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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-12-04 · Heft 49 (4.12.1854) · p. Seite 619

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 49 (4.12.1854)
Date
1854-12-04
Page
Seite 619 (sequence 9)
Language
German
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619 wir eine Schuld, die wir freiwillig eingegangen (Nr. 31), von dem „Wiener Jahrbuch" einen detaillirten Bericht zu geben, bis jetzt zu zahlen gewartet haben, nämlich weil wir die anderen jüdischen Kalender auf 5615 von Klein, Liebmann u. s. f. erwarteten — aber sie sind bis heute nicht zu uns gelangt, und so beschränken wir uns auf „das Jahrbuch für Israeliten, herausgegeben von Joseph Wertheim er. Wien, 1854." — Den Reigen eröffnet der Herausgeber mit „Ehrenhalle österreichischer Juden." Er betrachtet hier die Leistungen von Juden im „Landbau," die unter gegebenen Verhältnissen in der That sehr bedeutend sind, in „landwirthschaftlicher Industrie," wo außer Anderem vor Allem die enormen Verdienste von Juden in der Rübenzuckerfabrikation zur Geltung kommen, in „gewerblicher Industrie im Großen," wo die meisten großartigen Industriezweige durch Juden vertreten sind (z. V. Fabriken von Juden verführen jährlich für 1*/2 Mill. G. Fes fRothkäppchen^ nach dem Oriente); in „Handel und Schifffahrt" (die ersten österreichischen Schiffe, die nach Rio de Janeiro und Kalifornien fuhren, waren die des Aaron Parente aus Triest); in „bürgerlicher Kunst und Handwerk," im „Militairstand" (bereits 1789 dienten 2500 Juden im österreichischen Heere), als „Aerzte, Advocaten, Angestellte und Gelehrte," in schöner Literatur und Kunst." Der Verfasser versteht die Verdienste in's rechte Licht zu 'stellen, ohne irgend zu übertreiben. — „Die Prager Juden gemeinde in statistischer Beziehung" von A. Kohn. Sie zahlt circa 12,000 Seelen (darunter 30 vv. mecNe. und 7 DD. jur., 10 Musiker, 146 Handwerker, 339 Kaufleute, 356 Trödler, 51 Fabrikanten, 65 Gelehrte u. s. f.; 9 große und 12 kleine Synagogen; 126 Stiftungen; 20 wohlthätige Vereine). — „Die israelitische Cultusgemeinde zu Lemberg" von Rabbiner Löw (30,000 Seelen). — „Das israelitische Taubstummen - Institut zu Wien" von I. Deutsch. — „Der Verein zur Beförderung der Handwerke in Wien" von Dr. Reiß. — „Aus der israelitischen Cultusgemeinde zu Wien" vom Herausgeber, über die neue Constituirung und die wohlthätigen Anstalten dieser Gemeinde. Alle diese vorstehenden Berichte sind in einfachem, treffendem Tone abgefaßt, und geben klare, anschauliche Bilder in concreter Fassung. Die Gegenstände sind aber eben so bedeutend wie würdig. — Es folgt: „Rückblick auf das Jahr 1853," von Rabbiner vr. Philippson, der diesmal zugleich bis 1848 zurückgeht, wo seine früheren Berichte abbrachen. Der Bericht befaßt S. 111 — 150. — Unter dem Titel „Anregungen" folgen mehrere Aufsätze. „Synagoge und Tempel." Von Professor vr. Goldenthal. Der Aufsatz ist gewiß sehr gut gemeint, aber mit dein Meisten darin kann man sich nicht einverstanden erklären. Denn weder ist die geschichtliche Darlegung richtig, noch sind die Bemerkungen treffend und praktisch; 'er will eine Fachcommisston für den ganzen österreichischen Staat, die soll alle Cultusfragen gleichmäßig entscheiden, als ob die Synagoge in Hohenems dieselben Bedürfnisse hat, wie die Chassidimschule in Zollkiew! man soll die spanischen Gesänge für die Piutim einführen! der Chacham soll überall in portugiesischer Aussprache vorbeten! der Prediger soll seine Predigt nicht auswendiglernen — denn das wäre eine Qual! — sondern ablesen.' — „Ueber Aberglauben unter den Juden" von G. Wolf, namentlich über die bei den Juden immer noch vorhandenen abergläubischen Bräuche bei der Geburt und dem Tode; sehr interessant, in weiser Mäßigung, herzlicher Offenheit und wahrhafter Frömmigkeit niedergeschrieben. — „Warum fehlt Instrumentalmusik in unseren Gotteshäusern?" Von B. Müller, zeigt beredt, wie allerdings auch nicht der geringste Einwand gegen Orgel und Instrumentalmusik zu erheben ist — (indeß danach frugen wir Juden nicht immer!) — „Die mangelnde Betheiligung der Jugend am Gottesdienste," von Z. Meier, dringt nachdrücklich darauf, daß für dir Jugend, welche am öffentlichen Gottesdienste wegen der Schule nicht Theil nehmen kann, ein besonderer Gottesdienst zu einer gelegenen Zeit abgehalten werde. Möge der fromme Wunsch an recht vielen Orten in Erfüllung gehen! — „Gute Köpfe. Aus den Mittheilungen eines Schullehrers." Von Simon Szäntö. Ueber den „reichbegabten jüdischen Kopf" und wie er durch verkehrten Unterricht zu Grunde geht, in drei Bildern: Gerson, der aus einem vielversprechenden Talmudschüler ein simpler Kaufmann wurde, dessen Sohn Sammi, der eine „geniale" Erziehung erhielt, und zuletzt Schreiber bei einer Missionsgescllschaft ward, und dessen Enkel, Anastasius, welchem eine „aufgeklärte" Erziehung durch einen „nichtjüdischen" Hofmeister gegeben ward. Der Verfasser spricht große pädagogische Wahrheiten in anziehendem Gewände auö. — „Die Medicin unter den Juden" von vr. M. Engel, sehr interessante Auszüge aus Carmoly's Geschichte der Medicin unter den Juden. — „Etwas über die gegenwärtigen Verhältnisse der Juden in Moldau-Walachei" von vr. I. Barasch, eine ausführliche Schilderung in dem bekannten warmen und farbenreichen Tone des Verfassers. — Eine neue 40

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