Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1854)
- Date
- 1854-11-13
- Page
- Seite 574 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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574 . crtdoch zum wichtigsten Moment des Gottesdienstes geworden. .— Man hat allerdings viele GemeiAKen, welchMdie PMigt zuI •$; den Fcstfche^ ÄVnDIetigepengagirEn. <Wa^warum?<AeI die Besucher des Gottesdienstes durch das ganze Jahr hindurch eS um des bestehenden Gottesdienstes willen thun — am Festtage aber kommt die große Menge herein, aber nicht blöS um des Buchstabens willen, sondern$ um etwas mehr. Ihr seid verständig genug, ihr noch etwas mehr bereiten und bieten zu wollen. — Andrerseits giebt es Gemeinden,, wo seit langer. Zeit Jahr aus. Jahr ein gepredigt worden, und wo daher Vielen die Predigt, von denselben Personen und vielleicht in alternder Weise gesprochen, nichts den Appetit Reizendes mehr ijlf und diese daher leicht die Predigt mit. sehr gleichgültigen Äugen .ansehen: aber sagt, könnt Ihr sie wirklich entbehren? wurdet Ihr einen Gottesdienst ohne sie nur zwei Mal auShalren? Ihr sagt: daS musikalische Element muß verstärkt werden. Gut, ich habe nichts dagegen.: n Allein auch dass würde allein nicht genügen. Man; kann. Musik jetzt genug hören, man hört sie auf der, Parade, in den Gärten'und im Concertsaal, und da viel, bequemer. Der. Mensch will fühlen, er will aber auch.denken, und so bleibt die Predigt für den gegenwärtigen Cultus unentbehrlich, der Kernpunkt, man mag auch ihr ähre Schwächen abschen oder nicht.; Ja,- die Predigt der neuern Zeit hat für das Judenthum: außerordentliche Dienste geleistet, außerordentliche Verdienste erworben, und wir sind lange noch nicht so weit fv. ürn ihrer : entbehren zu können! Man' weiset' auf die vielen Lauen, und Laren hin, -welche trotz der Predigt Vorhänden, auf zahllose Indifferenten-, auf mannigfachen Abfalls i Allerdings. Wisset Ihr aber, wie Viele die Predigt:zurückgehalten? in wie Vielen sie religiöses Bewußtsein gezündet? religiöses Bedürsniß geweckt, wieder genährt hat? Die Predigt war es, welche über den Berus Israels aufgeklärt, den Lehrinhalt unsrer Religion geläutert, in-der Gesammtheit und in den Einzelnen die Religion wieder glorisicirr hat.... - Predigt. .Aber was ist-denn Predigt? Predigt i-st, der Etymologie des Wortes (praedicatio). nach, die Darstellung des Lehränhalts der Religion in populair er Weise durch Vortrag beim Gottesdienste. -Daher der Lehrinhalt an sich im Lehrtheil det-Religion, aber nicht-minder-wie er in. der Satzung enthalten und. in der Geschichte durchlebt ist. J Die Predigtwird die Satzung in 'ihrem materiellen Theile - nicht s: (> | 1 K ..'.-- behandeln, nicht darstellen und nicht darüber streiten, wohk-aber k^A sie den Gedanken, der^, religiösen Mrund undMv^M Satz^ HMte^rK ^eH^tzi^chird kein^ÄeMch«^ erzähl^E Äw' jü-Rvird 'Mr^ dikse gegebenen , Lehren uM Beweise überall benutzen. In populairer Weise, denn die Predigt ist an die Menge gerichtet, sie will in dieser immer von Neuem alles Religiöse und Sittliche,^ alles^ ©-ute-unbi ©öle zum Bewußtsein bringen — sie kann daher keine philosophische Abhandlung, sie kann keine exegetische Forschung, keine kri- - lische- KiEcussiow.sein>,:-sic .muß sinnig, aber darf nicht tiefsinnig sein, sie muß mehr enthalten, als die Menge ..schon hat,, aber sie darf nicht haben, was die Menge im Durchschnitt gar nicht zu fassen vermag. Endlich: beim G o t t e s d i e n sie,, daher in gehobenem Tone, in erhöhter Färbung, auf das Wort Gottes gestützt und immerfort zu Gott führend; kein Unterricht in der Schule, kein Vortrag .auf dem Katheder — denn sie geschieht in der Synagoge, nach der Verlesung der Schrift und vor dem Beginne deS zweiten Gebetabschniltes. . .. Hieraus folgt aber noch eine Bedingung für die. Predigtnämlich die der Form. Die Predigt muß Form haben. Denn glücklicher Weise bewahrt sich das Polk seine Logik besser als. die Gelehrten sie bewahren. Was formlos ist, das überrascht ein Mal und zwei Mal, dann aber bedankt es sich dafür. Soll eine-Predigt genügen, so muß ihr Gegenstand klar in die Augen springen, fortlaufend entwickelt und in allen Theilen zum Bewußtsein gebracht werden. Wie gesagt, ein Mengemus kann einige Male ergötzen, .wie ein Kaleidoscop, ein Znsammenwürseln einer Menge Sprüche und. Einfälle wird seine Freunde finden — aber auf' die Länge müß'eö ein eigenes Publikum fein, -das davon gefesselt würde: — Ihr -fragt nun, welche Form? Die inannichfaltigste, die verschiedenste — aber nur Form. Ob die Einleitung kurz oder lang, oder gar nicht zu bemerken, ob die Predigt zweidrei oder -gar keine-Theile habe, ob der-Textseinem allgemeinen Sinne nach oder in jedem einzelnen Satz üttd Worte-erörtert/ ob der Schrifttert durch einen Midrasch unterstützt 'werde, oder durch die Interpretationeines ten Eregelen> ob pathetisch erhaben, oder -- kindlich' einfach , oder abwechselnd gesprochen werde (— -nur -nicht „Jean-Paulisch," denn das ist wieder formlos —<oh der- Redner die Frage anwende oder - vöcire, ob' -fr ironischsatyrisch, obet' sanft-'überredend -sprecht ü^s. -w/ 'ü^ st: — baS Alles muß dem -Redner überlassen^bleibeit-; hater-' Fähigkeiten, - so 'versteht --kr' jede Förtn zü