Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1854)
- Date
- 1854-11-20
- Page
- Seite 589 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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589 ersten. Worte deS ersten Gebotes. <'n ^.2ddr,.dazu 'n Ö.nV; WYp, rrb, hierzu sagt Herr. Fasset:„Daß er ist A d o n a i das einig - einzige, unkörperliche, ewige, selbstständige, unveränderliche, .wahrhaftige,.vollkommenste, allmächtige , allweise, allgegenwärtige,: allwissende, allgütige, allgnädige, allbarmherzige, allgerechte; und höchstheilige Wesen, das hatte man bis, jetzt nicht gewußt." Also das Alles faßt das Dort „Adonai?" Nun., so fragen wir Herrn Fasset: was haben denn Abraham, Jizchak und Jakob von Gott gewußt, wenn sie das Alles nicht gewußt haben? . Denn die von Herrn Fasse! angeführten Worte, heißen ja: pnur» ba cmss ba cncn '■tti ■toiöi 'Np bs:i 2. Mos, 6, 3! Aber noch nicht genug :: die Worte 'n lehren nicht blos 1) „das Dasein Gottes," sondern auch: 2) „die Unsterblichkeit der Seele," denn: „wir erkennen aus, dem Worte: Ich bin Adonai dein. Gott, daß wir als Wesen Gottes auch ewig und unvergängliche sind, denn Gott kann nur « sein der Gott eines Etwas, aber nicht der Gott eines. Nichts." Das nenne ich.Logik. Aber ist denn das,;.was. nicht unvergänglich, was nicht ewig ist, Nichts? Das Thier des Feldes, die Psianze des Erdbodens, sind die „Nichts," trotzdem sie vergänglich sind? ja , ist der Mensch als Mensch nicht vergänglich, und doch Etwas? Und ist nicht Gott der Gott aller Wesen, auch der nicht unsterblichen? Dieselben Worte lehren auch 3) „die Vorbereitung zur Offenbarung" und 4) „die moralische Freiheit." 'Diese eine. Probe genüge.— Wir wiederholen es. Wir sind weit davon entfernt, Jemandem seine religiöse Bestrebung .irgendwie verleiden zu wollen) es ist uns auch Alles.recht, was: zur Belebung. des religiösen Geistes, des sittlichen Bewußtseins, des jüdischen Lebens, des israelitischen Berufes dienet, sei es groß, .fei es: Wnsei -eZ? auch bisweilen: geschmacklos, denn auch das gefällt Vielen, — aber sobald Etwas sich hervordrängt, mit Prätension sich an! die .Spitze stellen will, das, was nicht! seiner Art ist, schmäht, und selbiges ist zugleich das Unästhetische, Geschmackwidrige, oft Verkehrte — so müssen wir das: Schwert dagegen, wenden, wer auch der Gegner sei! Wir werden recht bald die Gelegenheit haben, Herrn Fassel's -wirkliche Verdienste auf einem andern-Gebiete zu würdigen, aber .um so weniger stehen wir an, ihn hier, völlig a beweise N. — . Herr Jacobson hatte es weniger von,der Form als von dem Geiste verstanden - und. allerdings steht seine Predigt in.'der Regel einer gutgevrdneten .schon ganz .nahe.! Daß: e r aber .den. jüdischen: Geist, -gepachtet/ -zu ' haben glaubt, daß er „mit einigen ehrenvollen Ausnahmen"? seinen Vorgängern abspricht, ist vom Nebel. Wir sagen im Gegentheil, Herr Jacobson thut des Guten zu viel, er spricht immerfort von Israel und Judenthum —- aber der Jude ist auch Mensch, und es muß daher der Prediger nicht allein, und nicht bis zum Ekel immer nur den Juden an ihm hervorheben, sondern auch das rein Menschliche an ihm in Betracht ziehen. Es liegt darin zuletzt, so etwas Unpraktisches, das die Wirksamkeit sehr schwächen muß! Dann, wie wir schon gesagt/ hat Herr Jacobson so viel von Anderen Entlehntes — wenn auch unbewußt und nicht immer Wörtliches — aber in der ganzen Art und Weife, in den Begriffen und deren Bezeichnung, . daß er doch etwas bescheidener hätte sein müssen. Auch bei Herrn Jacobson finden wir öfter eine sehr gezwungene Disposition. Z. B. der geistliche Führer der Gemeinde (S. 19) sei 1) „ein Mann von achtem Gottesgeiste durchdrungen, 2) daß dieser mit Willens- und Thatkraft begabt die Gemeinde zu leiten verstehe, und 3) daß er ferner sie nicht bloS leite, sondern auch der treue Hirte der Heerde sei" — wo wir mit 3) im Verhältnis; zu 1) und 2) in's Gedränge kommen. Nicht minder S. 30, wo die logische Folge fehlt: ,,1) wer sind die berufenen Priester? 2) was sollen sie thun? 3) was kann, was soll man von ihnen fordern? 4) was sollen sie durch und durch sein?" Erft thun, dann forderndann sein — gerade die umgekehrte Folge! Die mitgetheilten „Homilien" sind in der That zuletzt nurwaS man sonst einen guten „Schiur" nannte. Die Auslegung oft sehr gezwungen, z. B. in „Israel ist das Lamm Gottes." -T- So gut also auch Manches in dem Buche des Herrn Jacobson ist, so gern man eS sich gefallen hätte lassen, feine Predigten neben so vielen anderen zu haben, so mußte .man sich doch von dem Gesichtspunkte des Verfassers aus dagegen erklären. Jüngst sagte ein sehr einsichtsvoller italienischer Kritiker von der deutschjüdischen Predigt: „la predicazione conta ancora qualclie nome distinto, sebbene sia alqüanto in d ecadenza.'4 Aber fürwahr! die besprochenen Predigtsammlun'gen geben diesem Kritiker kein Dementi, sondern sind vielmehr dieser Decadenz.ein andres Zeichen.: . Wir schließen hieran noch andere, homiletische Arbeiten. nsPDN eine Sammlung Predigten, gehalten in der Synagoge zu Eiwanowitz in diesem Jahr von Elias Ka rp el.es,. Rabb. Wien, 1853. Mit Ausnahme der -letztern können wir für diese Predigten mit vollem Herzen Anerkennung ausspre'chen. Geordnete Form, rei- 47 *