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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-11-13 · Heft 46 (13.11.1854) · p. Seite 576

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 46 (13.11.1854)
Date
1854-11-13
Page
Seite 576 (sequence 4)
Language
German
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576 werden, sonst ist es vom Uebel, und wir wollen unS nicht wieder Geschmacklosigkeit und verkehrte Exegese aufbürden lassen! Ist darum in einer Predigt Exegese, wenn viele Stellen angeführt und, oft gezwungen genug, erklärt werden? oder ist nicht Exegese, wenn auch nur eine Schrift- oder Talmudstelle gründlich und schön durcharbeitet wird? Wir haben Erfahrung, denn eS war stets unser Bemühen, alle Arten der Predigt- oder Redeformen durchzuprüfen — aber wenn wir irgend Erfolg gehabt, wenn wir eS erlebt haben, daß Zuhörer noch nach zwanzig Jahren sich einer bestimmten Predigt erinnerten, so waren es gerade solche, die den einfachsten Text hatten, z. 23. am der Text: n» „Wächter, wie steht'S um die Nacht? " oder •nass „Kehre zurück, meine Seele, zu Deiner Ruhe!" oder 2M8 'n „eine Leuchte des Ewigen ist die Seele des Menschen" u. s. w. Ja, ich bekenne, es ist stets meine Sorge, daß die Zuhörer mindestens den Text und das Hauptthema, abgesehen von dem allgemeinen Eindruck, ganz bestimmt mit nach Hause nehmen. Außerdem ist es noch eine Hauptregel: individualisiren möglichst in der Predigt, d. h. sprich von Zuständen, in denen Jeder sich befindet, oder in die er leicht geräth, und charakterisire diese scharf und lebensmäßig — dann wirkst Du unmittelbar. Ich muß gestehen, in beiden Predigtsammlungen finde ich davon nichts, oder wenig, sondern ein Herumtreiben im Allgemeinen, in der Phrase. (Schluß folgt.) Magdeburg, 31. Oktober. Die anglikanische Mission in Jerusalem« Gewöhnlich sagt man, die Ausdauer überwinde zuletzt alle Hindernisse; aber so gern wir diesem Allgemeinsatz seine Wahrheit zugestehen möchten, muß doch jedenfalls eine Bedingung voraus erfüllt werden, die, daß es überhaupt etwas Ueberwindliches sein muß, was man sich vorgesetzt hat; denn auch die 2lusdauer wird an dem Unmöglichen und Widersinnigen scheitern. So sollte man wohl voraussetzen, daß endlich selbst der Theil der christlichen Welt, welcher fich um die sogenannte „Judenmisfion" kümmert, zu der Einsicht gekommen wäre, daß mit allen Kosten und Mühen das, was man erreicht, weder quantitativ, noch qualitativ der Kosten und der Mühe werth ist, und daß man daher nach so vielen Erfahrungen und namentlich nach so vielen Täuschungen die Sache fallen lassen möge, bei der die Ausdauer auch nichts hilft. Hat fich doch auch das beliebte System, getaufte polnische Juden zu Misst onairen zu verwenden, als resultatlos gezeigt. Man wird einwenden, es sind doch zu viele Personen in ihrem persönlichen Interesse schon bei der Aufrechthaltung der sogenannten Judenmission betheiligt, als daß diese sie fallen lassen sollten ~ aber zumeist kommt eS doch auf die Unermüdlichkeit der Geber an. Jndeß, wie man will, wir find nicht berufen, hierin Rath zu ertheilen. Vor uns liegt die Reisebeschreibung eines „DirectorS der evangelisch-lutherischen Mission zu Leipzig," Herrn K. Graul: „Reise nach Ostindien über Palästina und Egypten vom Juli 1849 bis April 1853." Der erste Band handelt über „Palästina," der zweite über „Egypten und den Sinai." Weiteres ist noch nicht erschienen. Weder die geographische, noch die antiquarische Wissenschaft wird Vieles aus diesem Reisewerke gewinnen. Selbst der Ton und Styl gefällt uns nicht, obschon er nicht ganz der Wachholderbeerenrauch-Styl der Misfionaire ist. Allein dies Alles berührt uns nicht. Der erste Band, welchen eine treffliche Ansicht von Jerusalem ziert, spricht sich auch über „die Judenmisfion im gelobten Lande" auS. Es wäre sehr überflüssig, dem Herrn Missionsdirector Graul seine Meinung über das jüdische Volk, dessen Schicksale und Aufgabe zu bestreiten. Diese Herren antworten auf die Frage des Propheten Jefchajah: „wer hat im Rathe Gottes gesessen?" mit ihrem süßlichdemüthig-hochmüthigen Tone: „Ich, ich!!^ Und welche- Gottes? Wir überlassen diesen Herren freudig ihren Zorn- und Fluchgott, und sagen: das Judenthum kennt ihn nicht! Kommen wir lieber zur Sache. Auch seine Art, die Juden in Jerusalem zu betrachten, wollen wir nicht angreifen — nur das Eine wundert mich, daß der Verfasser dabei vergessen hat, welche Schilderungen er einige Seiten vorher von den verschiedenen christlichen Seelen in Jerusalem, ihren rohen Schlägereien, ihrem gehaltlosen Formdienst, ihrem Haß, ihrem Streit, ihrer gegenseitigen Verfolgung u. s. w. gemacht hat — all dies findet er doch bei dm Juden Jerusalems nicht, und wenn auch da menschliche Leidenschaften nicht fern find, so ist eS doch Person zu Person, und hat mit der Religion nichts zu thun! Auch mischen fich einige Unrichtigkeiten in die Charakterisirung ihrer 2lbtheilungen hinein, doch daS thut nichts. Er kommt endlich zur Mission. Seit 1820, sie-

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