Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1854)
- Date
- 1854-11-20
- Page
- Seite 588 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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und durch ihr Leben als religiös bewährten Israelitin" vorgelegt worden, „daß die Braut in dem letzten. Tagen vor der Trauung^ ein den gesctzlichen'Vorschrlften' entsprechendes Reinigungsbad genommen^ hat."-»'> Wir geben hier keine Kritik dieser Verordnung, kein Wort über ihre staatsgesetzliche und über ihre jüdisch-religionsgesetzliche Berechtigung, kein Wort über die „bewährte Israelitin," und ihre „schriftliche Bescheinigung" — in der Regel können die Mikwehfrauen nicht schreiben — so wie über „ein den gesetzlichen Vorschriften (??) entsprechendes Reinigungsbad," — worüber die „bewährte Israelitin" zur rabbinischen Autorität erhoben ist — wir sagen: kein Wort geben wir hierüber, und zwar nur deswegen, weil wir uns keine Preßprocesse zuziehen wollen, deren Pröbchen uns schon genügte. Wohl aber rufen wir den deutschen Juden zu: „Sehet, dahin will dLe Schülchan- Aruch-Partei!" Sie will erstens in den innersten Schoß eurer Familien dringen, und in deren Heiligthum anwesend sein und herrschen. Sie will z w e i t e n s die Hülfe der Staatsgewalt dazu benutzen, wo sie sich ihr hierzu darbietet. Wir sagen nicht eine Sylbe mehr. Wer sich hiervon nicht die Consequenzen denken kann, wer nicht weiß, daß dies nur „erste" Schritte sind, wer nicht weiß, daß am Rhein und Main eben so daran gedacht wird, wie an der Warnow und Reckenitz, für den sind der Worte schon zu viele. . Wir sagen: Merket. Ihr es nun, deutsche Juden? Die Predigt. (Schluß aus Nr. 46.) Die Art und Weise, wie die Herren Fassel und Jacobson in den Vorreden zu ihren Sammlungen von sich und ihren Predigten sprechen, fordert die Kritik heraus. Sagt doch Herr Fasseler habe zwei Male in einer großen Synagoge, wo ein. berühmter Redner fungirt, gepredigt, und es sei jedes Mal der Raum zu eng gewesen, während sonst, die Synagoge leer sei. Dies kann sein; der Redner, aber, von dem er spricht, predigt dort seit zwölf oder vierzehn Jahren (wir wissen es nicht genau) fast alle. Sabbath, und es ftägt sich, ob das dritte oder zehnte Mal auch nur: einig e Zuhörer; bei Herrn.Fassel sich eingefunden hätten. Wir sagen es offen, wenn Herr Fass^l-'Recht^hätte, wenn s^eine.2^t Hre^igjen hei den deutschen Juden Gefallens^and'e,^so bedäuer^ .ich alle jüdiffhM 'Mutschen ReHnA/sM ^meisteN^ Mr^ie^HyKl selbst. Denn erstens Mlt es Herrn Fassel an aller Gediegenheit, und noch mehr au aller Correctheit der Sprache. S. 1 z. V. nennt er-das Grab „das Knochenhaus des TodeS;" da sagt er: ),waS die Grube verschlingt (!), ist nicht der Mensch, sondern blos das Unbrauchbare von ihm (!), der Körper (!), er selbst lebt weiter, lebt für eine andere Welt." (N. B. Da haben die Kabbalisten doch eine höhere Auffassung von Gottes Werk, dem Körper, welcher die Verwirklichung eines Gedankens Gottes ist, der eben so wenig untergehen kann, wie der Geist!) Es kommt Herrn Fassel auch gar nicht an, seinen Zuhörern griechische Mythologie zu erzählen, z. B. S. 2 vom Labyrinth und dem Faden der Ariadne,, und es .als „ein treffliches Bild für die irdische Welt" zu erläutern, (also doch noch etwas außer Schrift- und Talmndstellen!) oder S. 31 von Achilles: mit > der verwundbaren Ferse. S. 4 sagt Herr Fassel: „Denn ist die Gotteserkenntniß mager und verkrüppelt (!!), so wird es auch die Religion." S. 3 giebt er folgende Erklärung: „Ich glaube es schon einmal gesagt zu haben, der göttliche Mann hat darum die Tafeln Gottes zerbrochen und auch das goldene Kalb zermalmt, um Folgendes zu beweisen: Die Wahrheit, wenn man ihr auch Fesseln änlegt, mit Scheiterhaufen drohet, und Äeint, sie schon zertrümmert zu haben , sie kommt wieder, sie wurzelt einmal im Boden der Vernunft, und entwickelt sich immer wieder mit neuer, siegender Kraft. Aber die Lüge, wenn man sie einmal bekämpft und gebrochen, so stehet sie in Ewigkeit nicht - wieder, auf.,". . Ja, das ist Drusch, denn erstens daran hat die Schrift wohl am wenigsten gedacht chei Erzählung der gedachten Vorgänge, und zweitens ist es nicht wahr, denn bis jetzt waren Lüge, Wahn, Bosheit u. s. f. eben so unsterblich wie die Wahrheit, das haben wir Juden wohl genugsam erfahren. — Doch das ist das Einzelne. Aber eben so gezwungen ist die Auslegung des Herrn Fassel im Großen'. Nichts ist schlimmer und armseliger, als in eine Schriftstelle All es hineinpfröpfen zü wollen. Den tiefen Gedänkeninhalt eines Satzes einfach, kräftig, schlagend , sinnvoll an's Licht zu schaffen, das ist schwer und erfordert Geist — aber in ein einfaches Wort die ganze Religionslehre Hincinzustopfen) ist nicht alltiü leicht, noch dazu wenn -die Logik dabei- 'fehlen^ kann, sondern es ist - auch - ein Armütbszeugniß. Z . B. S. 4 die