Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1854)
- Date
- 1854-12-04
- Page
- Seite 615 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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615 chenbücher, Ritter- und Räubergeschichten läßt man in den Händen der Jugend, aber das Wort der Schrift soll erst zehnmal filtrirt werden, bevor eö derselben vorgesetzt werde! — Ein sehr paffendes Hülfsbuch bietet hingegen folgendes dar: „Zwei Bücher Blüthen rabbinischer Weisheit. Herausgegeben von vr. H. Jolowicz. Zweite Ausgabe. Thorn, 1849." In den besten, prosaischen und metrischen Uebertragungcn eine große Zahl Parabeln, Fabeln, Erzählungen, Legenden aus Talmud und Midrasch, theils um sie vorzulesen in der Schule und daran religiöse Betrachtungen zu knüpfen, theils um nach Vorträgen und Catechisationen hierin noch einmal Ausdruck und Bestätigung zu finden. — Wir kommen nun zu den eigentlichen Religionslehrbüchern, müssen aber hier etwas weiter ausholen. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Palästina. Gaben für die Armen in Jerusalem. Durch den Rabbinen Herrn Wal den in Laupheim von Mehreren: 12 Fl. Von Herrn vr. D. Fränkel in Frankfurt a. O.: 3V2 Thlr. aus einer Büchse im Gotteshause. Von Herrn Simon Levy, Cantor und Religionslehrer in Friedeberg in der Neumark nach einer warmen Ansprache an die Gemeinde, welche diese sosort bethätigte, 9 Thlr. Die Redaetion. Deutschland. Worms, im November. (Privatmitth.) Zur Renovation der hiesigen jüdischen Denkmäler gingen ferner ein: aus Auerbach 4 Fl., Strasburg (in Preußen) 13 Thlr., Michelstadt 1 Fl., Ludwigslust 10 Thlr. 16 Gr., Schopfloch 4 Fl. Hierzu laut Nr. 28 d. Bl. 1870 Fl. 38 Kr. Summa: 1920 Fl. 49 Kr. — Die Renovation der Denkmäler des hiesigen Friedhofs hat am 20. September e. den Anfang genommen und ist bis auf die Anschwarzung der Epitaphien gediehen. Ein ausführlicherer Bericht später. Das Comite zur Renov. d. hief. jüd. Denkmäler. Magdeburg, im November. (Privatmitth.) In dieser Nummer findet eine ausführliche Besprechung der Trauerfeierlichkeit für die verewigte Königin Therese in der Synagoge zu München einen Platz. Wir gestehen offen, daß wir denselben ihr kaum einräumen gekonnt, wenn nicht — abgesehen von der geist- und gemüthvollen Abfassung — gerade die Umstände dazu aufsorderten. In derselben Stunde hatten wir die Vosfische Zeitung vom 24. November in Händen, wo aus München die Beisetzung der Königin in der katholischen Hoskirche — die Königin war bekanntlich protestantisch — beschrieben stand. Es fand kein „Trauergottesdienst" statt, der Altar war von allen gottesdienstlichen Attributen entblößt und kein Katafalk errichtet; die katholische Geistlichkeit erschien ohne Stola, die Rede des katholischen Geistlichen schloß ohne Gebet und ohne Amen, sondern mit dem römischen Dixi. Die Mitteilung erinnert an das Sendschreiben deS Papstes Gregor XVI. vom 13. Januar 1842, in welchem dieser es einen Trug nennt, „daß ein der katholischen Gemeinschaft fremder Mensch, wenn er gestorben, zum ewigen Leben gelangen könne." Mit diesen Bemerkungen im Sinne lese man den gedachten Bericht unseres Correspondenten, und vergleiche dann. WaS Wunder, daß man den Juden in Baiern das active und passive Wahlrecht nehmen will! Stuttgart, im November. Der Orden, den Meyerbeer erhalten, und durch welchen er geadelt worden, ist das Komthurkreuz des Kronen-Ordens. Preußen. Berlin, 27. November. (Privatmitth.) Man * macht Ihrem Correspondenten mündlich, brieflich und öffentlich in diesen Blättern selbst den Vorwurf, er mache die Neuorthodorie und ihre Persönlichkeiten zum Mittelpunkte seiner Berichte, dagegen er an socialen Erscheinungen im jüdischen Berlin schweigend vorübergehe. Allein der rechtblickende Arzt sucht und findet die Wurzel des Uebels, und an ihr faßt er die Krankheit. Das Judenthum und speciell die jüdischen Verhältnisse Berlins litten schwer an der judenfeindlichen und sittenvergiftenden Neuorthodorie, es war Zeit, die Krankheit zu untersuchen und vor ihrer Gefährlichkeit zu warnen! Seitdem die Neuorthodorie sich deS Einflusses bemächtigt, ist der Ruf der an geistigen und materiellen Schätzen so unvergleichlich reichen Gemeinde, Ruf und Ansehen der Juden über-