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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-12-04 · Heft 49 (4.12.1854) · p. Seite 620

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 49 (4.12.1854)
Date
1854-12-04
Page
Seite 620 (sequence 10)
Language
German
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620 Rubrik eröffnet sich: „Vermischtes," kleine Artikel enthaltend. Hierauf „Der Min. Geschichte von Leopold Kompert," eine wahre Perle der jüdischen Belletristik, ein durch und durch eben so liebliches wie kräftiges Bild aus dem jüdischen Leben, wahre Gemächlichkeit ohne Sentimentalität und Grimassen. — Endlich: „Dichtungen," nämlich: „Blüthen. Von Dr. QJ. Geiger," eine Sammlung aus dem Hebräischen übersetzter Gedichte, zum Theil mit Glück übertragen. Hierauf noch eine Reihe Originalgedichte, von verschiedenem, einige von entschiedenem Werthe. — Außerdem bildet die hebräische Biographie Krochmal's von vr. M. LetteriS eine höchst werthvolle Beigabe. — Diese Aufzählung des Inhalts muß dem Leser erweisen, daß unsre gute Meinung von dem Unternehmen sich in der That bewährt hat, .daß wir hier ein Jahrbuch vorliegen haben, wie in ihrer Art andre Confesstonen sich nur wünschen könnten. Der Herausgeber hat es verstanden, Zeitgemäßes zu geben, wie es einer Zeitschrift geziemt, in welchem aber überall das Bleibende und lange noch Schätzbare überwiegt. Würden wir einen Wunsch noch übrig haben, so wäre es der, daß, da die meisten dieser Aufsätze zeichnen, doch in zukünftige Jahrgänge auch ein Mehreres ausgenommen würde, was malt, d. h. wo der kältere Ton der Kreide in den warmen Ton der Farbe, sogar in ein glühendes Colorit übergehe; die Freude, der Enthusiasmus für die Religion und Mission Israels muß zur Sprache kommen, und die Lehre Israels muß ihren Platz finden auch in einigen dogmatischen Arbeiten, wir meinen jedoch, versteht sich, weder Predigt, noch steife Dogmatik. Da wir bereits wissen, daß das Werk bedeutenden Absatz gefunden, und die Fortsetzung sicher ist, so brauchen wir hierfür keinen Wunsch auszusprechen. Es versteht sich, daß, wenn auch das Jahr 5615 seinen Anfang genommen, damit die Empfehlung dieses „Jahrbuches" volle Geltung behält. Correspond enzen. München, im November. Ein Trauergottesdienst in der Münchener Synagoge. Es war am 30. October, als ein Trauerzug mit königlichem Gepränge unter dem Donner der Kanonen und dem Geläute aller Glocken die Straßen der Hauptstadt durchwallte, um das Haupt einer gekrönten Frau dem Schoße der Fürstengruft zu weihen. Nicht die Pracht des vornehmen Gefolges, nicht der endlose Zug geschmückter Diener, nicht der letzte Tribut, womit der irdische Glanz ihren letzten Weg verherrlicht hatte, war es, der meine Blicke fesselte. Sie folgten dem Sarge, der sich über einer der Gefeiertesten der Sterblichen geschlossen. Hier lag ja die Tochter einer langen Ahnenreihe von Fürsten aus einem der ältesten und berühmtesten Fürstengeschlechter, das manchen Cäsaren für den römisch-deutschen Kaiserthron geboren. — Gattin eines Königs, Mutter zweier Könige, mit Königen verschwägert, würde selbst der Unkenruf jenes griechischen Weisen sie glücklich preisen, der kein vollkommenes Glück vor dem Tode gelten ließ. Denn sie stand auf der höchsten Stelle, wo sterbliche Menschen zu stehen berufen werden; und von der Höhe des Thrones winkte ihr der Gott hinüber. Eine blühende Jungfrau ward sie schon einem Könige angetraut; in einem Alter, wo ihre Mitschwestern mit Putz und Tand sich vergnügen, war sie die Hoffnung einer Nation. Während sonst die Kraft des Geistes, die Sehnsucht des Herzens sich aufteibt, das Kleinliche zu erringen, und der stärkste Wille Halt macht an einem bescheidenen Ziele, blieb ihr Kraft und Zeit unbenommen für erhabenere Bestrebungen. — Ja, wenn der Glanz des Lebens darin besteht, durch Kämpfe und Leiden sich mit Sieg zu krönen; auch dann muß man sie glücklich preisen. Denn nicht unbewegt vom Sturm der wechselnden Geschicke war ihr königlicher Laus. An der Seite ihres fürstlichen Gatten betrat sie ein neues Vaterland, zu einer Zeit, da die Herrschaft der Fremden wie Zorn Gottes über ganz Deutschland lag, da fremde Krieger ihre Rosse im Strom der Donau tränkten. Sie schaute den Tag der Befreiung, und der Oelzweig des Friedens bedeckte den blutigen Lorbeer der Schlachten. So stieg sie an der Hand ihres königlichen Gatten die goldenen Stufen des Thrones hinan, um die Mutter eines Volkes zu werden, das sie als Fremde erkoren. Wie herrlich sie ihren erhabenen Beruf erfüllt, wie sie Muster und Vorbild den Frauen, den Müttern und Töchtern ihrer Nation geworden; wie sie nicht nur durch Würde und Krone die Erste war, sondern in jeder Tugend es zu sein strebte; wie sie ohne den Prunk der Oeffentlichkeit still und emsig den Samen des Guten säete und, ein Engel des Trostes, in die Hütten der Armuth trat; — diese harmonische Kette eines reichen Lebens herzustellen, wäre die würdige Auf-

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