Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1854)
- Date
- 1854-12-04
- Page
- Seite 618 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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618 Dunkelheit, wo die Hebräer wagen, ihre geschiedenen Brüder zu Grabe zu tragen. Ihr Leben wird verbittert durch fortgesetzte Furcht und Angst vor jedem Christen, der ihnen naht — fanatische Menschen haben sogar ein wenig Wasser auf jüdische Kinder, denen sie begegneten, gesprengt, indem sie die Formel der Taufe aussprachen, und dann bekannten sie das Geschehene, ihren Geistlichen, und glaubten den geistlichen Oberhäuptern das Recht gegeben zu haben, jene von .ihren Eltern zu trennen, als Bekehrte zur Kirche! Das ist keine Uebertreibung l Ein unparteiischer Italiener kann aus seinen eigenen Erinnerungen manche bestätigende Vorfälle erzählen, zu dem, was ich gesagt habe, und ich werde einen kurz erzählen von den vielen,/an denen die traurigen Annalen des Ghetto'S reich, sind. Vor nicht langen Jahren hatte ein jüdischer Kaufmann und seine Frau, da sie kinderlos waren, eine Nichte angenommen, welche schön und von ihnen sehr geliebt aufwuchs, die Freude ihres Alters. Gleich vielen anderen Kindern der Gemeinde, war sie in ihrer Kindheit zu einer Frau auf dem Lande gesandt worden, um genährt zu werden, die durch äußerste Armuth allein so tief gebracht war, sich so weit zu erniedrigen, ein jüdisches Kind zu nähren. Als das Mädchen achtzehn Jahr alt war, starb diese Frau, und sagte dem Priester, welcher an ihrem Sterbebette sich befand, daß sie ihren Pflegling getauft hätte, als es ein Kind von wenigen Monaten war, aber sie hätte bisher das Geheimniß in ihrem Herzen bewahrt, wo es an ihr nagte und zehrte. Der Geistliche belobte sie für ihren Eifer und erklärte, daß durch ihre Hülfe eine Seele vor dem Verderben gerettet wäre, und kaum war sie todt, als er zur Inquisition in Ancona eilte, und die Entdeckung, welche er gemacht, mittheilte. Ohne einen Augenblick des Aufschubs ging einer der Dominikanermönche — die unversöhnlichen Feinde der Juden — begleitet von den Polizeibeamten, nach dem Hause des Kaufmanns und verlangte gebieterisch, daß seine Nichte, welche eine zum Christenthum Bekehrte und in ihrer Kindheit von ihrer Amme getauft sei, ihnen übergeben werden sollte. Der heftigste Widerstand blieb fruchtlos, sie wurde ihren Adoptiveltern entrissen und in ein Kloster gebracht, sowohl behufs des Religionsunterrichts, als um sie vor allem Verkehr mit ihrer Familie zu sichern. Inzwischen that der arme Onkel die energischsten Schritte zu ihrer Befreiung und schrieb ihr heimlich, indem er sie ermahnte, fest zu bleiben mit dem Versprechen von 10,000 Dollars zu ihrer Aussteuer, wenn ihre Rückkehr gelänge. Der Brief wurde unterschlagen und fiel in die Hände der Priester, welche indessen keinen Gebrauch davon machten, bis ihre Pläne gereift waren. Er wurde mehrere Monate in Ungewißheit über seiner Nichte Schicksal erhalten, und konnte keinen Briefwechsel mit ihr unterhalten,, als es ihm endlich hinterbracht wurde , daß sie wirklich die Lehren ihrer neuen Religion eingesogen hätte, und über ihre wunderbare. Befreiung glücklich wäre, und daß sie bereit sei, einen Gatten aus den Händen ihrer Seelsorger zu empfangen, und daß, um zu diesem wünschenswerthen Ende zu gelangen, man die Summe Geldes verlangte, welche er zu ihrem Heirathsgut bestimmt hätte. Unaussprechlich, gekränkt durste er sich nur unterwerfen, und die Mitgift wurde den . geistlichen Dberherren Übermacht. Von dem Tage, an welchem sie von Hause , fortgenommen wurde, haben der Kaufmann und seine Frau nie wieder ihr Kind gesehen, niemals vernommen, ob die alte Liebe noch in ihr lebte, und niemals gewußt, ob sie wirklich mit ihrem Loose zufrieden war. Der Jüngling, mit dem sie verheirathet war, war ein finstrer Impiegato in einer kleinen Stadt, wo sie nun wohnte. Die Tante mit gebrochenem Herzen verließ den Schauplatz so vieler trauriger Erinnerungen und wohnte zu Toscana, wo größere Religionsfreiheit zu dieser Zeit herrschte, während der alte Mann seine Zeit zwischen seiner Frau in Florenz und seinen Geschäften in Ancona theilte, welchen er zwar mit gewohntem Ernste Vorstand, doch der Reiz seines Lebens war dahin, er bewegte sich nach gewohnter Weise, war aber ein veränderter und sorgenschwerer Mann. Literarische Nachrichten. ' Magdeburg, im November. Es ist dem Plane der Mg. Zeit, des Judenth. zuwider, in der Beurtheilung neuerer Schriftwerke zu sehr in die Einzelnheiten kritisch sich zu versenken. Desto mehr lieben wir es, gleichartige Produkte zusammenzufassen, und. so dem Leser gleich ein Gesammtbild vorzuführen. Es ist darum, , daß