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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-11-06 · Heft 45 (6.11.1854) · p. Seite 565

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 45 (6.11.1854)
Date
1854-11-06
Page
Seite 565 (sequence 5)
Language
German
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565 gemeininteressen des .jüdischen Glaubens su;nb: Blicken wir auf die seitdem verflossenenvierzehn.Jahpe zurück, so hat uns unsre- Voraussicht nicht getäuscht.' Hamburg, 10. Oktober. Ueber Atheismus. „Ich fürchte den Atheismus nicht// so-lautete vor Kurzem eine Aeußerung in diesen Blattern,, die mehrseitig zum Nachdenken auffordert. Allerdings-ist der Atheismus nicht zu fürchten, wenn wir blos an die Gefahr denken, die etwa dem GotteSglauben, ja selbst dem OsfenbarungSglauben unter den Menschen drohte: nein! der ist viel zu eng in daS menschliche Geistesleben verwebt, als daß er von dem Atheismus vernichtet werden könnte, weder von dem wüsten blos negirenden, noch vom dem spekulativen, -der die Intelligenz zu -einem der Attribute der! Materie macht. ' Im Gegentheil: je mehr letzterer den Theismus als bloße Spiegelung .des concentrirren Menschengeistes darstellen möchte--desto enger zeigt er. die Verbindung zwischen Gott und Mensch, desto klarer zeigt er, daß das Wort: s’il n’etait pas de Dieuj il faudrait l’inventer, weit entfernt., eine Schwächung, dieses- Bandes zu enthalten, vielmehr, und abgesehen von allen socialen Zwecken, den innersten Zug unseres Geistes und GemüthS und somit das lauteste Ja und- Amen -ausspricht. Daß man von jeher mit dem Namen Atheismus viel zu fteigebig war, ist nicht zu leugnen. - Don den Athenern ward Sokrates, - von den Römern wurden die ersten ihnen-bekannt gewordenen Juden und -Christen/ von den Sabäern ward Mahomed, von den Trinitarien Socin, von den Scholastikern Descartes und Spinoza, von den Pfaffen! Voltaire, von den Methodisten Franklin Atheisten genannt; ja cs mangelt heut zu Lage eben so wenig an-christlichen Theologen, die jedes von dem-ihrigen abweichende Christenthum als Atheismus stempeln, als,!wie-es scheint, einige jüdische Lehrergroße Lust zu ähnlichem Verfahren bezeugen. Wenn - wir aber heute von Atheismus reden, und nicht blos an eine geringe Zahl von Gelehrten denken, die, vielleicht nur in vorübergehender Denkphase, auf einem Standpunkte angelangt sind, der sich von dem unsrigen auS so bezeichnen läßt, so können wir nur denjenigen Atheismus meinen, der sich — und zwar.zumeist unbewußt — in allen Klassen -und Ständen desjenigen ThrilS Des Publikums bemeistert, welchen die bestehenden. kirchlichen- Systeme - und Einrichtungen. nicht gefallen, -und - denen manuvon allen Seiten; zuruft: es giebt kein aufgeklärtes-. Christenthum! kein aufgeklärtes- Judenthum! D.et Rationalismusist todt! Die Vernunftreligion ist begraben! Kein Deismus! kein Theismus! kein Pantheismus! Entweder—■ oder! , , Und dies Publikum zieht sich iu immer größeren Massen gänzlich zurück und geht an seine Geschäfte. Bei Hengstenberg ist es ihm zu - schwül und dumpfig., bei Feuerbach zu kalt und dünnluftig: von beiden wird-aber alles Zwischenliegende geleugnet. Was Wunder, daß es sich an dem ganzen Kampfe nicht einmal als Zuschauer mehr betheiligen mag. Und in dem Gebiete/ das man jetzt das philosophische nennt, geht es ganz eben so. - Diese Art des Atheismus, die einzig populäre, die ist zu fürchten, weil sie. es ist, die allem Aberglauben, d. h. dem Polytheismus: die Wege bahnt: und ihn Hervorrust. , ■ . War es nicht in demselben Monat, da der Nationalconvent das Christenthum verabschiedete, daß. die Secte der Catharine Theot sich erhob? Die Endpunkte berühren sich sehr nahe. - Das Abhängigkeitsgefühl des Menschen, seine natürliche Furcht vor den umgebenden Naturmächten — wie wir das alle Tage sehen können — wendet sich unausbleiblich an untergeordnete Gegenstände, er sucht in ihnen seine Schutz- und Plagegeister, sobald ihm der höchste, alles mit Liebe und. Vernunft; umfassende Gott entschwunden ist. . - Die Naturkräfte, emancipirt von-dem einen ewigen Willen, unter keiner Verpflichtung., stehend als der der Attraction und des Gleichgewichtes, erscheinen dann sofort als selbstständige Mächte, von denen auch, der Menschen Schicksaleabhänge.,. Hat schon die reine monotheistische Idee durch unedle Beimischung die Kraft theilweise eingebüßt, den Glauben, an . die Macht! der Gestirne und Zeiten / an-. das „Hereinragen ein er ändern. Welt,^ an Vorbedeutungen, böse Einflüsse und dergleichen in den Gemüthern ihrer Bekenner zu entwurzeln: um.wie viel mehr wird solcher Aberglaube da wuchern, wo der Mensch nichts ist als einer der Zähne in dem immensen Räderwerk, das, so weit-uns bekannt,, bis heute richtig gelaufen ist, und also wohl noch eine geraume Zeit so weiterlaufen wird. Verdenkst Du es der Mutter, wenn sie in ihrer Hülfs-

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