Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1854)
- Date
- 1854-11-20
- Page
- Seite 595 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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GlaS Orgeade darr eich te. Alle Protestationen, alle Thränen der unglücklichen Familie halfen nichts, Änd, bedroht mit den schrecklichsten Züchtigungen, mußte sie den Körper deS Kindes ausliefern, der auf dem Markte vor der schaulustigen Menge von den Priestern in Empfang genommen und in den Gewölben der Kathedrale begraben wurde... Reflerionen hierüber sind wohl nicht nöthig! Türkei. Constanlinopel, 22. October. Es wäre ein sehr angenehmes Ereigniß, wenn eine unabsehbaren Segen mit sich bringende Verbesserung in der Hauptstadt deS türkischen Reiches gerade von einem Juden, wenn auch keinem dort einheimischen, ausginge. Die öffentlichen Blätter berichten nämlich: „Sanitäts- und Medicinal-Inspektor vr. Levy hat — wie verlautet dem Divan ein Memorandum eingereicht/ in welchem er auf den bekannten Uebelstand aufmerksam macht, daß die meisten Epidemieen, von denen Constantinopel heimgesucht wird, größten Theils auf der in den Straßen herrschenden Unrrmlichkeit und auf der bei den Türken herrschenden Sitte, ihre Tobten kaum mehr als zwei Fuß tief zu begraben, basirt sind. Das Memorandum ist zur Begutachtung angenommen." Literarische Itachrichten. MagdedurA, im November. Die neueste j üdi sch e O r e s se in 3 tal i e n. Die Mische Presse in Italien ist eine noch sehr zarte Pflanze, die noch dazu einen bis jetzt wenig fruchtbaren Boden um sich hat. Die Wenigen Gärtner, welche sich ihrer Pflege unterzogen haben, dürfen nicht allein auf keinen äußerlichen Ertrag rechnen — sie müssen sogar lediglich - im Auge haben, Las Pflänzchen nicht absterben zu lassen, um es für bessere Zeiten zu erhalten. Unter allen europäischen von Juden bewohnten Ländern ist Italien am längsten hinteNäU gebliebM Wie die Juden Frankreichs zunächst das in Deutschland erwachte Leben begriffen, wie England'üüchfolgte-wie^Nvrdamerika , insbesondere durch seive Deutschem,' wenn auch in englischer Zunge, ftöhlich empörbtüht, so beginnt nun auch in Italien der Funken zu glühen, möge er bald zu leuchtender und wärmender Flamme werden! — Vor uns liegen die 10 ersten Hefte des zweiten Jahrgangs der Monatsschrift: TEducatore israelita, welche unter der Redaktion der Herren Prof. G. Levi und E. Pontremvli in Vercelli erscheinen, und sehr tüchtige Arbeiten enthalten. Heben wir die hauptsächlichsten hervor. Von Luzzatto: Kurze Ueb erficht über das mosaische Gesetz; literarische Uebersicht von della Torre; Biographie des vr. Ludwig Philippson von Demselben; über das israelitische Rabbinat, seine Attribute und Competenz vom Großrabbiner Cantoni; über die portugiesischen Juden; über die Vereinfachung des jüdischen Cultus vom Rabbiner Mortara; über die Unverletzlichkeit des göttlichen Gesetzes von vr. Padoa; über die Hebräer in Italien; über die Juden in Cento und deren Reform von Maroni; die jüdische Wohlthätigkeit von della Törre; die Morallehre der Psalmen von Flora Randegger; über Anspielungen in der Predigt von della Torre (ein sehr lesenswerther Aufsatz!); über Proselhtismus von Rabbiner Gherson — außerdem viele bibliographische und Tagesnotizen. — An selbstständigen Werken gelangten — außer den früher angezeigten von della Torre und Luzatto — zu uns: I salmi volgarizzati sul testo massoretico ed illüstrati con argomenti e note dal Prof. Rabb. Blio della Törre. Parte seconda Note. Fase. I. Es ist dies der zweite Theil zu der schönen italienischen Uebersetzung der Psalmen, welche der Verfasser ftüher herausgegeben. Das vorliegende erste Heft (80 S.) befaßt die ersten zwanzig Psalmen, woraus man sieht, daß der Commentar ein ausführlicher ist. Eine bald kürzere, bald längere Jnhaltsanzeige jedes Psalms, dann kritische und erläuternde Anmerkungen den Versen nach erleichtern nach jeder Seite hin das Verständniß der unsterblichen Gesänge. Der Verfasser benutzt und bespricht eben so die Auslegungen unserer älteren Commentatoren Raschi, Abenesra, Kimchi und Anderer, wie die Meinungen der Neueren: Rosenmüller, Gesen, de Wette, Hitzig, Ewald, Philippson, und erwirbt sich dadurch das große Verdienst, auf italienischen Boden, wo allein die Juden berufen find, Bibeleregese zu fördern, die Arbeiten, der Deutschen (Protestanten und Juden) zu verpflanzen. Die Jnhaltsanzeigen sind concinn, kräftig, charakteristisch und-fesselnd; die Anmerkungen wahren ein weises Maß, und die Kritik des Verfassers ist unparteiisch und scharfsichtig. Wir hoffen, daß die italienischen Juden dankbar und intelligent genug find, um die Vollendung des Werkes zu ermöglichen. Wir werden dann 47