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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-11-06 · Heft 45 (6.11.1854) · p. Seite 564

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 45 (6.11.1854)
Date
1854-11-06
Page
Seite 564 (sequence 4)
Language
German
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564 schnaufende Schrift, dien der Graf Menton von seinen geistlichen Freunden empfangen hatte, ist ursprünglich der Bibliotlieca prompta a Lucio Ferrario entlehnt:- und es wird dann ganz bestimmt behauptet, daß die Juden zur Feier ihres Paschafestes des Blutes der Christen bedürften. Der. edle Graf hütete sich , die damit'verbundene Sage des Mittelalters zu wiederholen, , daß nämlich die Juden zu demselben Zwecke auch consacrirteHoftien stehlen und mit Nadeln so lange stechen/ bis. das Mut herausfließe — eine Unthat, die im Mittelaltsr : nicht blös durch beeidigte Zeugenaussagen, sondern auch dadurch an's Tageslicht gekommen, daß über dem Juvenhause, worin eine jener gestohlenen Hostien gemißhandelt i worden „ sich ein lichter Schein verbreitete. Nein, die. Ungläubigen, die Muhamedaner, hätten dergleichen nimmermehr geglaubt, und der Graf Menton mußte,;,im Interesse fei ner Sendung, zu weniger - miraeulösen * Historien seine Zuflucht nehmen. Ich . sage im Interesse seiner Sendung, und überlasse diese Worte dem weitesten Nach-- denken. .. Der Herr Graf ist erst seit kurzer Zeit in Damaskus, vor sechs Monaten sah man ihn hier in Paris, der Werkstätte aller progressiven, aber auch aller retrograden Verbrüderungen." Heine zeigt denn auch .auf den Charakter dieser „Sendung" hin, indem er alle falschen und feindlichen Schritte der damaligen französischen Regierung (Thiers, dem persönlichen Fein.de, .Rothschilds, Thiers, dem Judenfeinde, welcher z. B. in seiner Geschichte Napoleons kein Wort für das Sanhedrin und die ganze Institution der jüdischen Cultusorganisgtion durch Napoleon hat) denuncirt. In einem Briefe vom 27. Mai 1840 bespricht er einige judenfreundliche Berichte, von denen man behauptete, daß sie für das Geld der Pariser Juden geschrieben und abgedruckt seien. Hier sagt Heine: „Wahrlich, wir würden) die Juden von Paris eher loben als tadeln, wenn sie für. ihre unglücklichen Glaubensbrüder in Damaskus einen so großen Eifer an den Tag legten, und zur Ehrenrettung ihrer verleumdeten Religion , keine Geldopfer scheueten. Aber es ist nicht der Fall. Die Pariser Juden sind eben solche Franzosen wie die andern, und haben also auch Anwandelungen von Enthusiasmus, die vierundzwanzig Stunden, und, wenn, die Sonne heiß ist, sogar drei Tage dauern! und dies gilt von den Bessern. Bei den französischen Juden, wie bei den übrigen Franzosen, ist das Gold der Gott des Tages und die Industrie ist die herrschende Religion.".— „Das Interesse, welches die hiesigen Juden an der Tragödie von Damaskus-mahmen, reducirt sich ' aus sehr 'gkrickgfügige Manifestationen. Das israelitische - Eonsistorium, in der lauen Weist 'aller Körperschaften', versammelte sich'- und deliberirte; das einzige Resultat dieser-Deliberationen war die Meinung, 'daß män 'die - Aktenstücke des Processes zur öffentlichen Kunde bringen müsse." Heine spricht dann über die Verdienste Ereinieur' in dieser Sache, und fährt fort: „Einesder hochgeschätztesten Mitglieder des hiesigen Konsistoriums — man schätzt ihn nämlich auf einige dreißig Millionen Francs- -— Herr W. de Romilly, gäbe vielleicht keine -hundert Francs, wenn man zu ihm käme mit "einer. Eollecte für die Rettung-seines ganzen Stammes!*) Es-ist eine-alte, klägliche, aber noch immer nicht abgenutzte Erfindung-: daß man demjenigen, der zur Vertheidigung der Juden seine Stimme erhebt, die unlautersten Geldmotive, zuschreibt; ich-bin überzeugt, nie hat Israel Geld gegeben, wenn man ihm nicht gewaltsam die Zähne ausriß, wie zur Zeit der Valois. Als ich unlängst. fcie Histoire des Juils von Basnage durchbläiterte, mußte' ich herzlich lachen über die Naive tat, womit der Autor, welchen seine Gegner anklagten, als habe er Gelb von den Juden empfangen, sich gegen solche-Beschuldigung vertheidigte; ich-glaube ihm auf's Wort, wenn er wehmüthig hinzusetzt: le peuple juif est le peuple le plus ingrat qu’il y ait au monde! (d. h. das jüdische Volk ist das undankbarste Volk in der Welt.)" — „Hier Muß 'ich eine Bemerkung aussprechen, die vielleicht , die bitterste. Unter den getauften Juden sind viele, die aus feiger Hhpykrisie über Israel noch ärgere Mißreden: führen, als. dessen geborne Feinde. In derselben Weise pstegen gewisse Schriftsteller, um nicht an ihren Ursprung zu erinnern, sich über die Juden sehr schlecht oder gar nicht auszusprechen.. DaS ist eine bekannte, betrübsam lächerliche Erscheinung." — In dem Einen wie im Andern hat Heine Recht. Ja, noch mehr. Die Juden haben nicht allein keine Belohnungen für idiejenigen^ die für sie schreiben und handeln, sondern .sie geben auch keine - Bestechungen für diejenigen, die. gegen sie thatig sind.-— sonst, hätte die Geschichte Manches anders gesehen!: Und nun noch Eines.;Jn.;jener Denkschrift, die wir an Sir MoseS Montefiore in dem kostbaren Album richteten, welches für „Drittel Thaler" hergestellt worden, sagten wir damals: die Damasker Angelegenheit würde der Anfangspunkt sein einer neuen Thatkraft in den All- Das ist sicher zu stark gesagt! Redact.

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