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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-12-04 · Heft 49 (4.12.1854) · p. Seite 616

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 49 (4.12.1854)
Date
1854-12-04
Page
Seite 616 (sequence 6)
Language
German
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616 Haupt, in nächster Umgebung Und namentlich bei den Behörden von den nobeln Traditionen gesondert worden, welche, begleitet von den schützenden Manen Moses Mendelssohns und David Friedländers, der Stolz der jüdischen Einwohner sind; denn der christliche Beobachter fragte staunend:.?ürpt-;ba rra, er fragte verwundert, wo denn die altgerühmten Tugenden des Judenthums hingekommen seien? ob diese Tugenden sich etwa in VerfolgungSwuth, Verleumdung, Denunciation, Habsucht, Groschenmacherei, Hypokrisie und dergleichen verjüngt haben? und ob man nichts Besseres von den Christen gelernt, als unter dem Deckmantel der Religion. Anhänger in's Amt und Verwandte unter die Haube zu bringen? Die Neuorthodorie hat am ganzen Leibe, mit Ausnahme der allerdings großen Zunge, keine jüdische Ader, und daher sind die meisten ihrer Anhänger schon als einfache Mitglieder einer Gemeinde keine Zierde derselben, um wie viel weniger, wenn ihr Wille maßgebend ist! Seit 1849 hat die neuorthodore Rotte Korah's ihre Thätigkeit dahin getheilt, daß sie nach Innen moralischen Bankerott, nach Außen aber vwn Vibn gemacht hat, und es mußte der redliche Anhänger des JudenthumS, der Juden, und der Berliner Gemeinde besonders endlich seine warnende Stimme erheben, vollends nachdem Andere, die durch Charakter und Weltanschauung zum Sprechen geeignet, ja der Consequenz halber verpflichtet, gewesen wären, in unerklärbarer Judenthümelei nicht nur schwiegen, sondern mit der Partei fraternisirten. Ich habe diese Partei pro patria schon vor ihrem Avenement angegriffen, ich habe sie noch & anderswo, und zwar viel umfänglicher, pro clomo zu züchtigen, und es wird mir von ihrer Seite selbst ein Forum zum Anhänge geöffnet. Tu Fas voulu George Dandin! Abrechnung soll im Namen des jüdischen Namens mit manchem Herrn gehalten werden, der hinter erschlichenem Ansehen sündigte und die Sünder unterstützte, und wenn die neuorthodore Komödie wie so viele Komödien mit einer Brautfahrt endigt, so kommt vielleicht noch vor der Hochzeit ein Armenier (Geisterseher von Schiller), um den Kuplern und Gauklern eine nbann Din zu credenzen! — Vor einigen Tagen weilte Herr Coronet aus Jerusalem hier mit handschriftlichen Schätzen auS dem Gebiete des Talmud, und von diesem selbst besitzt er die ersten zwei Ordnungen auf Pergament um 1309 geschrieben. Dieses kostbare Stück enthält viele Varianten, von denen Herr Coronel selbst mehre in dem von ihm eben herausgegebenen Werke (->nr n^n) veröffentlichte. Der hierosolymitanische Fremdling, in morgenländischer Tracht und mit würdevoller Persönlichkeit auftretend,. machte hier einen jüdisch wohlthuenden Eindruck. Gerade und selbstständig wie ein Einwohner der Weltresidenz, und als herrsche dort König David, oder Hyrkan, schritt und sprach er, und auf der königlichen Bibliothek hörte man ihn von dieser Seite aus sonst judenfeindlichem Munde loben. Die Preise seiner Seltenheiten sind zu hoch, als daß das genannte Institut mit seinem bescheidenen Etat an die Acquisition denken könnte, und Herr Coronel führt sie nach England. — Die Regierung hat den Fabrikanten Geheimen Commerzienrath Reichenheim zur Untersuchung der gewerblichen Zustände nach den Hohenzollerschen Landen gesendet, was doch wieder eine homöopathische Abschlagszahlung an der Schuld der bürgerlichen Gleichstellung ist. Die Gebrüder Reichenheim gehören zu den ersten Fabrikherren der Residenz, sie gehören auch nicht zur neuorthodoren Clique, sondern find Mitglieder der Resormgenossenschast und nicht zu verwechseln mit jenen ReichenheimS, welche neuestenS auf telegraphischem Wege bekannt geworden sind; diese mögen zur Neuorthodorie gehören, jedenfalls passen. F.-Lt. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 24. November. (Privatmitth.) Im Laufe der nächsten Woche soll der Unterbau zu dem neuen Tempel beginnen. Der Architekt gedenkt so manches daran anzubringen, was man in neuerer Zeit durch die Denkmäler von Nineveh erfahren hat. Beim Portale werden zwei Säulen angebracht sein, gleich denen am Salomonischen Tempel. An der Spitze der Säulen werden farbige Laternen sich befinden, die Abends während des Gottesdienstes beleuchtet sein werden, und so gleichsam die Glocken bei den Christen und die Minarets bei den Türken ersetzen werden. In Betreff der Nebengebäude ist die Angelegenheit wieder in der Schwebe. Die Kinderbewahranstalt soll aber keineswegs, wie man es anfänglich glaubte, dahin verlegt werden, und zwar, weil kein Raum zu einem Garten gewonnen werden kann. Zu wünschen wäre es, daß bald anderswo eine geeignete Localität gefunden werden möchte.

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