränderten Verhältnissen des jüdischen Lebens ist das Studium des Talmud für Kinder, selbst wenn sie zu Rabbinen erzogen werden, nicht bloS unpraktisch, sondern eine Ungerechtigkeit, und eS ist selbst für den künftigen jüdischen Theologen nützlicher, erst im reifem Jünglingsalter bei felbstftandigerm Urtheile und nach erworbener Kenntniß grammatischer Gesetze mit Methode dieses Studium zu eröffnen. hat spät sein Studium begonnen, und ist der größte Rabbine geworden; rr-DN p begann von der Wiege aus, und man weiß, was er geworden! Und studirt denn ein christliches Knäblein Corpus juris, Hippokrates, oder Plato, selbst wenn es schon für Jurisprudenz, Medicin, Philosophie oder Philologie bestimmt ist? Die Schaustellung der dressieren Knaben im Englischen Hause und die lächerliche Beschreibung in den öffentlichen Blättern wird freilich die volle Gunst der KreuzzeitungS-Partei erworben haben: „Ihr seid brave Juden!" sagt sie, „Ihr lasset Eure Kinder nicht Dinge lernen, welche „„creatürlichen Menschen" " nicht ziemen und mit welchen die Erwachsenen uns gute Christen einst,behelligen, lasset die lieben Kleinen tüchtig und ausschließlich im Talmud wachsen und gedeihen, und haltet sie hübsch fern'von jenem Umsturz-Verein zur Beförderung deS Ackerbaues, denn Eure Aecker sollen künftig im Ghetto liegen!" — Die Bestätigung deS neuen Vorstandes ist endlich erfolgt, und daS königliche Polizeipräsidium hat mit seinem Bescheide zugleich die Aufforderung an den gefallenen Vorstand erlassen, binnen vierzehn-Tagen die Schlüssel auszuliefern, so daß gerade zu nvwn das nicht geeignete Brennöl entfernt wird und die ganze Gemeinde Israel ihr noch bedeutsamer anstimmen kann. Herr A. H. Hey mann hatte Anfangs großen Kummer, auS dem lieben Regierungsgebäude heraus zu müssen, und er seufzte mit Egmont: „Süßes moi-iö, schöne, freundliche Gewohnheit deS.... von Dir soll ich scheiden?!" Aber hehre Geister finden bald Trost und Seelenruhe in der Ausübung frischer Tugenden, und der jetzt zum lauten Durchbruch gekommene Patriotismus des wieder jung gewordenen Aeltesten wird die Entfernung von der Juden-, Polen- und Franzosenschaft nicht bloS vergessen mächensondern auch versüßen. Mete virtute (oder heißt eS macta virlutem?)! F. Lt. ' Berlin, im December. Aus den von unö vor einiger Zeit gegebenen statistischen Bemerkungen über die Verhältnisse der hiesigen jüdischen Einwohner ging genugsam hervor, daß die Ausbreitung deS Handwerks unter denselben namentlich in den letzten Jahren nicht unbedeutende Fortschritte gemacht habe. Große Verdienste um diese Fortschritte hat unstreitig die hier seit einer Reihe von Jahren bestehende Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und deS Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate. Dieselbe hielt am Mittwoch Abend um 6 Uhr ihre diesjährige Generalversammlung unter dem Vorsitze des Geh. Eommerzienrath Mendelsohn und wir lheilen über die Wirksamkeit derselben im verflossenen Jahre in Kürze Folgendes mit. Die Gesellschaft hatte mit dem Bestände von 702 Thaler vom Jahre 1853 eine Einnahme von 3505 Thlr. und eine Ausgabe von 3366 Thlr. gehabt, so daß in der Casse noch die Summe von l 39 Thlr. verblieb. Das Grund-

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