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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-11-27 · Heft 48 (27.11.1854) · p. Seite 606

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 48 (27.11.1854)
Date
1854-11-27
Page
Seite 606 (sequence 8)
Language
German
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hinaus in ferne Welttheile, ferne Länder und Himmelsstriche senden, so oft ich lese, wie Sie durch Ihre begeisterten und begeisternden Worte selbstthätig, anregend und aufmunternd die große Masse der Gesammtjudenheit im Orientemoralisch und materiell vom völligen Untergange zu retten/ alle Ihnen zu Gebote stehenden Mittel anzuwenden nicht ermüden, ja, wie Sie selbst in jenem Palästina des Mittelaltersin jenem Lande, dessen Herrscher einst mit Stolz sich rühmten: daß in ihrem Reiche die Sonne nicht-untergehe-, zur Sühnung einer großen, beinahe -vierhundertjährigen Schuld , die Imitative ergriffen Und die energischsten Schritte gethan: ergreift mich immer-tiefe Wehmuth, wenn ich einen Blick in meine nächste Nähe werfe und „siehe, da ist Drangsal und dichte Finsterniß, dichte Enge, und ist in Dunkelheit gestoßen." (Jes. 8, 22.) Ich meine das Land, aus welchem gegenwärtiges Schreiben datirt. In Galizien, diesem wichtigen Bestandtheil eines' der größten civilisirten Staaten Europäs, leben über 300,000 Juden und — in welchem Zustande! Mit wenigen Ausnahmen, dieselbe moralische Gesunkenheil, derselbe-Tiefstand unter dem Niveau der europäischen Civilifation. Liest man die düstern jüdischen Lebensbilder, die wir vor Kurzem in Ihrem Blatte aus Constantinopel so treu und lebenswahr geschildert fanden, und besucht einen von Juden bewohnten Stadttheil in einer der volkreichsten Städte Galiziens*), so kommt man in-Versuchung, zu glauben, daß gerade dieser Stadttheil dem Zeichner jenes finstern Gemäldes Modell gestanden. Derselbe Schmutz von Innen und Außen, dieselbe mittelalterliche Verdumpfung, was jedes Aufieben rein menschlichen Bewußtseins verhindert, und den Juden zum Spott- und Zercbilde macht in den Augen aller Gebildeten, es sei Christ oder Jude; Bürger oder Beamte, Gelehrter oder Nichtgelehrter. So wahrheitsgetreu das bisher Gesagte nun auch ist, so vermied ich eS dennoch bis jetzt, diesen Krebsschaden, der immer tiefer-am Lebensmark der galizischen Judenschaft zehrt, dem Auge der Oeffentlichkeit bloßzulegen; denn erstens hoffte ich, daß eine fähigere und würdigere Hand, mir zuvorkommend, mich dieser traurigen Pflicht entheben werde; zweitens erwarte *) Wenn hie und da eine Stadt hierin eine Ausnahme macht, so thut das -nichts zur Sache. -; j ich leider — warum sollte ich's nicht gestehen? — von der Veröffentlichung dieser bittern Zustände keine Abhülfe. Stößt doch selbst die Regierung mit ihren edeln Bestrebungen, dieses Nebel durch Orgüniflrung zeitgemäßer Schulen radical auszurotten, auf Hindernisse, die ihr gerade von denjenigen in den Weg gelegt werden, deren Wohl zu befördern sie sich wahrhaft väterlich bemüht! — ^Dies ist nicht Uebertreibung, geehrter Herr Redacteur! es ist blanke Thatsache. — ' Vor-einigen Monaten kam von Seiten der Behörde ein dringender Auftrag an den Gemeindevorstand der Israeliten in Tarnow — diese Gemeinde zählt mindestens 15,000 Seelen —' der die Gründung einer hebräisch - deutschen Schule zum Zweck hatte. Wie benahm sich nun jener Vorstand diesem löblichen Entgegenkommen ' der Behörden' gegenüber? Er setzte alle Hebel in Bewegung, um durch Vorstellungen die Sache zu hintertreiben, und — eS blieb beim Alten. — Die Regierung, der es aber mit der Hebung und Veredelung dieser so tief stehenden, großen Gemeinde, die zwischen Lemberg und Krakau gelegen, von großem Einflüsse auf die ganze Umgebung ist, wirklich Ernst ist, mochte wohl einfehen, daß auf solchem Wege das Ziel schwer zu erreichen sei, sie traf daher den Nagel auf den Kopf, indem sie zur Besetzung der Kreisrabbinerstelle durch einen' zeitgemäß gebildeten Mann einen ConcürS auSschrieb. -; Dieser Umstand ist eS, der mich drängt, Sie, geehrter Herr Redäcteur! um Aufnahme dieses Aufsatzes zu bitten, da der CzaS, der diese amtliche ÄuSfchreibung in seinem Annoncenblatte bringt, Nur Wenigen bekannt sein dürfte, während Ihre Zeitung, wie ich vorauSsetze, allen österreichischen Candidatett und RabbinatSaspiranten zu Gesicht kommt.' Der' Czüs, Krakau/ 9. November, Nr. 256, bringt die Abschrift der Concursausschreibung, datirt: Tärno'w, 22. Oktober 1854, Z. 18253, und lautet, wie folgt: „Zur Besetzung der Tarnöwer KreiSrabbitterst elle, mit welcher ein Gehalt von 500 Fl. C.-M. nebst Naturalwohnung verbunden,' ist für die' Zeit bis Ende October 1858, der ConcürS' bis Ende December 1854 ausgeschrieben." J;/ ' „Die Competenten haben ihre mit legalen Zeü'gniffen über ihre Moralität und politische Haltüng, dann : über die an einer in l ä n di scheu Lehranstalt

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