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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-11-27 · Heft 48 (27.11.1854) · p. Seite 602

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 48 (27.11.1854)
Date
1854-11-27
Page
Seite 602 (sequence 4)
Language
German
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meisten Reden ist irgend eine kurze Schriftstelle als Motto vorgesetzt, die auch wiederholt wiederkehrt, also eigentlicher Angelpunkt ist, auch führt der Redner nicht zu selten anderweitige Schrift- und Talmüdstellen an — aber stets mit weiser Mäßigung. Hingegen -fehlt die Aufstellung eines eigentlichen Textes und die Auslegung desselben gänzlich, die Predigt ist '.hiev nicht' um deS Textes willen da, sondern der Text um der Predigt willen) wodurch allerdings die exegetische Predigt gänzlich fehlt. — Die Sprache ist ruhig, einfach, entwickelnd, bisweilen warm. Dagegen fehlt der Schwung, die hinreißende Energie, das lebhafte Colorit. Hierin steht Viterbi dem della Torre nach. Einigen Ersatz bietet die Mannichfaltigkeit der Satzbildung. — Es versteht fich von selbst, daß wir hier auf den speciellen Inhalt nicht eingehen können. Nur zwei Reden wollen wir, der Charakterisirung wegen, hervorheben. Die XIV. Sermone, gehalten in Padua am 9. Ab (29. Juli 1849), ist überschrieben: von Isacco Abravanele. Ist dies nicht eine originelle, aber schöne Idee? Nach kurzem Eingang über den Tag, stellt der Redner im ersten Theil das Leben und die Thaten Abarbanels dar (S. 115—128), im zweiten Theile (S. 129 bis 131) ermahnt er zur Nacheiferung. Die X. führt die Ueberschrift: l’lsraelila del Deciraonono seeolo*), die der Redner am 9. Ab 1843 in Padua, am 25. November in Verona, am Schebuoth 1845 in Rovigo mit einigen Modifikationen gehalten. Diesmal theilt der Redner die an Umfang ungeheuerliche Rede (S. 23 — 52!) in drei Theile: 1) „das System der Führung des wahren Israeliten.^ Der Israelit ist: „der Repräsentant des reinen Monotheismus des Vaters der Gläubigen, der Träger (deposiiarj) der ewigen Wahrheit, geoffenbart auf dem Sinai, der Bannerträger (bandilori) der Einheit des Menschengeschlechts, der Gerechtigkeit, der Humanität und jeder Herzenstugend." Aus diesem Vordersatz deducirt der Redner die Forderungen, die er an den Israeliten unsrer Zeit stellt. 2) „Die anti-israelitischen Vorürtheile." Als solche bezeichnet er insonderS die Meinung, daß die jüdischen Satzungen dem Leben mit der Menschheit, dem Fortschritt und jeder socialen Verbesserung entgegenstehen, und hieraus erklärt er den religiösen Verfall, den Mangel an religiöser Erziehung u. s. w., um so mehr, da die Religion eine Kette ist, die auseinanderfällt, wenn *) Bemerkenswerth ist, daß Viterbi angiebt. wie oft und wo er dieselbe Rede an verschiedenen Orten seines Sprengels gehalten. ein Älied heraus gebrochen wird- (Man sieht leicht/ wie sehr dieses Gleichniß hinkt! Es wäre ein unermeßliches Unglückwenn die Religion solche Kette wäre,'ja, wenn nur die Sittlichkeit solche- Kette wäre!'' Wir wissen sehr wohl, daß-wir Alle Fehler haben, und können' dennoch religiös-sittliche Menschkn sein. Es giebt Menschendie neben großen Fehlern Noch große Tugenden haben/ ja Verbrecherdie dennoch 'anderweitig merkwürdige- Tugenden-bewähren/- -'Gott ist gnädiger) als unsre Theoretiker, er hat das Leben - vielgestaltiggemacht - die Natur des Menschen sehr-elastisch, und ünS so viele Wege eröffnet' zu Seiner Gnade/ daß, wenn wir irregegangen auf dem einen und andern, dennoch einen andern finden können, der zu ihm führt! — Andrerseits wäre es'Verblendung, zu sagen , daß das orthodoxe Judenthum der vorletzten Jahrhunderte nicht viele, der Bildung, dem-Fortschritt und den socialen Verbesserungen feindliche Elemente eingeschlossen, welche hinwegzuräumen waren, bevor wir zu den genannten kommen konnten. Wir erinnern z. B.- nur an den Bann, der auf allen nicht-hebräischen oder mindestens nicht-jüdisch-deutschen Büchern ruhte! Ach, und noch gar Vieles! — Daß mit diesem offenen Eingeständniß gewiß nicht jenes Hinwegräumen aller jüdisä)en Lebenselemente, jene Feindseligkeit gegen alle jüdische Sitte, Brauch und Satzung sanctionirt, oder gar nickt verdammt ist, brauchen wir wohl kaum zu bemerken.) 3) „Die Reform." Der Redner will jede wesentliche Reform nur durch eine gesetzmäßig eingesetzte Synode gestattet sein lassen — (da wäre es doch gerader, man sagte: sie ist unmöglich!) — abgesehen, daß die biblischen Gesetze unveränderlich sind; so daß er endlich Reformen lediglich beim Gottesdienste zugestehen will. (Also z. B. Chaliza und Get erfordern und ermöglichen keine Umgestaltung?) — Wenn aber auch hier einige Meinungsverschiedenheiten stattfinden, so scheidet man doch mit Achtung vom Verfasser. Er meint es treu und warm, er ist finnig und gedankenvoll, er ist vom Herzen Jude und duldsam. Eine zweite Sammlung von Reden in italienischer Sprache liegt in dem Schristchen vor: I primi discorsi di Rab MeUan publicati e Iradolti da S.V. Zelman, Triestino. Trieste 1854. Was wollte der Verfasser für einen Witz damit machen, daß er die Reden für „übersetzt" ausgiebt, ihren Verfasser Melzan nennt, sich selbst Zelman, während jenes nur eine Buchstabenversetzung von diesem ist? Es sind Reden über die Bibel, jüdische Nationalität, den Unwerth der Philosophie der Religion

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