Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1854)
- Date
- 1854-12-04
- Page
- Seite 614 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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614 Syntaris mitgeben, daß ihm der Geist der Sprache erschlossen werde. Der Verfasser des zweiten Werkes hat diesem entsprochen, indem er eine verhältnißmäßig ausgedehnte Syntaris hinzufügt. Ueberhaupt, abgesehen von christologischen Ansichten, die Herr Seffer hier und da aus spricht, ist seine Arbeit ganz ausgezeichnet, und Jeder, der; die Sprache systematisch stüdiren ' will', und ' bereits auf der Stufe einer höhern Gymnasialclafse steht, wird sie mit großem Nutzen gebrauchen. Die Uebungsstücke und das Lesebuch sind sehr zweckmäßig gewählt und mit passenden Anmerkungen versehen. In der Grammatik selbst ist ein weises Maß eingehalten, die Sprache klar und verständlich/ die Entwickelung nicht zu steif. In das Einzelne bei beiden Schriften einzugehen, verbietet uns die Tendenz dieses Artikels. Bevor wir weiter gehen, gestatten wir uns noch eine' Digressiön, die um so verzeihlicher, als ja jetzt in allen Schulbüchern schärf auf die Christlichkeit gesehen wird, man eS also sehr erklärlich finden wird, wenn wir Lehrer und Eltern auf Schulfchristen jüdischer Autoren aufmerksam machen, welche natürlich jenes Specificums entbehren. Zunächst: „Die merkwürdigsten Begebenheiten der allgemeinen Weltgeschichte in Darstellungen deutscher Dichter, gesammelt und mit geschichtlichen Bemerkungen versehen von Dr. H. I olowicz. Leipzig, 1852." Eine höchst verdienstvolle Arbeit, welche wir für Schule und Haus empfehlen, da sie eben so gut zum Vorlesen (nach der Geschichtserzählung) und Auswendiglernen in der Schule, wie zur Lcciüre im Hause zweckdienlich ist. Die Sammlung ist umfassend, die Gedichte meist classisch. Wir finden uns oft genug überrascht, wie reichhaltig die Geschichte bereits von deutschen Dichtern bearbeitet worden. Die alte Geschichte z. B. beginnt mit „Pharao," „die AmalekiterschlaLt," „Nebo," „Gideon," „Simson," „die Königin von Seba," „Jojakim" u. s. f. Dann folgen die griechischen Sagen und Geschichten, die römischen, die Völkerwanderung. Noch reicher ist die mittlere Geschichte, wo den Vordergrund die deutsche Geschichte einnimmt, am reichsten die neuere ausgestattet, in der „Abd-el-Kader in Frankreich" von R. Gottschall, und drei Gedichte auf „Schleswig-Holstein" von Geißel, Gottschall und Anonymus den Beschluß machen, und kein bedeutendes Moment unbefangen bleibt. — Alsdann die höchst verdienstvollen, längst anerkannten Rechenwerke des thätig wirkenden Lehrers an der jüdischen Schule in Halberstadt, Herrn Hirsch Joseph, nämlich: „Vollständiges kaufmännisches Rechenbuch, enthaltend 1603 Auf- ■ gaben. 41e,' gänzlich umgearbeitete und bedeutend vermehrte Austage. Quedlinburg und Leipzig, 1853, (929 S.) und Desselben: „Praktisches Rechenbuch für Kauf- und Geschäftsleute. Enthaltend 1400 Aufgaben rc. Quedlinburg und Leipzig, 1842." Diese beiden Bücher lehren : auf gründlichste Weise jenes Rechnen, das dem Kauf- und ^Geschäftsmann in seiner wirklichen Thätigkeit überall unentbehrlich ist und von ihm stündlich gebraucht wird — entfernt von jenem eintönigen, langathmigen und doch unnützen Rechnen, däS gewöhnlich auf den Bürgerschulen gelehrt und erdrückend in ewig langen Erempeln geübt wird. — Treten wir nun dem Religionsunterrichte näher, so bieten sich als Hülfsmittel folgende dar: „Kleine Schul- und Haus-Bibel. Geschichten und erbauliche Lesestücke aus den heiligen Schriften der Israeliten. Von vr. Jakob Auerbach. Zweite Abtheilung. Leipzig, i 1854." Diese zweite Abtheilung, die der Verfasser zuerst erscheinen ließ, enthalt die Lesestücke aus den Pro- ' pheten und Hagiographen. DaS Buch bringt also eine Auswahl in's Deutsche übersetzter Stücke der Propheten und Hagiographen, ohne Anmerkungen,'ohne Einleitungen, ohne Fingerzeig, wie sie zu benutzen, die bloße Uebersetzung. Wir müssen gestehen, wir wissen durchaus nicht, wozu solch ein Buch da ist! Da wir jetzt vollständige deutsche bloße Bibelübersetzungen haben von Zu nz und Salomon pro 1 Thlr., und jeder verständige Leser eine angemessene Auswahl treffen kann, so ist es doch wohl vorzuziehen, man giebt den Schülern die ganze Bibel in die Hand, als wieder blos ein Ertract aus einem Ertract. Denn da haben wir z. B. nicht allein ausgezogene Psalmen, sondern aus diesen ausgezogenen Psalmen haben wir nur ausgezogene Verse, die behalten oder die weggeworfen worden. Und wissen wir meist, weshalb? Siehe da, Ps. 144 ist Vers 2 weggefallen/dann V. 5—9, die zu den kräftigsten und dichterischesten gehören. Ps. 143, da fehlen die charakteristischen Verse 3, 7, 9, 11 und 12. Was ist nun auS dem Psalm für ein Lappenwerk geworden? Und so geht es fort. Wir können uns mit diesem Verkrüppelungs- und Zerstückelungswerk des heiligen Wortes zu Gunsten eines bleichsüchtigen Geschlechts, das die packende Faust des Genius nicht vertragen kann, um nur eine honigsüße Wassersuppe an religiöser Lehre und Moral ihm vorzusetzen, nicht einverstanden erklären. Lieber wartet damit bis zu einem Alter, wo das Verständniß leichter und der Geist kräftiger ist. Französische Romane, alberne Mähr-