Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1854)
- Date
- 1854-11-20
- Page
- Seite 594 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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594 lichkeit und Bestimmtheit im Vortrage den Schülern die oft schwierigen Lehren leicht zugänglich zu machen und in ihnen eine besondere Vorliebe für diese Wissenschaft zu erwecken, daher auch der Erfolg seines Unterrichtes immer ausgezeichnet war. Sein Betragen gegen die Schüler ist liebevoll und Vertrauen erweckend." ■ „Diese ausgezeichneten Eigenschaften begründen die Ueberzeugung der Direction, daß Herr Simon Spitzer sich in jeder ihm anvertrauten Lehrstelle für reine Mathematik die vollkommenste Zufriedenheit erwerben wird: Sein moralisches Betragen so wie sein Benehmen gegen Vorgesetzte verdient alles Lob. Von der Direction des k. k. polytechnischen Institutes. Baron Smola m. p. Oberst-Direktor. Wien, am 4. März 1854." Ich denke, man kann einem Professor nicht mehr Lob sagen, als in diesem Zeugnisse ausgesprochen ist. Zudem erlaube ich mir noch hinzuzufügen, daß Herr Professor von Ellinghausen, dem man gerade besondere Judenfreundlichkeit nicht zum Vorwurfe machen kann,'in seinem Berichte in der Akademie der Wissenschaften unter Anderm über die Abhandlungen Spitzers sagt: „Nach dieser Darlegung des Inhaltes der Abhandlungen deS Herrn Spitzer (zur Theorie numerischer Gleichungen) wird die verehrte Classe sich wohl zu dem Urtheile geneigt finden, daß derselbe ihr eine Arbeit von gediegenem Werthe vorgelegt habe." — Und doch trotz all dem und bei all dem kann eS Herr Spitzer in Oesterreich zu keiner Professur bringen, und zwar, weil er — Jude ist! Es ist nicht unsere Absicht, mit diesen Zeilen Herrn Spitzer eine Gefälligkeit zu erweisen. ES strömen demselben hier massenhaft Schüler zu und zwar aus der höchsten haute volee; wir möchten nur, daß diese Kraft für uns nicht verloren gehe. Der Mann wünscht und will keine Anerkennung für seine.Glaubenstreue; aber, erlauben Sie mir, es auszusprechen, wo unter Juden im großen deutschen Vaterlande eine Lehrkanzel für Mathematik ist oder entsteht,. möge sie im Interesse der Wissenschaft mit dieser wahrhaft hervorragenden Capacität besetzt werden. Wien, 10. November. (Privatmitth.) Die „Wiener Zeitung" brachte im Laufe dieser Woche, Se. Majestät der Kaiser habe zttr KenNtniß genommen,; daß die Juden zu Jerusalem den Herrn Ignaz Deutsch, Hofwechsler, zu ihren Bevollmächtigten in Oesterreich ernannt haben. Wir wünschen, daß Herr Deutsch nun wirklich sich der Sache der Juden zu Jerusalem annehme. Bekanntlich sind die Juden in Jerusalem nicht sparsam mit der Verleihung der Titulatur eines Wer ihnen Geld schickt, den setzen sie zum Herrn ein. Es ist übrigens ein Verdienst des seligen Herrn Fein, daß in Oesterreich in neuerer Zeit auf's Neue Sammlungen für Jerusalem eingeleitet werden dürfen. Der Zufall führte mich diese Woche mit einem jüdischen Arzte, der längere Zeit in Bagdad, Mofful u. f.. w. gelebt, zusammen, und derselbe kann mir nicht genug erzählen, wie viele Massen Geldes von Afrika, Asien nach Jerusalem strömen, und doch fällt Alles in einen löcherigen Sack. — Frankreich. Lyon, im November. Wie etwas Schlimmes immer etwas Gutes im Gefolge hat, so scheint aus dem Vorgänge mit den Gebrüdern Lehmann auch eine segensreiche Institution hervorgehen zu wollen. In einer Versammlung am 17. September ist beschlossen worden, ein doppeltes Internatfür Knaben und für Mädchen zu gründen, wo die Kinder zukünftig in dem Glauben und dem Gesetz der Jsrae^- liten erzogen werden können. Eine starke Summe ist sofort für die ersten Kosten dieses Etablissements gezeichnet worden, dessen Notwendigkeit sich um so fühlbarer macht, als die öffentlichen Schulen und Lyceen keine religiöse Bürgschaft mehr den israelitischen Familien bieten. (l’Univ. israel.) Italien. Sirrigaglia, im October. Hier, imKirchen - sta a t, ist jüngst folgendes unerhörtes Ereigniß vorgekommen. Am 18. October starb in einer ehrend werthen israelitischen Familie ein kleiner Knabe von drei Jahren. Unmittelbar nachher häts der Bischof den trostlosen Eltern befohlen, ihnen sofort den Leichnam des Kindes auszuliefern, weil ihre katholische Magd, nach einer von dieser gemachten Erklärung, einige Tage vorher das dreijährige Kind getauft habe, als sie ihm ein