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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-12-04 · Heft 49 (4.12.1854) · p. Seite 621

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 49 (4.12.1854)
Date
1854-12-04
Page
Seite 621 (sequence 11)
Language
German
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621 gäbe eines jener Lobredner, die den Siegeslauf eines Trajan verherrlichten; nur mit dem Unterschiede, daß dort das Lob eines Lebenden irdischen Lohn winkte, während hier der Stoff eines herrlichen Lebens höheren Lohn verheißt. Die stolze Höhe des Thrones ließ ihre Tugenden nur in schöneres Licht treten, und während sonst der Glanz irdischer Größe so oft jedes Schöne erstickt und Stolz und Eitelkeit der Tugend die Geltung versagen, lieh ihr edles Herz der Krone neue Reize. Doch solchen Tugenden war erst die Palme der Entsagung Vorbehalten. Sie bezwang die Sehnsucht des Mutterherzens und sagte dem geliebten Sohne Lebewohl, auf daß er Hellas' schwankende Krone trage. Sie stieg an der Seite ihres Gemahls die Stufen des Thrones hernieder, gelassen und ruhig, wie es ihrer würdig war, und auch dann noch eine Königin, nicht blos durch Titel und Rang. Unter den Stürmen einer wilden Zeit sah sie ihren Erstgeborenen mit dem Purpur bekleiden und mit starker Hand das Scepter des Rechtes handhaben. So hat sie das Höchste in Freude und Leid erfahren und ist bestanden; so fand sie der Todesengel und reihte sie unter die Opfer jener Seuche, die seit Monaten den Aufenthalt in der Hauptstadt zum Schrecken macht, um mit einem königlichen Namen sein schwarzes Register gleichsam abzuschließen. Nur wenige ihrer königlichen Kinder umstanden ihr Sterbebett; denen in der Ferne die traurige Kunde ward, die mögen mit TacituS klagen: kaueiolibus tarnen laerimis eompvsila es, et no- -vissiraa in luce desideravere aliquid oculi lui. (Agricola 45.) „Aber noch mehr Thränen hätten bei Deiner Bestattung fließen sollen, und beim Scheiden vom Lichte haben suchend umhergeblickt Deine Augen." Kein Wunder, daß dem Hintritte der edelsten und gütigsten Fürstin aus allen Theilen des Landes das aufrichtige Lob und die tiefe Klage folgt. Wenn sonst am Grabe der Fürsten und der Mächtigen der Erde der verhaltene Zorn und Unwille für lange Heuchelei und Verstellung sich oft durch grausame Wahrheit oder demüthigendes Schweigen entschädigt, so ward hier Lob zur Pflicht und Schweigen zur Sünde. Und so geschah es, daß eine ungewohnte Abendstunde uns am 9. dieses in den Räumen des Gotteshauses versammelte, um das Andenken der trefflichen Königin Therese durch religiöse Feier zu verklären. Die Synagoge im Glanze der Ächter, mit schwarzem Sammet verhängt, machte einen hehren Eindruck auf die zahlreiche Versammlung aller Conftsstonen. Programme mir der Urschrift und Uebersetzung der Gesänge und Gebete waren in den Händen der Anwesenden. Nach dem Gebete pn!n piNL und zwei einleitenden Gesängen bestieg Herr Rabbiner Aub die Kanzel, um das Lob der verblichenen Fürstin zu feiern. Seine Betrachtung lehnte sich an die Worte des Buches Ruth 3, 11: nrr V»n nw» rs hyurbs ym „es weiß das ganze Thor meines Volkes, daß Du eine Biederfrau bist." Diese Biederkeit, wie sie sich in Gottesfurcht und Herzensgüte bewährte, führte die Rede in gelungener Haltung und Sprache, mit einem Reichthum an schönen Gedanken und glücklich angewandten Schriftstellen durch. Herrn Aub's Reden leiden fast nur an einem Fehler, aber an einem liebenswürdigen Fehler: sie sind zu reich ausgcstattct mit dem Schatze der trefflichsten Auslegung von Schriftstellen. Mag meine Anerkennung immerhin unmaßgebend sein, weil ich noch ein Schüler und weil ich sein Schüler bin und ihn als meinen Lehrer hoch verehre: warum sollte ich verschweigen, was mich selbst wahr dünkt? \ — Herr Aub hat gezeigt, daß er ein Redner ist; und hat ihm Polyhymnia auch nicht die Gabe des Vortrages und der Rednergeberden verliehen, so hat sie dafür seinen Griffel geschärft. Schade nur, daß der profane Tadel, der von der Oberfläche schöpft, ihn abhält, öfters das Wort Gottes zu verkünden. Einen Glanzpunkt seines Vortrages aber bildeten jene Stellen, wo er der edlen Königin Bayerns die Palme der ewigen Seligkeit ertheilt und sie die höchste Stufe des jenseitigen Lebens gewinnen läßt. „So sicherte sie sich unter uns ihre irdische Unsterblichkeit — und die himmlische bei und vor Gott," wie der Psalmift sagt (84, 8): b^n bs b^tm i^b' qrsfca v^nbrr brr „die da wollen von Kraft zu Kraft, erscheinen vor Gott in Zion, im himmlischen Zion!" Also sprach ein Priester jenes Volkes, daö man feit Jahrtausenden als das unverbesserlichste, hartnäckigste, christenfeindlichste und ausschließlichste zu verdammen nicht ermüdet. So spricht ein Glaube, dessen Satzungen man als veraltet, dessen Sendung man als vollendet bezeichnet. Auf die Predigt folgten Gesang, zwei Schlußgebete und das Kadisch, worauf die Versammlung aller Bekenntnisse mit dem priesterlichen Segen entlassen wurde. Die Com- Position der Gesänge gehört dem Cantor, Herrn Löwensiamm, an und bildet einen schönen Beitrag zu dem Wirken deS trefflichen und talentvollen Mannes. Billig sei auch der Verdienste des Herrn Kellermann, Mitgliedes der königlichen Oper, erwähnt, der mit gewohnter. Rou- 49**

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